Formel 1: Die Technik-Tricks der F1-Autos 2018

Formel 1: Der neue Williams FW41

Williams klaut bei Ferrari und Mercedes

Williams präsentiert den nächsten neuen F1-Flitzer: den Williams-Mercedes FW41. Doch das britische Traditionsteam steht vor einer schwierigen Saison.
21 Jahre ohne WM-Titel. So lang dauerte die berühmteste Durststrecke der Formel-1-Geschichte, als Michael Schumacher 2000 Ferrari die erste WM-Krone seit Jody Scheckter 1979 bescherte. Seit 21 Jahren wartet nun auch das britische Traditionsteam Williams auf den Titel (Jacques Villeneuve wurde zuletzt 1997 im Williams-Renault Champion). Und diese Durststrecke wird vermutlich weitergehen.
Der Williams-Mercedes FW41 für die Saison 2018, der im Londoner Szene-Viertel Village Underground – wenn auch nur digital – präsentiert wurde, hat einen Trumpf: den Turbo-Hybrid-Motor von Mercedes. Doch mit dem schwindenden Leistungsvorteil der Schwaben verpufft auch dieser Vorteil immer mehr. Williams beendete die Saison 2017 auf Rang fünf der Konstrukteurswertung. Was schwer zu wiederholen sein wird. Von hinten drängen vor allem Renault und Erzrivale McLaren nach vorn.
Bei der Präsentation am Abend in London herrschte trotzdem Aufbruchsstimmung im Williams-Lager: "Das ganze Team hat viele Monate lang außerordentliche Arbeit in die Entwicklung und den Bau des diesjährigen Autos gesteckt und wir alle können es kaum erwarten, es erstmals auf der Strecke zu sehen", so Teamchefin Claire Williams, die ihrerseits aus der Babypause zurückgekehrt ist.

Williams' Neuer: Markant ist natürlich der Halo-Bügel

Der FW41 trägt erstmals auch die Handschrift von Technikchef Paddy Lowe, der vor der Saison 2017 nach drei Fahrer- und Konstrukteurstiteln mit Mercedes zum Team gestoßen war. Die Knollennase und die schlanken Seitenkästen stammen noch aus dem Vorjahr. Analog zum Haas sind rund um die Seitenkästen die meisten Änderungen zu finden. Bei Ferrari hat man die rechteckigen Flügelelemente vor den Lufteinlässen kopiert, die doppelte Heckflügel-Stütze und die Abweiser außen an den Seitenkästen. An den Mercedes erinnert die bullige, dreigeteilte Airbox, die Schaufel unterhalb der Nase und das Sägezahnprofil der Barge Boards. Auffällig: Der Kamm auf der Motorhaube, der ein wenig an die nun verbotene Heckflosse erinnert.
Lowe: "Das aerodynamische Design, die Fahrzeugdynamik, aber auch die Renn- und Systemtechnik: Es gibt viele neue Merkmale am Auto, von denen viele nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Das Team hat aber beispielsweise ein ganz anderes Aero-Konzept verfolgt, wodurch wir uns große Vorteile versprechen."
Die Leistung auf der Strecke müssen mit dem FW41 aber die Fahrer bringen: Neben Lance Stroll, der in sein zweites Jahr mit dem Team geht, startet 2018 mit Sergey Sirotkin ein weiterer Bezahlfahrer. Der Russe bringt 15 Millionen Euro von der russischen SMP-Bank mit, soll so das 20-Millionen-Loch im Budget stopfen - entstanden durch das Fehlen von so namhaften Sponsorenaufklebern wie Randstad und Avanade.

Teamchefin Claire Williams mit ihren Piloten für 2018

Für Lowe ist Sirotkin aber mehr als nur ein Paydriver, er nimmt den jungen Rennfahrer in Schutz: "Was mir besonders auffiel - wie ruhig er bei den Tests gewesen ist. In einem Moment höchster Anspannung, als er genau wusste, dass er seine Leistung jetzt auf den Punkt bringen muss. Wir waren von seinem Speed beeindruckt und auch von seinen Aussagen über den Wagen, von seiner Präzision. Er hat keine Fehler gemacht. Schnell haben wir den Eindruck bekommen: Das ist unser Fahrer."
Die Entscheidung fiel damit gegen Routinier Robert Kubica, dessen Rückkehr ins F1-Cockpit sich viele Fans gewünscht hatten. Der Pole steht dem Team aber als Test- und Ersatzfahrer zur Verfügung, hat dadurch weiter Comeback-Chancen. Dem Team bringt er zeitgleich die nötige mediale Strahlkraft - welche die beiden Stammpiloten noch nicht liefern können.
Lance Stroll muss das Team 2018 mit nur 19 Jahren anführen. In Baku fuhr der Kanadier letzte Saison aufs Podium - als einziger Fahrer, der nicht aus einem der drei Topteams kommt. Trotzdem war seine Performance schwach: Mit 2:17 verlor er das Qualifyingduell gegen Felipe Massa klar. Im Schnitt war er im Zeittraining sogar sieben Zehntelsekunden langsamer als der Brasilianer, den Williams am Saisonende dennoch in Rente schickte.
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Autoren: Michael Zeitler, Frederik Hackbarth

Fotos: Williams

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