Sebastian Vettel: Sein Leben in Bildern

Sebastian Vettel Sebastian Vettel Sebastian Vettel

Formel 1: Der Vettel-Wechsel-Krimi

— 10.10.2014

So lief der Ferrari-Deal!

Ferrari hat es noch nicht bestätigt, aber Fakt ist: Vettel wechselt nach Maranello. ABMS verkündete den Deal exklusiv. So kamen unsere Reporter drauf.

Januar 2014: Zwei Ereignisse verändern Sebastian Vettels Weltanschauung. Am 12. Januar wird er Vater einer Tochter. Vater zu werden heißt: Nicht mehr sein Sport, sondern seine Familie bildet jetzt das Zentrum seines Seins. Sein Sport, dem er bis dahin alles in seinem Leben untergeordnet hat, wird plötzlich von reiner Gefühls– zur Kopfsache reduziert. Die ersten Testfahrten mit dem neuen Red Bull werden zum Desaster. Wenig später kommt Vettel bei den ersten Testfahrten kaum zum Fahren, weil der neue Renault-Motor voller Kinderkrankheiten steckt. Er ist frustriert, fühlt sich das erste Mal von seinem Team im Stich gelassen. Vettel spürt: Der Vorsprung von Mercedes ist zu groß. Vettel fühlt sich machtlos und hat das erste Mal in seiner Karriere ernsthafte Zweifel, dass er mit Red Bull Weltmeister werden kann. Beide Ereignisse führen dazu, dass er bereit ist, über Veränderungen nachzudenken.

Domenicali-Aus schockt Vettel

Vettel scheint bei der Scuderia bereits Freunde gefunden zu haben und scherzt mit einem Ferrari-Mann

April 2014: Bei Ferrari tritt Teamchef Stefano Domenicali zurück. „Ich bin geschockt“, sagt ein sichtlich betroffener Sebastian Vettel. AUTO BILD MOTORSPORT weiß warum: Domenicali war nicht nur Vettels Vertrauter bei Ferrari, sondern auch seine Fahrkarte nach Maranello. Schon öfters haben sie sich über einen möglichen Wechsel zu Ferrari unterhalten. Ausgerechnet in einer Phase, in der Vettel bereit war wie nie zuvor, auf das springende Pferd zu steigen, geht Domenicali. Sein Kindheitstraum war geplatzt, Ferrari plötzlich ganz weit weg. Die Saison verläuft für Vettels Verhältnisse frustrierend. Stoppt ihn mal nicht die Technik, wählt sein Team für ihn unglückliche Rennstrategien. Deshalb gewinnt sein neuer Teamkollege Daniel Ricciardo in Kanada und Ungarn zwei Rennen, die Vettel auch hätte gewinnen können. Vettel fühlt sich nicht nur von der Technik im Stich gelassen, sondern auch von seiner Mannschaft. Nach dem Großen Preis von Belgien entlädt sich seine im Laufe der Saison aufgestaute Wut.

Spa als negativer Höhepunkt

Vettel flippt aus. Eine spanische TV-Reporterin, die Vettel hatte Mut machen wollen, bekommt die Antwort ihres Lebens: „Das spanische Fernsehen unterstützt mich mehr als mein eigenes Team.“ In seinem Fahrerraum motzt er anschließend eine halbe Stunde lang mit Teammanager Jonathan Wheatley. Danach erkundigt er sich hinter verschlossenen Türen über die Vertragssituation bei Ferrari. ABMS weiß jetzt: Er will weg von Red Bull. Mercedes macht ihm immer wieder Offerten. McLaren, vom neuen Motorpartner 2015 Honda unter Druck gesetzt, einen Mega-Star zu präsentieren, unterbreitet ihm ein geradezu unmoralisches Angebot: Von 40 Millionen Euro Jahresgehalt ist da die Rede. Das ist mehr als das Doppelte von dem, was er von Red Bull bekommt. Vettel fühlt sich von anderen mehr respektiert als von seiner Mannschaft.

Machtwechsel in Maranello

Keine Freunde sondern Rivalen: Vettel (li.) tritt bei Ferrari die Nachfolge Alonsos (re.) an

In der Woche nach dem Großen Preis von Italien gibt es bei Ferrari eine Palastrevolution. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo wird von Fiat-Chef Sergio Marchionne gefeuert. Marchionne nimmt jetzt auch in der Formel-1-Abteilung die Zügel in die Hand. Sein Plan: alles umkrempeln, Altlasten müssen weg, neue Leute her. Dazu gehört: Der unbequeme Starpilot Alonso muss weg, Vettel soll als neues Zugpferd kommen. Koste es, was es wolle. Bernie Ecclestone stellt auf Wunsch von Marchionne den Kontakt zu Vettel her. Schon beim ersten Treffen wird Vettel klar: Ferrari meint es ernst, geht auf alle Forderungen ein. Sie versprechen ihm freies Budget für die Technikabteilung, Mitspracherecht bei Personalfragen. Vettel darf sein eigenes Nest in Maranello bauen. Er erbittet sich noch ein wenig Bedenkzeit.

Marko hat Vorahnung

Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko ahnt es auch. „Irgendwas passiert gerade“, wundert sich Marko, „weder sein Anwalt noch er reagieren auf Anrufe. Das ist nicht Vettel-like.“ Was nur wenige wissen: Vettel muss bis spätestens 4. Oktober reagieren. Bis dahin muss der Heppenheimer eine Ausstiegsklausel ziehen, die in seinem Vertrag verankert hat. Ist er bis 30. September nicht mindestens Dritter der Fahrer-WM, kann er Red Bull Ende des Jahres verlassen.

Lauschangriff aus Italien

Vettel (li.) im Gespräch mit den ABMS-Reportern Bach (M.) und Garloff (re.)

Am Donnerstag vor dem GP von Japan einigen sich Alonso und Ferrari schriftlich auf eine Trennung. Damit ist der Weg endgültig frei für Vettel. Am Freitag in Suzuka führen wir mit Vettel ein vertrauliches Gespräch. „Wir wissen, dass Du zu Ferrari gehst und werden heute noch die Geschichte veröffentlichen.“ Vettel spielt Empörung vor. „Es ist falsch!“ Unsere Antwort: „Das glauben wir Dir nicht!“ Vettel verschwindet in der Box. Das Problem: Ein italienischer Berichterstatter, der deutsch spricht, hat das Gespräch belauscht. Schnell schreiben die ABMS-Reporter eine Meldung, jagen die News exklusiv um die Welt: „Vettel auf dem Weg zu Ferrari!“ Auch bei Red Bull wird jetzt, so Marko später, „Klartext geredet“. Beim Abendessen gibt Vettel gegenüber dem Österreicher zu, dass er zu Ferrari geht. Anschließend wirkt er, als sei eine große Last von ihm gefallen.

Trennung von Red Bull

Samstag: Die ABMS-Reporter sind früh an der Strecke. Vettel kommt um 8.30 Uhr in die Red Bull-Hospitality. Er schaut verschämt zu Boden und grinst. Dann fasst er sich ein Herz und kommt zu uns: „Sorry, aber ich konnte es Euch gestern nicht bestätigen. Auch, weil dieser italienische Reporter zugehört hat. Den hatte ich hinter Eurem Rücken gesehen.“ Die entsprechende Meldung veröffentlichen wir erneut exklusiv auf autobildmotorsport.de. In Deutschland ist es da gerade erst zwei Uhr morgens. Um 2.50 Uhr verkündet Red Bull die Trennung von Vettel zum Saisonende. Zu Ferrari darf Vettel noch nichts sagen. Die Scuderia will sich erst offiziell von Fernando Alonso verabschieden. In der Red Bull-Garage erfährt derweil das ganze Team, wohin es Vettel zieht. Der Heppenheimer ist den Tränen nahe, als er sich von der Mannschaft verabschiedet...
Verschwörungstheorien um Red Bull: Vettel nach Wechsel benachteiligt?

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Red Bull / Getty Images / ABMS

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