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Formel 1: Die besten Finalrennen

— 24.11.2016

Drama bis zur letzten Kurve

Nico Rosberg und Lewis Hamilton kämpfen 2016 um den Titel. AUTO BILD MOTORSPORT blickt zurück auf die spannendsten WM-Entscheidungen.

Formel-1-Finals sind reine Nervensache. Das wird auch zwischen den Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton am Sonntag in Abu Dhabi nicht anders sein. „Wie auch immer das Finale ausgeht“, sagt der viermalige Weltmeister Alain Prost, der selbst viermal im Mittelpunkt eines Endlaufes stand, „der Sieger wird sich blendend fühlen und der Verlierer schrecklich. Entscheidend wird sein, wer unter all diesem Druck die wenigsten Fehler macht.“ In den letzten 40 Jahren gab es einige „Finale Furioso“ in der Formel 1. Hier die spektakulärsten:

1974

In Watkins Glen steht es vor dem letzten Rennen der Saison zwischen dem brasilianischen McLaren-Pilot Emerson Fittipaldi und dem Schweizer Ferrari-Fahrer Clay Regazzoni nach Punkten 72:72, auch der Südafrikaner Jody Scheckter im Tyrrell hat noch Außenseiterchancen. Regazzoni, mit den falschen Stoßdämpfern unterwegs, versucht in der Auftaktrunde Fittipaldi von der Strecke zu drängen - vergeblich. Am Ende wird er viermal überrundet. Scheckter fällt aus, so genügt Fittipaldi ein vierter Platz zum WM-Titel. Endstand: Fittipaldi 55, Regazzoni 52, Scheckter 45.

1984

Trost für Prost. Lauda (l.) reichte in Estoril Rang zwei zum Titel vor seinem McLaren-Teamkollegen

Die Situation ist ähnlich wie die am Sonntag zwischen Hamilton und Rosberg. McLaren-Porsche-Pilot Niki Lauda genügt in Estoril ein zweiter Platz hinter seinem Teamgefährten Alain Prost, um den Titel einzufahren. Der Östererreicher hat aber im Training Problem, startet nur vom elften Platz. Prost steht auf Pole. Das Rennen wird dramatisch. Während Prost souverän an der Spitze fährt, muss sich Lauda mit viel Risiko Platz um Platz nach vorne kämpfen. Erst kurz vor Ende des Rennens gelingt es ihm, Zweiter zu sein. Er gewinnt die WM mit einem halben Punkt Vorsprung. Auf dem Siegerpodium tröstet er Prost, der den Tränen nahe ist.

1986

Nigel Mansell (Williams) führt vor dem letzten Saisonrennen in Adelaide 1986 mit 70 Punkten überlegen vor Alain Prost (McLaren) und Nelson Piquet (Williams). Dem Briten genügt ein dritter Platz für den Titel. Lange Zeit sieht dabei der als etwas dickköpfig verschriene Mansell wie der sichere Sieger aus. Aber er wagt zu viel, will den Grand Prix unbedingt gewinnen. Ein Reifenplatzer bei Tempo 320 kurz vor Schluss reißt ihn aus allen Titelträumen. Piquet, aus Sicherheitsgründen vom Team zum Reifenwechsel an die Box beordert, kann Prost nicht mehr einholen. Der Franzose wird zum zweiten Mal nach 1985 Weltmeister.

1989 & 1990

Die größten Rivalen der Geschichte: Prost und Senna kollidierten gleich in zwei Finals hintereinander (hier 1989)

Wieder spielt Alain Prost die Hauptrolle, diesmal zusammen mit Ayrton Senna. 1989 in Suzuka lenkt Prost seinen McLaren in das Auto seines Teamgefährten Senna. Der Brasilianer kann weiterfahren, wird aber nach dem Rennen disqualifiziert, weil er nach dem Anfahren angeblich eine Schikane auslässt. Prost ist Weltmeister. Ein Jahr später, an selber Stelle, rächt sich Senna und provoziert den Unfall. In der ersten Kurve drängelt er Prost, diesmal im Ferrari, von der Strecke und beerbt den „Professor“ als Champion.

1994

Im Finale von Adelaide lenkt Michael Schumacher seinen durch einen leichten Crash schon demolierten Benetton in den Williams von Damon Hill, als der Brite Schumacher überholen will. Beide scheiden aus - Schumacher holt mit einem Punkt Vorsprung den ersten seiner sieben WM-Titel.

1997

Schumacher crasht 1997 in Jerez mit Villeneuve (vorne)

Ein weiteres unfaires Manöver des Deutschen bleibt nicht ohne Folgen. Beim Finish in Jerez rammt Schumacher den Williams von Jacques Villeneuve. Der Kanadier kann das Rennen als Dritter beenden und holt den Titel, während Schumachers Ferrari zerstört ist. Der Automobilweltverband FIA disqualifiziert Schumacher nachträglich und streicht ihm alle in der Saison erreichten WM-Punkte.

2007

Beim letzten Saisonrennen in Brasilien können drei Fahrer noch Weltmeister werden. Die beiden McLaren-Mercedes-Piloten Fernando Alonso und Lewis Hamilton, sowie Ferrari-Mann Kimi Räikkönen. Räikkönen hat die schlechtesten Karten, Hamilton die besten. Trotzdem gewinnt der Finne Rennen und Titel. Grund: Alonso und Hamilton schenken sich auch in Brasilien nichts, fahren beinhart gegeneinander, wie schon in der ganzen Saison zuvor. Alonso wird in Brasilien Zweiter, Formel-1-Neuling Hamilton nach einem Fahrfehler und einem Getriebedefekt nur Sechster. Räikkönen ist der lachende Dritte.

2008

Hamilton kennt den Titeljubel schon von 2008

Wieder in Sao Paulo, genügt Hamilton ein sechster Platz zum Titel, während Ferrari-Pilot Felipe Massa in seiner Heimat unbedingt gewinnen muss. In einem von plötzlichen Regenschauern beeinflussten Rennen gewinnt Massa tatsächlich, während Hamilton schwächelt. Erst 600 Meter vor dem Zielstrich kann Hamilton den deutschen Toyota-Piloten Timo Glock überholen und wird - gerade noch - Sechster.

2010

In Abu Dhabi können drei Piloten noch Weltmeister werden. Sebastian Vettel und Mark Webber (Red Bull) sowie Fernando Alonso auf Ferrari. Während Vettel 15 Punkte auf Alonso aufholen muss, bräuchte der Australier nur acht Punkte mehr als der Spanier. Vettel gewinnt das Rennen souverän, Webber ist außer Form und wird nur Siebter. Ferrari verliert völlig die Nerven, holt Alonso zum falschen Zeitpunkt in die Box, weil sich die Scuderia nur auf Webber als Gegner  konzentriert. Im dichten Verkehr und mit einer falschen Getriebeabstufung ausgestattet ist Alonso im Feld festgeklemmt und wird am Ende nur Sechster. Vettel gewinnt sensationell seinen ersten von vier Titeln.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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