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Formel 1: Diskussion um gelbe Flaggen

— 28.07.2016

Beschwerden sind Teamsache

Die gelben Flagge im Budapest-Qualifying sind weiter ein Thema für die Fahrer: Warum Hamilton Rosberg anschwärzte, kann Vettel aber nicht verstehen.

Die Diskussionen um das Verhalten bei doppelt gelb geschwenkter Flagge gingen auch in Hockenheim weiter. Im Kreuzfeuer der Kritik steht dabei derzeit aber nicht nur Nico Rosberg, der seine Geschwindigkeit im Qualifying trotz Doppelgelb nicht dramatisch reduziert hatte. Auch das Verhalten von Lewis Hamilton ist weiterhin fragwürdig.

Rosberg holte in Ungarn eine diskutable Pole-Position

Hintergrund: Ursprünglich wollten die vier Stewards sowie Renndirektor Charlie Whiting nach dem Qualifying in Ungarn gar nicht gegen Rosberg ermitteln. Die FIA-­eigenen Telemetriedaten hätten seine Unschuld bewiesen, heißt es aus FIA-Kreisen. Trotzdem musste Rosberg, der die Strecke längst verlassen hatte, spät am Samstagabend noch einmal zur Anhörung antanzen. Hamilton hatte bei Whiting persönlich um eine Klarstellung der Regel gebeten und mit der telefonischen Nachfrage wegen einer weiteren gelben Flagge offenbar so viel Druck gemacht, dass offiziell ermittelt werden musste.

Die FIA bestätigte gegenüber SPORT BILD, dass „neue Beweise“ eine Untersuchung verlangten. Die kamen allerdings nicht von einem gegnerischen Team, wie zunächst vermutet wurde. Hamilton mimte anschließend das Unschuldslamm. Er sagt: „Ich will keinen Krieg.“ Auch Mercedes dementiert, dass Hamilton die Ermittlung ausgelöst habe.

Trotzdem wirkte die Chefetage nicht amüsiert. Technikchef Paddy Lowe rannte mit einem Gesicht wie drei Tage Regenwetter durchs Fahrerlager von Budapest. Der Grund: Allein, dass der Weltmeister den Fall überhaupt zum Thema machte, muss schon als Affront gewertet werden. Denn Hamilton petzte nicht nur beim Rennleiter, sondern auch bei den Medien. Rosberg sauer: „Ich verstehe nicht, warum er so was tut.“

Bei gelber Flagge müssen die Fahrer vom Gas gehen

Sebastian Vettel sprang Rosberg heute indirekt zur Seite. So habe es aus seiner Sicht keinen Grund gegeben Rosberg anzuschwärzen. Vettel auf ABMS-Nachfrage: „Für mich war ziemlich klar, was doppelt gelb geschwenkte Flagge bedeuten. Da musste ich nicht noch mal bei Charlie nachfragen. Grundsätzlich geht es jetzt eher darum, wie stark wir liften müssen oder nicht, weil es da keine konsequente Handhabung und auch unterschiedliche Situationen gibt.“

Red Bull-Star Daniel Ricciardo schlug in dieselbe Kerbe: „Meiner Meinung nach sollte man zum Team gehen. Ich jedenfalls habe meine Meinung klar gegenüber dem Team geäußert und den Fall in ihren Händen gelassen.“

Heißt auch: Es war eher ungewöhnlich, dass Hamilton sich persönlich an Charlie Whiting wandte und nicht an sein Team.

Über die Regelauslegung bei Doppelgelb wollen die Stars dennoch diskutieren. Vettel: „Grundsätzlich heißt es, dass man bei gelben Flaggen zwei Zehntel liegen lassen sollte, bei Doppelgelb fünf Zehntel. Aber das findest du nirgendwo im Regelwerk. Es wird also uns Fahrern überlassen, wie genau wir reagieren. Und wahrscheinlich hätten wir an Nicos Stelle ähnlich reagiert.“ Vettel weiter: „Bevor es mehrere Zeitschleifen innerhalb eines Sektors gab, war klar, dass wir unter gelb unsere Zeit nicht verbessern dürfen. Morgen sollten wir im Fahrerbriefing deshalb darüber diskutieren, wie wir die Regel klarer gestalten können.“

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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