Sebastian Vettel: Sein Leben in Bildern

Sebastian Vettel Sebastian Vettel Sebastian Vettel

Formel 1: Doppelinterview Vettel & Marko

— 28.11.2014

Teil 1: „Ferrari hat etwas Magisches“

Sebastian Vettel wechselt von Red Bull zu Ferrari. Zum Abschied hat ABMS ihn mit seinem langjährigen Chef Helmut Marko an einen Tisch gebeten.

Herr Vettel, haben Sie Helmut Marko schon mal gefragt, wie es ist Ferrari zu fahren? 1972 hat Ihr zukünftiger Ex-Chef ja schon mal ein Sportwagenrennen für Ferrari bestritten.

Sebastian Vettel: Ja, aber fragen Sie ihn doch selbst, was er gesagt hat!

Helmut Marko: Ich habe nur gesagt: „Fantastisch! Innerhalb aller Rennautos ist das nochmal eine eigene Kategorie.“

Sie hatten für 1973 fast schon einen Ferrari-Vertrag in der Tasche, dann hatten Sie Ihren schweren Unfall. Erzählen Sie Sebastian mal, wie die Vertragsverhandlungen damals liefen!

Marko: Das Büro war völlig abgedunkelt, das war schon mystisch und immer war ein Dolmetscher dabei. Enzo hat immer eine dunkle Brille getragen. Immer.

Vettel: Ich habe erst vorgestern ein Interview von Enzo Ferrari gelesen. In einer Zeitschrift von 1958. Da ging es auch schon darum, dass man in der Formel 1 nicht zu viel ändern dürfte, um das Ansehen zu erhalten. Die Kosten sollten im Rahmen bleiben. Da dachte ich nur: 56 Jahre später und immer noch die gleiche Diskussion.

Herr Marko, haben Sie Herrn Vettel auch gesagt, was er sich mit Ferrari antut? Der Druck ist nirgends größer.

Marko (grinst): Er braucht halt eine Herausforderung!

Vettel: Ich bin ja noch jung. In Helmuts Augen nicht, aber allgemein gesehen schon.

Marko: Er leidet ein bisschen unterm Verstappen-Syndrom (Red Bull gab vor drei Monaten dem 16-jährigen Niederländer Max Verstappen einen Formel-1-Vertrag für sein Junior-Team Toro Rosso; d. Red.).

Vettel: Ich habe kein Syndrom. Helmut zieht mich nur auf damit...

Marko: Doch. Dann hat er zurückgeschlagen und im Scherz gemeint: Jetzt stellst Du schon Wohnwagenfahrer ein.

Vettel: Ja, aber nur im Scherz. Ich habe natürlich nichts gegen Holländer. Solange sie im Fußball gegen uns verlieren. Helmut freut sich natürlich, weil es in Holland so viele hübsche Frauen gibt.

Im Ernst jetzt: Wie hat Helmut Marko reagiert, als Sie ihm den Abschied von Red Bull mitgeteilt haben?

Vettel: Ich glaube, es war keine große Neuigkeit mehr für ihn. Er kannte mich ja.

Marko: Die Wahrheit ist: In der Zeit, wo wir über eine Vertragsverlängerung reden wollten, ist er nicht ans Telefon gegangen.

Vettel: Da war ich wandern und hatte das Telefon nicht dabei.

War es eine Erlösung, als es dann endlich herauskam?

Vettel: Ja, schon. Denn ich wusste ja nicht, wie es aufgenommen wird. Gut, nicht gut? Den meisten Respekt hatte ich bei Red Bull immer vor Helmut Marko. Aber irgendwie war mir klar, dass gerade er es am meisten verstehen würde...

Marko: Weil ich ein Racer bin!

Vettel: Ja, und weil er versteht, was Ferrari bedeutet. Das hatte schon damals was Magisches und heute immer noch. Die Tradition, die Geschichte, der Mythos rund um einen Mann und um eine Marke. Die Leute sagen ja auch, dass es was ganz Besonderes ist, wenn man für Ferrari gewinnt. Ich hoffe, dass ich das auch bald erfahre.

Marko: Als ich 1973 dort fahren sollte, war Ferrari in der Formel 1 zwar nicht erfolgreich, aber sie hatten im gesamten Renngeschehen einen Ausnahmestatus.

Trauen Sie Sebastian Vettel zu, dass er Ferrari zurück auf die Siegerspur bringt?

Marko: Schon, ich hoffe nur nicht allzu bald.

Vettel: Ich hoffe, dass ich bald widersprechen kann.

Wir werden Sie sich beide in Zukunft begegnen?

Vettel: Nicht viel anders als jetzt. Nur über spezielle Dinge können wir natürlich nicht mehr sprechen.

Marko: Wir werden relaxter miteinander umgehen, weil kein Druck mehr da ist, und können über die schönen Dinge des Lebens reden.

Vettel: Helmut hat die Dinge schon immer unkompliziert gesehen und direkt angesprochen. Er ist kein großer Politiker, der alles geheim halten will. Wir werden also über Formel 1 reden aber auch über andere Dinge. Ich habe ihn in den all den Jahren ja nicht nur als Chef kennengelernt, sondern auch als Menschen.

Wer wird Ihnen jetzt sagen, dass Sie mal nicht so gut gefahren sind?

Vettel: Die Ansage werde ich nicht vermissen. Die hieß: „Was war los? Runde versaut!“ (macht Marko nach; d. Red.) Bei Ferrari soll es da ein bisschen romantischer zugehen. Den Helmut-Mythos habe ich jetzt hinter mir, also bin ich bereit für den nächsten.

Marko: Ich habe nie ohne Grund was gesagt (schmunzelt).

Vettel (einsichtig): Ja, das stimmt...

Teil 2 des großen Doppelinterviews mit Helmut Marko und Sebastian Vettel zum Red-Bull-Abschied des Deutschen lesen Sie morgen exklusiv bei AUTO BILD MOTORSPORT.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: ABMS

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