Sebastian Vettel: Sein Leben in Bildern

Sebastian Vettel Sebastian Vettel Sebastian Vettel

Formel 1: Doppelinterview Vettel & Marko

— 29.11.2014

Teil 2: „Keine Vettelsche Präzision“

Sebastian Vettel wechselt von Red Bull zu Ferrari. Zum Abschied hat ABMS ihn mit seinem langjährigen Chef Helmut Marko an einen Tisch gebeten.

Können Sie sich noch an Ihre erste Begegnung erinnern?

Vettel: Ja. Es war 2001 in Spielberg. Ich kannte ihn und er kannte mich nicht.

Marko: Spielberg, Zahnspange, klein und zwei, die in einer fremden Sprache mit mir kommuniziert haben. Sein Vater war mit dabei. Ich habe kein Wort verstanden.

Vettel: Ich habe damals noch ein wenig mehr hessisch geredet (lacht). Wir wurden dann dem Dr. Marko vorgestellt. Ich bin in diesem Jahr Kart-Europameister und deutscher Meister geworden und seine ersten Worte waren: „So! Im nächsten Jahr Jahr fährst Du international Kart!“ Nein, sagte ich, das hamma schon hinner uns!“

Marko: Ich wusste damals halt noch nicht genau über seine Erfolge Bescheid.

Waren Sie bei der Begegnung gehemmt, Herr Vettel?

Vettel: Nein, aber Respekt war da, ganz sicher. Er war schließlich eine Person, die über meine Zukunft entscheiden konnte.

Marko: Damals gab es das Juniorteam noch nicht. Das gab es praktisch erst mit Dir. In dem Moment, als Dein Vater am 24.12. den Vertrag unterschrieben hat.

Vettel: Ja. Die erste Lektion war: Heiligabend ist kein Feiertag. Weder beim Helmut noch beim Franz Tost.

Wie hat sich Sebastian von Ihrer ersten Begegnung als junger Kartfahrer mit Zahnspange entwickelt?

Marko: Er hat sich vom schüchternen kleinen Jungen über alle Nachwuchsformeln zum immer besseren Rennfahrer entwickelt, der dazu auch noch immer lockerer wurde.

Vettel: Und dieses Jahr? War ich zu locker?!

Marko: Dieses Jahr war es schwer. Zuerst gab es ein Chaos bei den Tests, wo Sebastian kaum zum Fahren kam. In den Rennen gab es dann am Anfang eine unglaubliche Defektserie, wie sie in dieser Form noch nicht mal unser allgemeiner Freund Mark Webber hatte. Das hat einfach gezehrt und führte dazu, dass Sebastian nicht mit der üblichen Vettelschen Präzision und Herangehensweise gearbeitet hatte. Jetzt zum Schluss ist es wieder richtig aufwärts gegangen.

Vettel: Ja, wir hatten kein einfaches Jahr und von den Ergebnissen her auch kein Gutes. Dinge sind aber nicht immer schwarz und weiß. Wer bei jedem Rennen wie Helmut dabei war, kann das beurteilen. Aber ich bin selbstkritisch und schaue immer zuerst, ob es an mir liegt, wenn es nicht so läuft.

Hätte eine weitere Siegesserie in dieser Saison Ihre Entscheidung beeinflusst?

Vettel: Bei besseren Ergebnissen hätte sich die Frage nicht gestellt. Das war vertraglich festgelegt. Aber grundsätzlich ist es immer schwer den richtigen Zeitpunkt zu finden. Ich glaube, für mich war die Zeit jetzt einfach reif.

Marko: Es war auch klar, dass unsere Verbindung nicht für ewig ist. Man braucht immer neue Herausforderungen. Sein Wechsel zu Ferrari traf bei uns auf Verständnis. Das wäre bei einem Wechsel zu gewissen anderen Teams (Marko meint Mercedes; d. Red.) weniger der Fall gewesen.

Vettel: Generell kann man eine Karriere so nicht planen. Zeitmäßig ist für mich aber in der Tat alles perfekt gelaufen. Auch bei Red Bull. Die Formel 1 war immer sehr weit weg, kam erst Schritt für Schritt näher und dass das so ausgegangen ist, hätte man nicht vorhersehen können. Genauso wenig, dass sich irgendwann die Chance ergibt, sich mal die Teams auszusuchen.

Herr Marko, gibt es einen speziellen Moment, wo für Sie klar war, dass Sebastian Vettel der Champion der Zukunft ist?

Marko: Da gibt es mehrere. Es war zum Beispiel beim letzten Rennen in Brasilien 2009, als wir die Weltmeisterschaft verloren haben. Eigentlich hatte wir keine großen Chancen sie zu gewinnen und trotzdem hat Sebastian es schwer getroffen, als es dann so war. Da dachte ich nur: ,Hallo, da ist jemand, der hat ein ganz besonderes Engagement und einen ganz besonderen Siegeswillen.’ Der andere spezielle Moment war in Korea 2010, als sein Motor in Führung liegend hochgegangen ist. Wir waren alle völlig niedergeschlagen, weil uns damals mit dem Motor auch die WM-Träume geplatzt waren. Und was machte dieser junge Mann, der eigentlich am meisten frustriert hätte sein müssen? Er baute uns alle auf, klopfte uns auf die Schulter, sagte, wir werden jetzt erst recht weiterkämpfen. Das wird schon. Und tatsächlich, am Ende der Saison waren wir alle das erste Mal Weltmeister. Das war ein ganz spezieller Moment eines ganz speziellen jungen Mannes.

Was wird Red Bull immer für Sie bedeuten?

Vettel: 1998 habe ich in meinem ersten Jahr 5000 Euro von Red Bull Deutschland bekommen. Den Red-Bull-Helm durfte ich noch nicht tragen, weil ich noch zu jung war. Mit Sicherheit wäre ich den Weg nicht gegangen, den ich gegangen bin, hätte es Red Bull nicht gegeben. Deshalb stehen Red Bull und der Helmut für mich für den Mut, immer wieder jungen Menschen die Chance zu geben sich zu beweisen. Das war 2007 bei mir der Fall, als ich zu Toro Rosso kam. Das ist auch heute noch so.

Was haben Sie, Herr Marko, gedacht, als Sebastian 2008 für Toro Rosso das erste Rennen gewann: Falsches Team oder richtiger Fahrer?

Marko: Nein, aber dass wir zum Glück seinen Wechsel zu Red Bull schon vorher bekannt gegeben haben. Mit Sebastian hat Red Bull einen Traum verwirklicht, den man gar nicht planen konnte. Es hört sich fast schon kitschig an, aber da bilden wir ein Junior-Team, dann kommt die Formel 1 dazu und dann wird unser Junior im eigenen Auto nicht nur einmal, sondern gleich viermal Weltmeister. Das kann man doch noch nicht mal träumen.

Wenn Sie ihn in einem Ferrari siegen sehen: Ist dann der Ärger größer oder der Stolz?

Marko: Die Freude ist auf jeden Fall da, dass – wenn wir schon besiegt werden – es ein Ex-Fahrer von uns ist. Wir haben uns ja alles andere als im Streit getrennt.

Vettel: Umgekehrt genauso. Nur weil man jetzt eine andere Farbe trägt, geht man sich doch nicht aus dem Weg. Der große Respekt voreinander besteht auch weiterhin. Ich werde Red Bull immer im Herzen tragen. Und wenn nicht ich gewinne, dann soll das schon der Helmut sein.

Gibt es denn vielleicht mal ein professionelles Wiedersehen?

Marko: In der Formel 1 sollte man niemals „NIE“ sagen.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Twitter / Red Bull

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