Formel 1

Formel 1: Ecclestone im Portrait

— 24.01.2017

So formte er einen Weltsport

Bernie Ecclestone ist nicht  länger der große Boss der Formel 1. Ein Rückblick auf seine bewegte Karriere als Rennfahrer, Teambesitzer und Formel-1-Chef.

Die Formel 1 startet 2017 in eine neue Ära. In die Ära nach Bernie Ecclestone. Mit 86 Jahren, wenn andere längst in Rente sind, ist Schluss für den Briten: 2017 wird er nur noch eine beratende Tätigkeit haben. Das Zepter der Formel 1 nehmen andere in die Hand.

Ecclestone hat die Formel 1 geprägt wie kein anderer. Er machte aus der Amateur- eine Weltsportart. Aus den bettelarmen Teambesitzern, die von der Hand in den Mund lebten, formte er reiche Geschäftsmänner mit Yachten und Privatjets. Aus einem Pokerspiel mit dem Leben der Rennfahrer wurde dank Ecclestone eine Rennserie, in der Verletzungen und Todesfälle nur noch Ausnahme sind.

Brabham war jahrelang das Team von Bernie Ecclestone

Der Aufstieg der Formel 1 war auch der Aufstieg von Bernhard Charles Ecclestone. Er wurde in ärmliche Verhältnisse geboren. War er krank, musste Mutter Bertha 30 Kilometer mit dem Rad zum Arzt fahren. Eine Toilette mit fließendem Wasser kannte Bernie nicht. Not macht erfinderisch. Das Geld, dass er sich beim Zeitungsaustragen verdiente, investierte er in Brötchen vom Bäcker. An der Schule verkaufte er sie weiter – mit 25% Aufpreis. Spätestens als Autohändler erwarb er sich alsbald den Ruf zwielichtig, hartnäckig und gerissen zu sein.

Ecclestone war selbst Formel-1-Fahrer

Seine Leidenschaft fand er schnell im Motorsport. Er fuhr selbst Motorrad- und Autorennen. In den Datenbanken taucht Ecclestone sogar als Formel-1-Fahrer auf. 1958 trainierte er beim Monaco-GP für sein eigenes Connaught-Team. Angeblich wollte Ecclestone das Rennen selbst bestreiten, war aber zu langsam und schickte daher mit seiner Bekleidung Jack Fairman auf die Strecke, der den Rennwagen für Ecclestone qualifizieren sollte, ohne dass die Rennleitung davon Notiz nehmen sollte.

Doch das war eine Anekdote, die Ecclestone selbst in die Welt setzte, um seinen gerissenen Ruf aufrechtzuerhalten. In Wahrheit war Fairman von Anfang an als Fahrer vorgesehen, Ecclestone nur als Ersatzpilot. Nach einem üblen Formel-3-Crash hatte Ecclestone die Nase voll davon, immer wieder im Krankenbett aufzuwachen und hing den Helm an den Nagel.

Es war das erste Mal, dass Ecclestone dem Rennsport fast Adieu sagte. Er kehrte als Fahrermanager zurück: Erst handelte er für Stuart Lewis-Evans die Startgelder aus, dann für Jochen Rindt. Beide Fahrer starben dem Unfalltod: Lewis-Evans verbrannte beim Marokko-GP 1958, Rindt stürzte in Monza 1970 in den Tod. Gerade die Tragödie um Rindt traf Ecclestone ins Mark: Beide waren eng befreundet, Ecclestone begleitete den einzigen posthumen Formel-1-Weltmeister sogar auf seiner Hochzeitsreise. Nach Rindts Crash soll Ecclestone unter Fieber und Angstzuständen gelitten haben. Wieder stand er vor dem Absprung. Und kehrte doch wieder zurück.

1972 kaufte er sich das Brabham-Team – und damit begann der Aufstieg Ecclestones. Das System damals: Die Streckenveranstalter handelten mit den Fahrern und Teams einzeln die Start- und Preisgelder aus. Teamchefs wie Ken Tyrrell, Colin Chapman und Louis Stanley waren Racer, keine Geschäftsmänner. Ecclestone erkannte eine Marktlücke: Er übernahm stellvertretend für einige Teams die Verhandlungen mit den Streckenbetreibern und strich sich zwei Prozent Provision ein.

Bernie Ecclestone in jungen Jahren

Ecclestone erkannte: Mit seinen Drohungen eines Startverzichts konnte er die Streckenbetreiber in die Mangel nehmen und immer mehr Geld herausschlagen. „Nur der Himmel ist die Grenze“, soll er einmal gesagt haben. Die Teams wurden reicher – und mit ihnen Ecclestone. Der Barcelona-Rennchef Sebastian Salvado enthüllte vor wenigen Jahren: „Ich versichere wirklich, dass Verhandlungen mit Bernie Ecclestone eine Lehrstunde in Demut sind.“

Formel 1 erfolgreicher als Fußball

Nach und nach gab es Gegenwind. Patrick Duffeler, ein Promoter aus Amerika, versuchte die Veranstalter gegen Ecclestone zu vereinen – und scheiterte. Auch als der Präsident des Automobilweltverbandes FISA, Jean-Marie Balestre, in den Machtkampf mit Ecclestone ging, war Bernie der Sieger. Als zweite Marktlücke erkannte er die Übertragung der Formel-1-Rennen übers Fernsehen. Um ein komplettes Produkt zu verkaufen, drängte er die Amateurteams aus dem Sport und sicherte eine große Starterzahl und einen festen Kalender zu. Die Formel 1 wurde immer mehr zu einem professionellen Produkt. Die Vermarktung nahm so viel Zeit in Anspruch, dass Ecclestone 1987 das Brabham-Team, das unter ihm mit Nelson Piquet zwei Mal Weltmeister wurde, verkaufte. 

Es war auch die Zeit, in der Ecclestone sich von den Teams entfernte. Drei große Revolten gab es gegen Ecclestone. Die erste in den 90er Jahren, als die Teamchefs Ron Dennis, Frank Williams und Ken Tyrrell an die Macht drängten, zumindest im Todesfall von Ecclestone. Er musste sich einer Bypass-Operation unterziehen. Ecclestone reagierte und verkaufte die Formel 1 unter anderem an die Kirch Media Group, also an das Bezahlfernsehen.

Und löste damit die zweite Revolte aus. Die Hersteller fürchteten, dass die Formel 1 ins Bezahlfernsehen abwandern könnte und drohten mit einer Konkurrenzserie. Ecclestone kaufte erst Ferrari mit Sonderzahlungen und Sonderrechten aus der Herstellervereinigung aus, dann auch andere Teams. Dasselbe passierte 2009. Damit hat Ecclestone aber auch seine Macht verkauft. Die Rennställe haben seither mehr Einfluss als je zuvor in der Formel 1 – unter anderem mit der Strategiegruppe, die maßgeblich für die Regelbildung verantwortlich ist.

Vor allem seither ist Ecclestone umstritten: Political Correctness gehört nicht zu seinen Stärken, irrsinnige Ideen für die Zukunft der Formel 1 sorgten für Wirbel, Prozesse vor dem deutschen Gericht wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten beim Formel-1-Verkauf beschmutzten ebenfalls seinen Ruf.

Doch die Zahlen sprechen für Ecclestone: 1999 machte die Formel 1 einen Gewinn von 241,5 Millionen Dollar, 2013 bereits von 1,7 Milliarden Dollar! In dem Zeitraum summierte sich der Gewinn auf 16,2 Milliarden Dollar – das ist mehr als der Fußballweltverband FIFA im gleichen Zeitraum verdiente (weniger als 14 Milliarden Dollar).
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Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance

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