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Formel 1: Eddie Jordans Saisonvorschau

— 17.03.2016

Ecclestone ist angeschlagen

Ex-Teamchef und Experte Eddie Jordan analysiert vor dem Saisonstart die Formel 1: Er hält Mercedes und Ferrari für mächtiger als Bernie Ecclestone.

Herr Jordan, was kann man in dieser Saison vom internen Zweikampf bei Mercedes zwischen den Erzrivalen Lewis Hamilton und Nico Rosberg erwarten?

Ex-Teamchef Eddie Jordan analysiert die Formel 1

Eddie Jordan (67): Für die Fans haben wir die beste Situation überhaupt. Da haben wir Lewis Hamilton, der die ersten zwei Drittel der vergangenen Saison absolut dominierte. Ehrlich gesagt: Ich dachte wirklich, Lewis zerstört Nico völlig, der schickt ihn gerade in Frührente. Und was macht dann dieser Kerl, den alle schon tief eingegraben, sich seinem Schicksal fügend sahen? Wie aus dem Nichts erinnerte er sich plötzlich, wer sein Vater ist und packte die Keule aus. Die letzten Rennen dominierte er dann über Lewis. Das hat den sicher nicht nur richtig angepisst, sondern auch verwirrt. Er musste sich wie ein Boxer vorkommen, der seinen Gegner schon fünfmal am Boden hatte und dachte: Jetzt versetze ich ihm den letzten Schlag. Doch der Rivale steht immer wieder auf und schlägt ihn dann zu Boden. Das hat doch was von Rocky.

Was spielt denn die größere Rolle in dieser Saison? Die Tatsache, dass Lewis Hamilton schon das zweite Mal in Folge Weltmeister geworden ist oder der Fakt, dass Nico Rosberg Sieger der letzten drei Grand Prix-Rennen wurde?

Genau das ist so prickelnd zu sehen. Ich kann es ehrlich gesagt nicht sagen. Ich denke, wer aus dem Auto im Qualifying am meisten herausquetscht, der wird am Ende die Nase vorne haben. Denn beide sind mittlerweile auf einem Level, dass sie ein Rennen von vorne fahren können und zu verhindern wissen, dass der andere vorbeikommt. Also: Wer die meisten Qualifyings für sich entscheidet, wird das Teamduell gewinnen. Fest steht: Die Formel 1 braucht in diesem Jahr dringend ein packendes Stallduell zwischen den beiden, das am besten erst beim letzten Rennen entschieden wird.

Es gibt aber noch Sebastian Vettel und Ferrari. Viele Experten, auch Mercedes selbst, trauen ihnen zu, ein ernsthafter Titelkandidat zu sein...

Sebastian Vettel will mit Ferrari wieder nach oben

Das ist doch nur Träumerei, genau wie die Vermutung, dass plötzlich Honda das große Wunder vollbringt, und Fernando Alonso und Jenson Button wieder an der Spitze mitmischen können. Bullshit! Mercedes hat einen Vorsprung, der immens ist. Übertrieben gesagt können die beim Reifenstopp noch eine Tasse Kaffee trinken und trotzdem noch gewinnen. Mercedes dominiert mittlerweile die Formel 1 auf allen Gebieten. Sie bestimmen nicht nur das Sportliche. Sie haben auch Einfluss auf die Regeln, die gemacht werden. Und sie haben die meisten Teams im Griff. Sogar Ferrari! Sie sind die neue Supermacht.

Dann haben die meisten Experten also keine Ahnung, was Ferraris Leistungsstärke 2016 betrifft?

Ferrari wird sich verbessern, weil Sebastian Vettel dafür sorgen wird. Er hat einen immensen Einfluss auf die Arbeit des Teams. Er hat mich mal wieder überrascht, weil ich immer dachte, dass Fernando Alonso in seinen fünf Jahren bei Ferrari das Maximum aus dem Team herausgeholt hat. Sebastian aber hat schon in seiner ersten Saison mit der Scuderia gezeigt, dass dem nicht so war und man noch mehr herausholen kann. Trotzdem: Die Frage wird nicht sein, wie nahe Ferrari an Mercedes herankommen wird. Sondern: Wie nahe lässt Mercedes sie herankommen, damit die Dominanz des Sterns nicht zu offensichtlich wird. Ohne drastische Änderungen der Regeln werden auf Jahre alle nur die Rücklichter der Silberpfeile sehen. Weil sie das technische Knowhow eines Weltkonzerns mit all seinen Ressourcen haben.

Aber Mercedes selbst fürchtet doch die Stärke Ferraris in dieser Saison...

Für Jordan ist Mercedes die neue Supermacht der F1

Mercedes hat nicht nur den mit Abstand besten Motor, sondern auch clevere Manager. Die wissen genau: Wenn wir zu sehr dominieren, könnten die Regeln vor 2020 drastisch geändert werden. Dann verlieren sie nicht nur vielleicht ihren gigantischen Vorsprung, sondern der Vorstand könnte plötzlich auch die Lust verlieren, weiterzumachen. Denn Männer wie Dieter Zetsche machen Formel 1, um weltweit ihren Vorsprung durch Technik in der mit Abstand populärsten Motorsportserie zu zeigen. Und zwar mit einer zeitgemäßen Technik, sprich Hybridmotoren. Ich kann das gut verstehen und würde es genau so machen. Nur rein sportlich schadet das der Formel 1.

Das hört sich so an, als würde die Formel 1 dringend Veränderungen gebrauchen?

Ja! Ja, eine Menge. Das fängt schon mal mit der Geldverteilung an. Es kann doch nicht sein, dass die großen Teams fast alles von den Fernsehgeldern bekommen und die kleineren Teams so gut wie gar nichts. Die tragen auch einen wichtigen Teil zur Show bei. Sollen die großen Teams plötzlich mit vier Autos fahren, weil es die kleinen nicht mehr gibt? Das kann nicht der Sinn der Sache sein. Irgendwie muss Bernie Ecclestone es schaffen, den Einfluss der Teams wieder zu begrenzen, besonders den von Mercedes und Ferrari. Die beiden können derzeit im Prinzip Regeln nach ihrem Geschmack machen oder verhindern. Das muss aufhören! Denn kein anderes Team hat unter diesen Voraussetzungen auch nur den Hauch einer Chance. Ecclestone muss dringend die Kontrolle über seine Formel zurückgewinnen!

Aber hat Ecclestone überhaupt noch genug Macht? Sind es nicht die jungen Manager wie Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, welche die Formel 1 längst im Hintergrund führen?

Weggefährten: Jordan mit Zampano Bernie Ecclestone

Man sollte Ecclestone nicht ganz abschreiben, denn er ist ein extrem cleverer Kerl, der mit allen Wassern gewaschen ist. Aber er ist angeschlagen. Der Prozess in München hat ihn schwer belastet. Dazu kommt: Mein Eindruck ist, dass er auch nicht die volle Rückendeckung vom Rechtehalte CVC hat. Für mich war es ein Schock, dass er es Ende letzten Jahres nicht geschafft hat, den Alternativmotor einzuführen. Trotz der anfänglichen Unterstützung der FIA. Aber Mercedes und ihre politischen Partner von Ferrari waren einfach zu mächtig. Bernie wird mit allem kämpfen, was er hat. Aber ob das reichen wird, ist genau die spannende Frage für mich.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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