Formel 1: Bilder - Hamilton vs. Rosberg 2014

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Formel 1: Ex-Boss vergleicht Rosberg & Hamilton

— 25.09.2014

Zwei große Kämpfer

In der GP2 war Frédéric Vasseur Chef von Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Er kennt die beiden WM-Rivalen wie kein Zweiter und verrät spannende Details.

Herr Vasseur, sowohl Nico Rosberg als auch Lewis Hamilton fuhren bei Ihnen in der GP2. Was sind deren Stärken und Schwächen?

Frédéric Vasseur (46): Nico war 2005 in der GP2 in meinem Team, Lewis 2005 in der Formel 3 und 2006 dann in der GP2. Beide gewannen auch die Meisterschaft. Sie waren also zum Glück damals noch keine Teamkollegen (schmunzelt). Aber Spaß beiseite: Mit beiden hatten wir großen Erfolg und ich bin stolz, dass sie für unser Team gefahren sind. Nico und Lewis gewannen übrigens in ihrer ersten Saison den Titel. Allein diese Tatsache zeigte schon damals ihr immenses Potenzial. Beide sind große Kämpfer.

Auch Rosberg also?

Ja, auf jeden Fall. Das hat er oft in den Rennen bewiesen. Besonders beim Überholen zeigte sich das. Dadurch, dass beim zweiten Rennen der GP2 die ersten acht des ersten Rennens in umgekehrter Reihenfolge starten müssen, war Nico oft zum Überholen gezwungen. Und er machte das immer brillant. Immer am Limit, aber mit so gut wie keinem Fehler.

Was ist die größte Stärke von Lewis Hamilton?

Als ehemaliger Teamchef von Nico Rosberg und Lewis Hamilton bei ART in der GP2 kennt Frédéric Vasseur die Mercedes-Stars von heute bestens

Auch er ist ein unglaublicher Kämpfer. Mit irrem Speed und Fahrzeugbeherrschung. Beide sind auch unglaubliche Motivationskünstler. Sowohl Nico als auch Lewis machten immer Druck, dass das Team noch besser wird. Sie redeten ständig mit den Ingenieuren, ließen nie locker.

Motivierten die beiden auf die gleiche Art oder gingen sie andere Wege?

Beide wollten bedingungslos den Erfolg. Aber Nico legte noch viel mehr Wert auch auf kleinste Details. Er redete über alles, wirklich alles. Er ließ nie nach, wollte immer alles wissen. Für ihn war ein Ingenieurs-Meeting nie zu Ende. Da gab es manchmal richtig schwierige Situationen. Aber am Ende des Tages war es gut für uns alle, dass er nie lockerließ. Denn wir wollten alle den Erfolg, und den bekamen wir. Auch Dank Nicos kompromissloser Arbeitsweise. Nico war eine Art Motor des Teams.

Das passt ja zu dem Image, das beide heute haben. Dass Nico noch viel mehr als Lewis mit den Ingenieuren redet und sich Tag und Nacht damit beschäftigt, wie man ein Auto schneller und besser machen kann. Während sich Lewis anscheinend mehr auf sein Fahrtalent verlässt.

Ja, könnte sein. Nico ordnet auch alles in seinem Privatleben dem Erfolg unter. Ich denke, da ist Lewis etwas lockerer im Umgang. Aber, was zählt: Beide sind erfolgreich mit der Art, wie sie Dinge angehen.

Wie groß nahmen die Familien damals Einfluss? Nicos Vater Keke war immer dabei. Lewis hatte auch immer seine Familie vor Ort.

Nico Rosberg wurde 2005 GP2-Champion... und gut sichtbar bereits damals von AUTO BILD MOTORSPORT unterstützt

Lewis' Familie hielt sich immer etwas zurück, wenn es um sportliche Dinge ging. Mit Keke war das am Anfang etwas anders. Sie müssen wissen: Nico wollte unbedingt zu uns, obwohl wir Neulinge waren. Wir stiegen aus der Formel 3 auf. Die GP2 war also Neuland für uns. Keke wollte deshalb seinen Sohn lieber zu einem etablierten Team bringen. Arden zum Beispiel. Nico setzte sich durch. Keke aber ließ uns am Anfang immer ein wenig spüren, dass er lieber woanders mit Nico gefahren wäre. Immer wenn es mal nicht so gut lief, stand er an der Decke und machte uns richtig Druck. Ich erinnere mich an ein Rennen in Magny-Cours, als es eine Safety-Car-Phase gab.

Was ist passiert?

Wir hatten noch keine Erfahrung damit und verpassten den richtigen Zeitpunkt, Nico in die Box zu holen. Das versemmelte ihm den eigentlich sicheren Sieg. Da hätten sie mal Keke erleben sollen! Das war alles andere als lustig für uns. Er kam zur Boxenmauer und stauchte uns lautstark zusammen. Glück im Unglück war: Nico wurde im Hauptrennen zwar nur Siebter, konnte aber deshalb beim zweiten Rennen am Sonntag von Platz 2 starten und gewann souverän. Das festigte noch mal sein Selbstvertrauen. Da kam dann auch Keke herüber und hat sich für sein Verhalten einen Tag zuvor entschuldigt. Am Ende des Jahres waren wir alle happy. Denn wir hatten zusammen mit Nico im ersten Jahr in der GP2 den Titel gewonnen.

Wie gingen beide damals mit ihren Teamkollegen um?

Beide hatten Alexandre Prémat als Teamkollegen in der GP2, beide dominierten ihn. Logisch, dass es da keine Probleme gab. In der Formel 3 fuhr Adrian Sutil mit Lewis. Hamilton war so überlegen, dass einer Freundschaft damals nichts im Wege stand.

Wer war schneller von den beiden?

Wie Rosberg schaffte auch Hamilton gleich in seiner ersten GP2-Saison den Titel - allerdings ein Jahr nach seinem deutschen Mercedes-Kollegen

Schwer zu sagen. Beide waren verflixt schnell. Aber das beeindruckendste Rennen lieferte Lewis ab. Das war in der Türkei. Nach einem Dreher war er auf Platz 15 zurückgefallen und wurde am Ende Zweiter. Er fuhr durch das Feld wie ein heißes Messer durch die Butter. Unglaublich! Ich glaube, Lewis war noch extremer, was Risiken betrifft. Nico kalkulierte mehr. Ein Beispiel: In Monaco beim Formel-3-Rennen führte Lewis überlegen. Als Sutil, der hinter ihm auf Platz zwei lag, die schnellste Runde fuhr, wollte Lewis kontern. In der letzten Runde riskierte er alles, um Sutils Zeit zu unterbieten, weil er seinem Kollegen nicht einmal diesen kleinen Erfolg gönnte. Nico hätte so etwas in der letzten Runde nicht riskiert.

Autor: Bianca Garloff

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