Formel-1-Fahrer-Portrait: Sakon Yamamoto

Formel-1-Fahrer-Portrait: Sakon Yamamoto

— 24.08.2007

Wo er fährt ist hinten

Sakon Yamamoto ist das Schlusslicht der Königsklasse. Zwei Rennen - ein Unfall, einmal Letzter. Dabei steckt in dem Japaner viel mehr. Hier der Nachweis.

Sakon Yamamoto (25) wirkt auf den ersten Blick wie ein typischer Japaner. Er ist sehr freundlich. Er nickt oft im Gespräch. Was ihn aber zum Prominenten macht: Er fährt meist am Ende des Formel-1-Feldes. Und dort dreht er sich in aller Regelmäßigkeit zackig von der Piste. Sakon Yamamoto ist der Langsamste unter den Schnellsten. Während die Hamiltons, Massas und Alonsos vorn um Sieg und Titel kämpfen, kämpft der Spyker-Pilot ganz hinten mit seinem Auto. Er fängt den Spyker-Ferrari ab, wenn das Heck ausbüchst. Er zwingt den Renner um die Kurve, wenn der über die Vorderräder stur geradeaus schiebt. Und er müht sich, möglichst wenig Zeit zu verlieren, wenn er wieder mal überrundet wird und den Top-Fahrern Platz machen muss. Dafür muss "Kamikaze-Sakon", wie sie ihn wegen seiner vielen Pirouetten nennen, sogar bezahlen. Angeblich mehr als zwei Millionen Euro, die Mama Yamamoto vom Gewinn ihrer Privatkliniken daheim in Japan abzweigt. Klingt hoffnungslos? Ist es aber nicht! Yamamoto ist ein Muster dafür, wie Formel-1-Hinterbänkler unterschätzt werden.

Formel-1-Vorbereitung auf der PlayStation

Ganz hinten: In Istambul überquert Yamamoto als Letzter (20.) die Ziellinie.

Fakt ist: Der Japaner sitzt im eindeutig schlechtesten Auto der Saison. Nach dem Rauswurf von Christijan Albers bei Spyker erfuhr er ein paar Tage vorm Ungarn-Grand-Prix von seiner Chance zum Formel-1-Comeback. "Geglaubt habe ich es aber nicht", sagt Yamamoto, der 2006 schon neun GP-Starts fürs Super-Aguri-Team absolviert hat. Zum üben blieben nur Runden auf der PlayStation. Handling, Reifen, Bremsen, Elektronik und Ingenieure - alles war neu. "Trotzdem hat er sich im freien Training rasch an die Zeiten seines Teamkollegen Adrian Sutil herangearbeitet", lobt Spyker-Teamchef Colin Kolles. Den Dreher im Rennen verzieh er seinem Mann erstmal. Auch die Qualifikationsniederlagen gegen den deutschen Teamkollegen werden noch akzeptiert. Yamamoto-Vorgänger Markus Winkelhock, auf dem Nürburgring neben Sutil zweiter deutscher Spyker-Pilot, fehlte ebenfalls eine Sekunde. Außerdem hat Yamamoto bewiesen, dass mehr in ihm steckt. 2006 war er bei Super Aguri in der Quali zweimal schneller als sein bejubelter Landsmann Takuma Sato. In Sao Paulo gelang ihm zur Überraschung aller die siebtschnellste Rennrunde. Nicht nur deshalb weiß Spyker Teamchef Colin Kolles, was er an seinem Hinterherfahrer hat: "Sakon ist ein sensibler, offener und freundlicher Charakter." Und auch dadurch ein Gewinn für den Formel-1-Zirkus.

Autor: Peter Hesseler

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