Formel-1-Fahrerkönige

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— 16.04.2002

Tierische Verhältnisse

Zehn Jahre nach dem Duell Senna-Schumi Start in die Ära Schumi-Montoya. Natürlich wieder ein krachender Machtkampf. Unsportlich, extrem riskant. Gibt der Weltmeister erstmals nach?

Schumis Revier in Gefahr?

Unglaublich: Der dreimalige Weltmeister Ayrton Senna, 1994 in Imola tödlich verunglückt, geistert wieder durch den Blätterwald. Derzeit in stilechten Anzeigen des Uhren-Herstellers TAG-Heuer, der fragt: "What are you made of?" Aus welchem Holz bist du? Eine Frage für Sennas Nachfolger, Schumi und Juan Pablo Montoya (JPM). Die neuen Dauer-Duellanten der Formel 1 ringen intensiv um die Antwort, wie drei herzhafte Auseinandersetzungen und zwei handfeste Rempeleien 2002 belegen.

Zur Pressekonferenz in Imola mit vier Kollegen begrüßt Leitwolf Schumi nur einen mit Handschlag: Montoya. Trulli, Barrichello und Fisichella nimmt er allenfalls entfernt wahr. Der Vierfach-Champion hat erkannt: Nach Jahren unbestrittener Dominanz ist sein Revier in Gefahr. Denn deutlicher als Montoya könnte sich ein zweites (oder neues?) Alpha-Männchen nicht outen. Mit wilden Gebärden am Lenkrad, mit haarigen Manövern, mit drohenden Worten.

Man kennt das, besonders von Senna. Keke Rosberg erinnert sich: "Notfalls fuhr er über uns drüber." Prost räumte er zwecks Titelgewinn 1990 ohne Skrupel aus dem Weg - eine Revanche. Als Senna 1991 in Spa auf Schumi traf, war er bereits geläutert. Schumi kabelte nach Hause: "Alle kochen mit Wasser - außer Senna." Der erkannte gleichzeitig: "Der junge Deutsche kann mal Weltmeister werden." Als Vorbild nannte Schumi aber plötzlich andere.

Senna: Rivale und Vorbild

Und dann ging es los: In São Paulo 1992 maulte Schumi hintenrum über Sennas Hauruck-Kurs. In Magny-Cours fuhr er dem Brasilianer ohnmächtig in die Flanke. Und bekam vor laufenden Kameras eine Lektion: "Komm zu mir, wenn du Probleme hast. Ich kann dir helfen." Kurz darauf bremst Schumi Senna in Hockenheim bei Testfahrten böse aus - dreimal. Der geht ihm an die Gurgel, ärgert sich danach, "dass ich diesem Arschloch keine reingehauen habe".

Schumi, schon damals lernfähig, besann sich. Nach Sennas Demonstration beim Schauer-Lauf in Donington 1993 entfuhr ihm: "Wer später mal wissen will, wie gut Senna war, muss sich ein Video von diesem Rennen ansehen." Aber der Deutsche blieb distanziert. Bis 2000 in Monza, wo nach Sieg Nummer 41 bei ihm alle Dämme brachen. So oft hatte auch Senna gewonnen. Darauf angesprochen, flennte Schumi, der wenig auf Statistiken gibt, vor aller Welt wie ein Schlosshund.

Denn im Sport waren sie wie Zwillinge: extremes Talent, unbeugsamer Wille, unglaubliche Starrköpfigkeit. Detail-Fanatiker einer wie der andere, Arbeitstiere, Fitness-Freaks, umworben vom ersten Auftritt an, selbstbewusst bis hin zur Arroganz, gottvertrauend beim Überholen und Überrunden, selbst fast unpassierbar - außer unter Lebensgefahr. Genies bei Nässe und bei wechselnden Bedingungen, beide vom Start weg explosiv auf kalten Reifen. Und jeweils mit doppelter Begabung ausgestattet: schnell zu fahren und dabei auch noch (schnell) zu denken.

Crash-Kid Montoya als Gegner

Kann Montoya das auch? Genau das ist, gerade jetzt, der Punkt. Er treibt Schumi Rennen für Rennen vor sich her wie ein zorniger Zuchtbulle. Und kommt immer näher. Schumi hat Sennas Schicksal vor Augen und sieht sich selbst im Rückspiegel. Da wird drüber geredet im trauten Heim. Nicht von ungefähr kämpft der Champion seit Jahren für Sicherheit, sogar für verkleidete Räder in der Formel 1.

Plötzlich wird er sanft, lobt den Rivalen (wie nach dem Brasilien-Duell), nimmt ihn in Schutz (wie nach dessen Malaysia-Disqualifikation), spricht vom vorzeitigen Rücktritt, falls "ein Besserer kommt", vom regelmäßigen Punkten statt vom Siegen um jeden Preis. Er will Erfolg. Und er will ihn er- und überleben. Der Ablöser naht. Aber was hat Montoya zu bieten? "Einen Gasfuß", erklärt Rosberg. "Der zählt immer noch im Motorsport." Er hat, vielleicht durch seine schnellen Erfolge in den USA (ChampCar-Meister, Indy-500-Sieger) noch mehr Selbstbewusstsein als der junge Schumi, mehr Erfahrung mit höheren Geschwindigkeiten und weniger mit Leid.

Also noch weniger Skrupel. "Juan Pablo ist absolut furchtlos", sagt Nick Heidfeld, schon Montoya-Gegner in Formel-3000-Zeiten. Sie nennen ihn Monster. Ein unheimlicher Fremder, der düster blickt und dreckig lacht. Schumis logischer Gegenpol: kein Ehemann, keine Kinder, keine Villa, keine Statussymbole, keine Strategie. Nur Lust. Emotion. Willen. Kraft. Und dieses maßlose Talent. Ein Crash-Kid, das Schumis Schmusekurs verabscheut: "Wenn's passiert", sagt er gelangweilt, passiert's eben." Er meint es ernst.



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