Felipe Massa

Formel 1: Felipe Massa im Interview

— 03.06.2014

Alonso ist der Beste

Nach vier Jahren im Schatten des Spaniers musste Felipe Massa Ferrari verlassen. Im Gespräch mit AUTO BILD MOTORSPORT blickt er ohne Groll zurück.

Herr Massa, Sie haben einer spanischen Zeitung erzählt, Fernando Alonso sei der Beste. Haben Sie da nur rumgeschleimt oder sind Sie wirklich der Meinung? Immerhin hat er seit 2006 keinen Titel gewonnen.

Felipe Massa (33): Das mag stimmen, aber er hatte auch nicht das Auto, um den Titel zu holen. Aus dem Wagen, den er hatte, hat er immer mehr rausgeholt, als drinsteckte. Für mich macht ihn das zum besten Fahrer.

Sie haben das nicht geschafft. Was macht Alonso so viel besser?

Die Freude am Fahren ist zurück: Im weißen Williams wirkt Massa endlich wieder wie befreit

Er ist der komplette Fahrer. Definitiv sehr schnell, aber auch extrem intelligent, wenn es darum geht, ein Rennen zu analysieren. Er versteht Dinge, bevor sie passieren. Sicher hat er keine einfache Persönlichkeit. Weniger außerhalb als innerhalb des Autos. Es ist, als steckten zwei Menschen in ihm. Der Brutale im Auto und der Schüchterne außerhalb.

Sie fahren jetzt für Williams. War der Wechsel der richtige Schritt?

Absolut der richtige Schritt. Rückblickend bin ich sogar froh, dass Ferrari mich nicht mehr wollte und sich so die Möglichkeit bei Williams ergeben hat. Ich bin hier sehr entspannt, motiviert, das Team respektiert mich. Wissen Sie, manchmal ist eine Veränderung gut. Ich fühle mich wieder jung, obwohl ich älter geworden bin. Ich bin wieder bereit zu kämpfen und hart zu arbeiten. Ich bereue nichts.

Den Druck vermissen Sie wahrscheinlich auch nicht...

Überhaupt nicht! Der war bei Ferrari riesig. Wenn du nicht gewinnst, hast du eine große Last auf deinen Schultern. Man versucht die als positive Energie zu nutzen, aber man ist ständig angespannt. Hier bei Williams denke ich dagegen nur ans Rennfahren. Das ist besser.

Lob für Alonso: Massa war von 2010 bis 2013 Teamkollege des Spaniers (r.), hatte zumeist klar das Nachsehen

Sie hatten 2013 mehr Punkte als Räikkönen jetzt. Sein Rückstand auf Alonso ist scheinbar noch größer als Ihrer.


Für mich ist das keine Überraschung. Um Fernando zu schlagen, muss das Auto perfekt zu deinem Fahrstil passen. Wenn nicht alles hundertprozentig für dich stimmt, ist es unmöglich ihn zu schlagen. Kimi fühlt sich nicht ganz wohl mit dem Auto, das macht einen großen Unterschied. Und selbst, wenn alles stimmt, ist Fernando nur schwer zu schlagen.

Sie sind gegen Alonso, Räikkönen, Schumacher gefahren. Wer war der beste Teamkollege?

Stimmt. Ich hatte immer großartige Teamkollegen. Mit Michael hatte ich einen tollen Lehrer. Ich hoffe und bete jeden Tag, dass er wieder zurückkommt. Als ich mit ihm fuhr, stand er noch voll im Saft. Er war einfach unglaublich. Michael und Fernando sind auf dem gleichen Level. Michael hatte unglaubliches Talent und war ein Racer. Fernando hat im Rennen teilweise noch mehr Übersicht.

Und Kimi?

Durch die Straßen von Monaco: Der (Tapeten-)Wechsel von Ferrari zu Williams war wichtig für Massa

Ich habe gegen Fernando mehr Niederlagen erlebt als gegen jeden anderen. Das bedeutet auch, dass Kimi nicht ganz so gut sein kann. 2007 war er Weltmeister, aber bis Monza lag ich vor ihm. Leider hatten wir teamintern einen Deal: Nach Monza würde sich entscheiden, wer die Nummer eins wird. Ausgerechnet in Monza hatte ich aber ein Problem mit dem Auto. Ich lag vor Kimi, als ich ausfiel. 2008 war ich vor ihm und 2009 bis zu meinem Unfall in Ungarn auch. Trotzdem ist Kimi Weltmeister und ich nicht.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Getty Images / Picture-Alliance

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