Die besten Bilder aus Sotschi

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Formel 1: Ferrari tritt auf der Stelle

— 30.04.2016

Der Fluch des frühen Vettel-Sieges

Sebastian Vettel rast in Sotschi auf Startplatz zwei und darf doch nur als Siebter losfahren. Doch das größere Problem Ferraris ist der Abstand zu Mercedes.

„Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass der Abstand zwischen mir und Nico etwas kleiner wäre. Für uns war es das Maximum.“ Sebastian Vettel war nach seinem zweiten Platz im Qualifying zum Großen Preis von Russland nur bedingt zufrieden.
So lief das Qualifying in Sotschi: Rosberg holt überlegene Pole

Vor der Ferrari-Crew liegt noch eine Menge Arbeit

Teamkollege Kimi Räikkönen musste sich auf Rang vier Williams-Pilot Valtteri Bottas geschlagen geben. Sechs Zehntelsekunden betrug Vettels eigener Rückstand auf den Mercedes-Star auf der Pole. Dabei hat Rosberg seine schnellste Runde wegen eines Fehlers abbrechen müssen. Und der Abstand wird noch größer. Wegen eines Getriebewechsels muss Vettel in Sotschi nämlich fünf Startplätze zurück.

Genau dieser ominöse Wechsel der Schaltbox sorgt für Diskussionen im Fahrerlager. Laut Ferrari ist ein Folgeschaden von Vettels Kollision mit Teamkollege Räikkönen beim Start in China Schuld. Doch Sky-Experte Marc Surer zweifelt an dieser Version. „Ich habe mir die Kollision mit Räikkönen in der ersten Kurve noch mal angeschaut, und auch danach im Gewühl gab es keine Berührungen an der Hinterachse.“ Surer erklärt: „Wenn es einen Schlag auf die Hinterachse gibt, kann es über die Antriebswelle auf das Getriebe gehen. Aber wir haben nichts gefunden. Ein bisschen komisch.“ Der Ex-Formel-1-Star führt das Technikproblem dagegen auf den Elektronikdefekt vom Freitag zurück. Surer: „Wenn es eine Fehlschaltung gibt, kann das Getriebe natürlich auch kaputt gehen.“

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Aber warum trauen selbst Experten Ferrari zu die Unwahrheit zu sagen? Der Druck ist groß, unter den die Scuderia sich selbst setzt. Technisches Versagen ist nicht erlaubt. Präsident Sergio Marchionne fordert Siege und den Titel - und dafür fehlerfreies Material. Die frühen Erfolge aus dem Vorjahr mit Vettels erstem Sieg im zweiten Rennen fallen dem Team jetzt auf den Fuß. Der Grund: Die Ansprüche wurden dadurch zu schnell zu groß. Die Italiener dachten nach drei Triumphen ernsthaft, sie könnten Mercedes schon im zweiten Jahr attackieren. Doch statt mit scharfen Gewehrkugeln schießen sie derzeit nur mit Schrot.

Zum Haare raufen: Vettels Gesten sprachen Bände

Wer die Gesichtszüge Vettels in Sotchi gesehen hat, könnte darauf kommen, dass auch der Heppenheimer selbst unzufrieden bis ratlos ist über seine aktuelle Situation. Denn die Updates, die die Ferrari nach Russland gebracht hat, zogen nicht. Der neue Motor, für den drei Entwicklungsjoker ausgegeben wurden, hat den Rückstand auf Mercedes bislang nicht verkürzt. Genauso wenig wie der neue Frontflügel. Stattdessen leidet seit Saisonbeginn die Zuverlässigkeit. In Bahrain schaffte Vettel es wegen eines Motorschadens nicht mal in die Startaufstellung. „Wenn man stark sein will, muss man Risiken eingehen“, erklärt Teamchef Maurizio Arrivabene. „Das war mein Fehler, aber wir werden nicht aufgeben.“
Ferrari rüstet auf: Vettel mit neuem Frontflügel

Mit Kämpfen allein ist es aber nicht getan. Vettel muss Ruhe reinbringen in seine Mannschaft. Ein gutes Ergebnis beim GP Russland könnte dabei helfen. Deshalb gibt sich der Kämpfer aus Hessen gewohnt optimistisch: „Mit einem guten Start und einer guten ersten Runde kann schon was nach vorne gehen und dann ist es ein langes Rennen. Das Auto fühlt sich gut an, die Balance stimmt. Wir müssen auf jeden Fall angreifen.“ Damit die frühen Erfolge des Vorjahres den wichtigen Erfolgen der Zukunft nicht im Wege stehen.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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