Formel 1

Formel 1: Ferrari unter Druck

— 01.09.2016

Vettel: „Bin ein ungeduldiger Typ“

Selten reiste die Scuderia unter so viel Druck zum Heimspiel nach Monza. Noch immer fehlt der erste Sieg 2016. Sebastian Vettel bezieht dazu Stellung.

Das hatte sich Sebastian Vettel anders vorgestellt. Nach seinem zweiten Platz beim Italien GP im Vorjahr wollte der Heppenheimer 2016 um den Titel kämpfen - und den Tifosi in Monza einen Heimsieg bescheren. Doch die Realität sieht anders aus: Ferrari ist nicht mal zweite Kraft und muss sich sogar gegen Red Bull zur Wehr setzen.

Ferrari-Star in Italien: Vettel ist in Monza heiß begehrt

Kein Wunder, dass Vettel in der offiziellen Pressekonferenz alles andere als glücklich dreinschaut. Immer wieder beißt sich der Heppenheimer auf die Lippen und zieht die Augenbrauen zusammen. Und dann auch noch diese Frage eines englischen Reporters: Er sei zu Ferrari gewechselt, um die WM zu gewinnen. Wie viel Geduld er denn noch habe, um das hinzukriegen.

Vettel holt tief Luft und versucht zu lächeln. „Ich bin ja noch nicht so alt, also habe ich noch Zeit. Ich bin aber kein besonders geduldiger Typ, ganz im Gegenteil. Es ist aber einfach: Wir waren bislang einfach nicht schnell genug. Es ist ja klar: Wenn man schneller ist, bist du in einer besseren Position Rennen zu gewinnen, holst mehr Punkte und bekommst auch nettere Fragen.“

Eine klare Ansage des Vierfachweltmeisters. AUTO BILD MOTORSPORT fragt nach: „Was wäre denn eine nette Frage in der aktuellen Situation mit Ferrari?“

Die Scuderia will bald zurück in die Überholspur finden

Vettel: „Was ich sagen wollte: Wenn du Rennen gewinnst und einen guten Job machst, fragen die Leute nicht, was falsch läuft. Wenn du nicht siegst, will jeder wissen warum. An der Frage ist ja nichts falsch, aber es ist ein wenig langweilig sie jedes Wochenende gestellt zu bekommen.“ Vettel muss dann doch noch lachen.

Dabei ist ihm dazu wirklich nicht zumute. Ferrari befindet sich weiter in einer Zeit der Umstrukturierung, obwohl die eigentlich längst hätte abgeschlossen sein sollen. Der Rauswurf von Technikchef James Allison - für Vettel zur Zeit seiner Unterschrift bei Ferrari eine wichtige Stütze in der Aufholjagd auf Mercedes - hinterlässt eine riesige Lücke.

Die Rolle von Aerodynamikchef Dirk de Beer ist noch unklar. Insider berichten, er würde Allison folgen. Laut Ferrari übernimmt er eine andere Aufgabe bei Ferrari. Seinen Job erbt Enrico Cardile. Der Italiener hatte zuvor die Aerodynamikabteilung des Ferrari-GT-Projekts geleitet. Formel-1-Erfahrung sieht anders aus.

Wann lässt Vettel das Ferrari-Pferd wieder springen?

Dazu kommt: Auch die Stimmung stimmt nicht mehr in Italien. Nach seiner Startkollision mit Teamkollege Räikkönen in Spa wurde Vettel von der italienischen Presse gnadenlos als Schuldiger entlarvt. Der Finne versucht Fahrt aus der Situation zu nehmen: „Er hat sich bei mir entschuldigt, damit ist die Sache für mich erledigt.“ Vettel gibt kleinlaut zu: „Hätte ich mit Verstappen ganz innen gerechnet, hätte ich natürlich mehr Platz gelassen.“

Fakt ist: Ferrari und Vettel stehen immens unter Druck. Allein: In Italien reicht ein Heimsieg im Autodromo Nazionale, um zum Volksheld aufzusteigen. Und wenn man Vettels Durchhalteparolen Glauben schenkt, geht es bald auch grundsätzlich wieder bergauf. „Hinter den Kulissen arbeiten wir an der Strecke und in Maranello hart daran, das Auto zu verbessern", sagt er "Unsere Leute stehen unter Strom, auch wenn es vielleicht noch etwas dauert.“ Dumm nur, wenn man ein ungeduldiger Typ ist.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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