Kommandostand

Formel 1: FIA lenkt bei Funkverbot ein

— 19.09.2014

Unklarheit über "Hammer-Time"-Funkspruch

Auf Wunsch der Teams wurde das strikte Funkverbot der FIA vorerst aufgeschoben. AUTO BILD MOTORSPORT zeigt, was ab jetzt trotzdem verboten ist.

Drei Stunden hatten die Teammanager am Donnerstag mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting über das neue Funkverbot diskutiert. Ihre Argumentation: Aus Sicherheits- und Zuverlässigkeitsgründen ist es unangebracht den gesamten Funkverkehr über Spritverbrauch, Motor und Kupplungsmanagement zu verbieten. Heute früh ruderte der Weltverband zurück. Jetzt sind nur noch direkte Fahranweisungen verboten.

Technik-Infos vorerst erlaubt

Das gelockerte Funkverbot: Ab sofort darf der Kommandostand den Piloten keine direkten Fahrtipps mehr geben. Beispiel: In Kurve fünf ist die andere Linie schneller. Oder: Nutze am Ende der Geraden den achten Gang. Damit wollen Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt verhindern, dass die besten Piloten der Welt wie Fahrschüler rüberkommen. Anweisungen zum Ladezustand der Batterien, Motoreinstellungen oder Spritverbrauch sind weiterhin erlaubt - zumindest bis Saisonende. Ab 2015 soll das erweiterte Funkverbot wie angekündigt umgesetzt werden.

Positiv für die Teams

Die Kommunikation zwischen Team und Fahrer wird in der Formel 1 in Zukunft stärker eingeschränkt

Für Fahrer und Teams ist das Einlenken der FIA eine gute Nachricht. Sie hatten ihre Lenkräder und Autos ganz auf des extreme Funken abgestimmt. Weltmeister Sebastian Vettel: „Einige Funksprüche hörten sich zwar wirklich an wie im Kindergarten, aber andere sind durchaus wichtig. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Hybrid-Komponenten ist extrem kompliziert. Deshalb ist unsere Garage ja auch voller Ingenieure. Diese Leute reisen nicht mit Red Bull Racing um die Welt, weil sie Urlaub machen und ein Bierchen in Australien oder Singapur trinken wollen. Sie werden wirklich gebraucht."

Rosbergs Hoffnung dahin

Pech für Nico Rosberg: Der Mercedes-Star hatte sich schon gefreut, dass der Kommandostand seinen Teamkollegen im Duell nicht mehr über seine Motoreinstellungen informieren darf (AUTO BILD MOTORSPORT berichtete). So, argumentierte er, könne der Brite schlechter auf seine Taktiktricks reagieren. Die Hoffnung hat sich nun vorerst zerschlagen. Immerhin: Zumindest sind während der Fahrt jetzt solche Hinweise verboten, die Hamilton verraten, welche Linien oder Bremspunkte Rosberg wählt.

Im Überblick - diese Themen sind im Funkverkehr ab jetzt verboten:

- Fahrlinien auf der Strecke
- Berührungspunkte mit den Kerbs
- Auto-Einstellungen für bestimmte Kurven
- Vergleiche mit absoluten Sektorzeiten anderer Fahrer
- Kurvengeschwindigkeiten im Vergleich zu anderen Fahrern
- Gangwahl im Vergleich zu anderen Fahrern
- Die Wahl der Gänge im Allgemeinen
- Bremspunkte
- Bremsraten im Vergleich zu anderen Fahrern
- Bremsverschleiß oder -zustand im Allgemeinen
- Die Stabilität des Autos beim Bremsen
- Die Beschleunigung im Vergleich zu anderen Fahrern
- Das Beschleunigungsverhalten im Allgemeinen
- Der Einsatz des DRS im Vergleich zu anderen Fahrern
- Der Einsatz des Überhol-Knopfes
- Fahrtechniken im Allgemeinen

Kommentar (von Bianca Garloff):

Die erste Ungereimtheit ergab sich schon in der Pressekonferenz mit F1-Rennleiter Charlie Whiting. Ist der Hinweis „It's Hammer-Time“ noch erlaubt, der Lewis Hamilton regelmäßig ankündigt, wann er besonders schnelle Rundenzeiten zu fahren hat? Whiting schaute einmal in die Runde und fragte: „Das bedeutet doch: Jetzt pushen, oder?“ Antwort: „Ja, aber es könnte auch ein Code für etwas anderes sein.“ Whiting: „Dann müssen wir darüber diskutieren.“ Klar ist, dass gar nichts klar ist.

Heute früh war die FIA zurückgerudert. Nur Fahrtipps sind über Boxenfunk ab sofort verboten. Aber was sind Fahrtipps? Und wie soll man das überwachen? Insgesamt acht Leute werden mit dem Abhören der Radio-Kommunikation beschäftigt sein. Eine Jobbeschaffungsmaßnahme deluxe. Mit der spontanen Regeländerung hat sich der Weltverband ins eigene Fleisch geschnitten. Weil Bernie Ecclestone die Funksprüche nicht mehr hören wollte, wurde erneut an den Regeln rumgeschraubt. Besser gewesen wäre es, wenn bestimmte Ansagen einfach nicht mehr gesendet worden wären. Dann hätten sich auch die Teams gegenseitig nicht abhören müssen. Darauf nämlich setzt die FIA jetzt. Kindergarten!

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Getty Images

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