Formel 1: Finale 2007 GP Brasilien

Formel 1: Finale 2007 GP Brasilien

— 19.10.2007

Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb

Die FIA-Pressekonferenz der Formel-1-Piloten vor dem GP von Brasilien 2007 war das reinste Schmusefestival. Die Konkurrenten aus den Mercedes- und Ferrari-Teams demonstrierten ungewohnten Friedenswillen.

Vor dem spannendsten Finale seit 21 Jahren geben sich die Kandidaten auf die WM-Krone friedlich. "Keiner von uns will einen Crashkurs", sagt Lewis Hamilton. Fernando Alonso will das größtmögliche Risiko eingehen, ohne unfair zu sein. Lewis Hamilton lachte vor sich hin, Fernando Alonso spielte wie immer "Mister Cool" und Kimi Räikkönen gab sich locker wie lange nicht: Beim ersten Schlagabtausch vor dem Formel-1-Finale am Sonntag (18.00 Uhr MESZ/live bei Premiere und RTL) in Sao Paulo einigten sich die drei Titelkandidaten im Blitzlichtgewitter auf eine friedliche Punkteteilung - von Rivalität keine Spur. Angst, dass ihn Teamkollege Fernando Alonso abschießen könnte, wenn der Titelverteidiger merkt, dass ihm die Felle davonschwimmen, habe er nicht, betonte McLaren-Mercedes-Pilot Hamilton: "Natürlich will jeder von uns in der ersten Kurve vorne sein, aber nicht um jeden Preis. Keiner von uns will einen Crashkurs." Alonso gab zu, dass es ein ganz schmaler Grat sei. Er wolle das größtmögliche Risiko eingehen, ohne dabei unfair zu sein. "Ich sage es gerne noch mal: Ich will Weltmeister werden und dazu muss ich das Rennen erstmal beenden", sagte der Spanier. Da gebe es keinen Raum für dumme Spielchen und unsportliche Manöver.

Alles nur gespielt

Geht als Leader der Gesamtwertung ins Finale. Halten seine Nerven auch in Brasilien durch?

Nach der offiziellen Pressekonferenz am Donnerstag gingen die Rivalen der Rennbahn aber sofort wieder getrennte Wege, das Fairplay wirkte nur gespielt. Vor allem WM-Spitzenreiter Hamilton, der sich zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten krönen kann, hatte es eilig. "Ich kenne die Strecke nur vom Computer, das hilft, reicht aber nicht aus. Ich gehe den Kurs jetzt noch zu Fuß ab", sagte der 22-jährige Brite. Hamilton führt die WM-Wertung vor dem Showdown mit vier Punkten Vorsprung vor Alonso an. Dem besten Neuling der Formel-1-Geschichte würde bereits ein zweiter Platz reichen, um Alonso nach zwei Jahren vom Thron zu stürzen. Der Spanier, der möglicherweise zum letzten Mal im Silberpfeil sitzt und 2008 zu Renault zurückkehrt, hat nur gute Erinnerungen an den Kurs im Stadtteil Interlagos. "Hier habe ich meine beiden WM-Titel gewonnen, das macht mir Mut", sagte der Einzelgänger aus Asturien. Diesmal sei alles aber viel schwieriger für ihn, meinte Alonso: "Die Situation ist für mich ungewohnt. Ich komme als Jäger und nicht als Gejagter hierher. Und selbst, wenn ich gewinne, habe ich die Sache nicht mehr in der Hand. Es wird verdammt eng, Lewis und ich dürfen keine Fehler machen, denn darauf wartet Kimi nur."

Der Iceman hat fast keine Chance

Kimi Räikkönen hat im Finale von Sao Paulo nur Außenseiterchance. Aber viele drücken dem Iceman die Daumen.

Bei sieben Punkten Rückstand auf Hamilton geht Räikkönen als krasser Außenseiter in das große Finale. "Wir brauchen hier schon einen Doppelsieg, dann können wir nur abwarten, was die silbernen Jungs machen“, erklärte der Ferrari-Pilot, den in einer WM-Umfrage des "Sportinformationsdienstes" nur Michael Schumachers Manager Willi Weber als Weltmeister sieht: "Ich habe immer noch ein rotes Herz und drücke deshalb Kimi die Daumen." Knapp 80 Prozent der Fahrer und Teamchefs tippen allerdings auf Hamilton, etwa 20 auf Alonso. Nick Heidfeld findet es extrem, was im Moment um Alonso abgeht. "Ich weiß nicht, ob all die Anschuldigungen stimmen und da wirklich etwas nicht sauber ist, oder ob Alonso nur Action macht", sagte der BMW-Sauber-Pilot. Um in der Formel 1 allerdings Weltmeister zu werden, müsse man sicher egoistisch sein, meinte der Mönchengladbacher weiter: "Doch das allein reicht nicht, man muss auch den Speed haben - und den hat Alonso."

So spannend wie 1986

Das spannendste Titelrennen seit 21 Jahren hat auch das Interesse von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher geweckt. "So ein Finale wie das jetzt in Brasilien ist schon ein Knaller. Ich kann mich noch gut an die Anspannung vor solchen Wochenenden erinnern und ehrlich gesagt, bin ich ganz froh, dass ich das Rennen diesmal von der Couch zuhause aus verfolgen kann", teilte der Kerpener auf seiner Homepage mit. Vor einem Jahr hatte er im Duell um die WM-Krone mit Alonso das Nachsehen und beendete nach dem Rennen seine einzigartige Karriere. Schumacher, der die Formel 1 fast 16 Jahre lang geprägt hat und in dieser Zeit sieben WM-Titel und insgesamt 91 Rennen gewann, bereut seine Entscheidung nicht und fühlt sich als Früh-Rentner offenbar pudelwohl. "Alles in allem kann ich nur immer wieder sagen, dass es mir und meiner Familie in unserem jetzigen Leben wunderbar geht", meinte der 38-Jährige, der seit seinem Abschied als Berater für Ferrari arbeitet.

Deshalb sei es ganz klar, für wen sein Herz schlage. "Ich drücke Kimi und unseren Jungs ganz fest die Daumen", sagte der Kerpener. Die Mehrheit der deutschen Formel-1-Zuschauer würde allerdings Hamilton den WM-Titel gönnen. In einer vom Fernsehsender RTL in Auftrag gegebenen repräsentativen Forsa-Umfrage drückten 30 Prozent der Befragten ihre Sympathie für das Wunderkind aus. Für Räikkönen stimmten 22, für Alonso lediglich 16 Prozent.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.