Formel 1: Finale 2008

Formel-1-Saison 2008, Sebastian Vettel, Sieger in Monza Formel-1-Saison 2008, BMW-Doppelsieg in Knada

Formel 1: Finale 2008

— 03.11.2008

Hamilton ist Weltmeister

In einem dramatischen Finale erfüllte sich der Traum von Lewis Hamilton. Der Mercedes-Pilot sicherte sich erst wenige Meter vor der Ziellinie den Weltmeistertitel der Formel-1-Saison 2008.

Mit der britischen Fahne über den Schultern ließ Lewis Hamilton seinen Bruder Nicolas gar nicht mehr los, Freundin Nicole Scherzinger und die gesamte McLaren-Mercedes-Crew flippten nach einem der unglaublichsten Formel-1-Finals völlig aus. In der dramatischen Nervenschlacht von São Paulo hat der Silberpfeil-Star am Sonntag (2. November 2008) sein Brasilientrauma aus dem Jahr 2007 überwunden und sich mit einem Überholmanöver in der drittletzten Kurve gegen den Deutschen Timo Glock zum jüngsten Weltmeister gekrönt. "Das war das schwerste Rennen meines Lebens", meinte Hamilton. "Ich war kurz davor, verrückt zu werden." Der Silberpfeil-Pilot rettete beim Sieg seines Rivalen Felipe Massa, der sich im Ferrari für wenige Sekunden als Champion hatte fühlen dürfen, den erforderlichen fünften Rang.

Ein Sieg ohne Wert

Massa siegt in Brasilien vor Alonso und Räikkönen, verliert aber den WM-Titel.

Für Felipe Massa im Ferrari war der Sieg beim Saisonfinale vor 100.000, am Ende niedergeschlagenen Zuschauern in seiner Heimatstadt indes letztlich ohne Wert, er konnte die sieben Punkte Rückstand auf Lewis Hamilton im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen vor einem Jahr nicht mehr aufholen. Auch wenn er nach der Zieldurchfahrt auf dem ersten Gesamtrang gelegen hatte und Familie und Fans schon den Triumph feierten. Doch dann setzte Hamilton zum wichtigsten Überholmanöver seiner Karriere an – und fuhr geradewegs auf den WM-Thron. "Du hast keine Fehler gemacht und dann passiert Dir so ein Ding", so Massa frustriert.

Der Beginn des Dramas – Startverschiebung

Schon am Start unter Druck: Kovalainen und Vettel rücken Hamilton auf die Pelle.

Beim Finale, das Sebastian Vettel auf Rang vier als bester Deutscher beendete, ging die Hektik schon vor dem Start los: Ein plötzlicher Wolkenbruch ging auf die Strecke nieder und verwandelte den Kurs in eine Rutschbahn. Der Start wurde um zehn Minuten verschoben, doch der 4,309 Kilometer lange Kurs von São Paulo war teilweise noch nass, als die Ampeln den Start freigaben. Hamiltons und auch Massas Ingenieure hatten in der Zwischenzeit die Reifen gewechselt, beide nahmen das Rennen um die WM-Krone auf Intermediates (Mischreifen) in Angriff, und mit der gebotenen Vorsicht in der prekären ersten Kurve: Massa verteidigte ohne Probleme die Führung, dahinter holte Heikki Kovalainen gegen seinen verhalten gestarteten Teamkollegen Hamilton auf. Auch Sebastian Vettel machte schon am Start viel Boden gut, während weiter hinten Routinier David Coulthard vorzeitig seinen Formel-1-Abschied nahm. Der Schotte beendete seinen letzten Grand Prix nach wenigen Metern wegen eines Unfalls und löst eine Safety-Car-Phase aus.

Nervenzerreissender Schluss

Zwei Runden dauerte es, bis der Lauf wieder freigegeben wurde. Im Reifenpoker wechselten die Piloten nacheinander auf Trockenreifen. Hamilton hielt auch nach den Stopps fast immer WM-Kurs, nur sechs Runden lang kam er davon ab, als er hinter Giancarlo Fisichella im Force India fest hing. Doch dann die dramatischen letzten Runden: Fünf Runden vor Schluss lag Hamilton vor Vettel auf Platz fünf – Weltmeister: Hamilton. Drittletzte Runde: Der Brite kam etwas von der Ideallinie ab und wurde von Vettel kassiert – Weltmeister: Massa! Letzte Runde: Mit einem beherzten Manöver zog Hamilton an Glock, der sich wegen seiner Trockenreifen nicht wehren konnte, vorbei – Weltmeister: Hamilton! Massas Fans und Familie fallen vom Himmel in die Hölle. Für die Roten bleibt als Trost nur der Titel in der Formel-1-Herstellerwertung.
Formel-1-Gesamtwertung Fahrer 2008: Endstand
Position Punkte Fahrer Team
1. 98 Lewis Hamilton McLaren-Mercedes
2. 97 Felipe Massa Ferrari
3. 75 Kimi Räikkönen * Ferrari
4. 75 Robert Kubica Sauber-BMW
5. 61 Fernando Alonso Renault
6. 60 Nick Heidfeld Sauber-BMW
7. 53 Heikki Kovalainen McLaren-Mercedes
8. 35 Sebastian Vettel Toro Rosso Ferrari
9. 31 Jarno Trulli Toyota
10. 25 Timo Glock Toyota
13. 17 Nico Rosberg Williams-Toyota
* Bei Punktgleichheit entscheiden die besseren Platzierungen
Formel-1-Gesamtwertung Hersteller 2008: Endstand
Position Hersteller Punkte
1. Ferrari 172
2. McLaren-Mercedes 151
3. Sauber-BMW 135
4. Renault 80
5. Toyota 56
6. Toro Rosso 39
7. Red Bull 29
8. Williams-Toyota 26
9. Honda 14

Autor: Sven-Jörg Buslau

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