Frauen in der Formel 1: Alle Rennfahrerinnen

Formel 1: Frauen in der Formel 1

— 29.06.2017

Letzte Frau am Steuer vor 25 Jahren

Mit Tatiana Calderón und Marta García haben zwei Rennfahrerinnen Verträge mit Formel-1-Teams. Bisher fuhren erst fünf Fahrerinnen in der Königsklasse Ein Rückblick.

Exotisch sind Rennfahrerinnen heute nicht mehr. Aber: acht Rennfahrerinnen gab es in der DTM-Geschichte, elf in der IndyCar – aber nur fünf bisher in der Formel 1. Tatiana Calderón ist bei Sauber als Testfahrerin angestellt, Marta García ist bei Renault im Juniorenkader. Der Spanierin traut man den Aufstieg in die Formel 1 noch am ehesten zu. Am vergangenen Wochenende startete sie in der spanischen Formel 4 in ihre Rennsaison, liegt nach den drei Rennen auf Gesamtrang acht von 14 Startern. Auch das geht besser. Inzwischen ist es 25 Jahre her, als zum letzten Mal eine Frau in der Formel 1 fuhr. „Neben Nigel Mansell und Ayrton Senna Autorennen zu fahren ist ein Geschenk für mich“, sagte sich Giovanna Amati vor ihrem Debüt. „Wo ich wirklich steh, weiß ich selber noch nicht.“ Die Antwort: Sie qualifizierte sich im Brabham-Judd für keines der drei Rennen! Natürlich war Brabham ein Hinterbänklerteam, das nach der Saison auch aus der Formel 1 verschwunden ist. Aber auch auf ihren Teamkollegen Eric van der Poele fehlten ihr zwischen drei und fünf Sekunden.
Keine Frau in der Formel 1: Haben Frauen zu viel Angst?

Die bisher letzte Frau in der Formel 1: Giovanna Amati

„Ist sie wenigstens hübsch oder ein Muskelweib?“, fragte Niki Lauda damals, als bekannt wurde, dass Amati in die Formel 1 einsteigt. Die Yellow Press berichtete, er habe sich danach genauer von der Schönheit der temperamentvollen Italienerin überzeugt. Auch ein Techtelmechtel mit dem damaligen Benetton-Teamchef Flavio Briatore wird ihr nachgesagt. Sie bekam auch eine F1-Testfahrt im Benetton-Ford. Überliefert ist nur die vierjährige Beziehung mit dem Ex-Formel-1-Fahrer Luis Pérez-Sala. Amati: „Danach war ich mit einem bürgerlichen Typen zusammen. Aber das war nichts für mich – ich hasse Küche und Staubsauger.“

Fangio sorgte sich um De Filippis

Amati kam aus einem wohlhabenden Elternhaus. Ihrem Vater gehörte eine Kinokette. Schon mit zwölf Jahren wurde sie entführt, ihr Vater kaufte sie mit einer hohen Lösegeldsumme frei. Auch zwei der vier weiteren Formel-1-Rennfahrerinnen kommen aus Italien. Wie die allererste: Maria Teresa de Filippis. Ihr Bruder Luigi war 1950 schon bei einem Nicht-WM-Rennen in der Formel 1 unterwegs, schaffte aber nie den Durchbruch. Da war Maria noch dem Pferdesport verschrieben, aber bald sattelte sie um. 1954 wurde sie schon italienische Sportwagenmeisterin, 1958 stieg sie mit einem Maserati 250F in die Formel 1 ein.

Die erste Frau in der Formel 1: Maria Teresa de Filippis

Plötzlich fuhr eine Frau in der Machowelt des Motorsports. Es war das Jahr, in dem beispielsweise in Deutschland erstmals Frauen ohne die Zustimmung ihres Mannes den Führerschein machen durften. Der Organisator des Frankreich-GP ließ sie gar nicht starten. Sie erinnert sich: „Er sagte, der einzige Helm, den eine Frau tragen sollte, ist der beim Friseur.“ Aber es gab auch Gentleman – wie Rekordmeister Juan Manuel Fangio. „Er machte sich Sorgen, weil ich zu viel Risiko einging“, sagt sie. Ihr bestes Resultat: Rang zehn beim GP von Belgien. Aber im Quali war sie 40 Sekunden langsamer als Pole-Mann Tony Brooks! 1959 hing sie ihren Helm an den Nagel. Die einzige Frau, die auch einen (halben) WM-Punkt erzielen konnte in der Formel 1 war Lella Lombardi im Abbruchsrennen von Spanien 1975 (Sechste). Insgesamt bestritt sie zwölf WM-Rennen für March, Williams und RAM in den Jahren 1975 und 1976.

Die anderen beiden Formel-1-Frauen: Divina Galica, eine englische Skirennfahrerinnen (zwei Podiumsplatzierungen bei Olympia). Erst mit 28 stieg sie in den Rennsport ein, 1978 konnte sie sich bei zwei Versuchen im Hesketh-Ford nicht für ein WM-Rennen qualifizieren. Und Desiré Wilson gewann mit einem Formel-1-Rennwagen sogar ein Rennen: Am 7. April 1980 legte sie in der britischen F1-Meisterschaft in einem Wolf-Ford einen beeindruckenden Start-Ziel-Sieg in Brands Hatch hin. In der WM hatte sie keinen Erfolg. Die Südafrikanerin hat 135 verschiedene Rennwagen bewegt, fuhr auch in Le Mans und beim Indy 500.

Frauen in der Formel 1: Alle Rennfahrerinnen

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Hersteller; Picture-alliance; Getty Images; DPPI/Picture-alliance

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Gebrauchtwagen