Die besten Bilder aus Baku

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Formel 1: Funk-Stunk in Baku

— 19.06.2016

Frust bei Hamilton und Räikkönen

Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen wurden in Baku Opfer des Funk-Verbots: Während die Weltmeister Frust schieben, spaltet das Regelwerk die Meinungen.

Es war der Aufreger beim Großen Preis von Europa in Baku: Die strengen Funkregeln der FIA stellten so manchen Fahrer und sein Team am Sonntag vor große Probleme. Allen voran Lewis Hamilton, der bei seiner Aufholjagd durchs Feld bereits auf Platz fünf vorgefahren war. Doch dann bremste ihn ein falscher Motormodus ein. Das Problem: Der Kommandostand durfte dem Weltmeister keine Hilfestellung geben, was genau zu verändern war. Es begann eine lange Diskussion am Funk - geführt, zumindest in Hamiltons Fall, bei jenseits der 350 Stundenkilometer: „Ich weiß nicht, was du meinst. Ich weiß nicht, was falsch ist“, fluchte Hamilton immer wieder in Richtung seines Ingenieurs.
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Hamilton musste sich in Baku mit P5 zufriedengeben

„Ich kann nicht alle fünf Sekunden auf mein Display schauen“, funkte der Brite. Irgendwann wurde es Hamilton zu viel. „Das ist lächerlich! Dann schauen wir halt, ob ich ankomme. Ich ändere jetzt einfach alles am Auto“, machte Hamilton seiner Verzweiflung Luft. Um ganz sicherzugehen, keine Strafe zu bekommen, antwortete das Team selbst darauf prompt: „Dazu haben wir dich nicht angewiesen, Lewis.“  Doch der Mercedes-Pilot wollte nicht aufgeben: „Kann ich Vorschläge machen und ihr sagt ja oder nein“, fragte Hamilton. „Nein, auch das ist nicht erlaubt“, erteilte ihm das Team eine erneute Abfuhr. Im Ziel war die Wut darüber bei Hamilton immer noch nicht verflogen.

„Ich habe immer noch keine Ahnung, was das Problem war. Ich hatte dadurch weniger Power. Es hat sich dann selbst behoben, ich habe jedenfalls nichts gemacht“, schüttelte Hamilton seinen Kopf. „Es gibt am Lenkrad 16 Verschiedene Grundeinstellungen dafür, die dann noch einmal zu weiteren Einstellungen führen. Es sind also 100 oder 200 Möglichkeiten. Egal, wie oft ich die studiere, das kann man nie wissen“, rechtfertigte sich Hamilton, der verriet: „Als ich wieder Leistung hatte, war ich sieben Runden vor Schluss 14 Sekunden hinter den Autos vor mir. Ich habe dann nur noch den Motor geschont, weil ich da für den Rest des Jahres eh schon im kritischen Bereich bin.“

Heikles Funkverbot - aber klare Worte von Niki Lauda

An seinem Unmut über die Regeln änderte das gleichwohl nichts: „Die FIA hat es zu technisch gemacht. Es ist eine Schande, dass ich nicht einfach racen konnte, sondern mich um sowas kümmern muss“, sagte Hamilton. „Ich wäre heute gern ein Teil der Show gewesen und hätte angegriffen - aber so konnte ich das nicht.“ Doch Hamilton bekam auch einen Dämpfer aus dem eigenen Team. „Wir hatten das Problem an beiden Autos. Nico hat eine Runde gebraucht um die richtige Einstellung zu finden, Lewis zwölf...“, verriet F1-Aufsichtsrat Niki Lauda. Dem Briten wollte er trotzdem keinen Vorwurf machen: „Aber wir konnten ihm nicht helfen, weil wir sonst eine Strafe gekriegt hätten und noch weiter hinten gelandet wären. Das wollten wir nicht riskieren.“

Teamchef Toto Wolff fügte hinzu: „Es handelte sich um eine Einstellung der Schalter und gab einen Weg, das Problem zu beheben. Nico war in der glücklicheren Position, weil er den Schalter davor schon verstellt hatte und praktisch nur zurückstellen musste. Bei Lewis hat es länger gedauert, bis es zurückgestellt war und dann war es zu spät für ihn“, erklärte der Österreicher. Anders als sein Pilot wollte er die Regeln nicht verteufeln. „Der Grund für diese Regeln war, dass die Fahrer nicht mehr von der Boxenmauer ferngesteuert werden sollen und das haben wir ja jetzt.“ Wolff: „Diese modernen Autos mit den modernen Motoren geben viel elektrische Power frei und daraus ergibt sich eine neue Herausforderung. Um die zu lösen, gibt es nur zwei Ansätze: Entweder man schafft das Funkverbot wieder ab oder bringt den Fahrern die Technologie bei.“

Rosberg jubelte über den Sieg... und das Funkverbot

Doch genau hier scheiden sich die Geister im Fahrerlager - die Piloten sind in diesem Punkt in zwei Lager gespalten. Rennsieger Rosberg zum Beispiel erklärte nach dem Rennen: „Lewis und ich hatten das gleiche Problem mit der Power. Das Team darf uns zwar nicht sagen, was es genau ist, aber ich wusste, was es war, habe den Schalter gedrückt und es ging wieder.“ Mit Blick auf die Regeln fügte Rosberg mit breitem Grinsen an: „Ich investiere viel Zeit in dieses Thema. Ob mir das in dem Fall jetzt geholfen hat, weiß ich nicht. Aber so ist eben die Herausforderung und ich bin zufrieden mit den Regeln. Das Funkverbot ist eine gute Sache.“ Red-Bull-Youngster Max Verstappen sah das ganz ähnlich: „Man muss sich halt damit auseinandersetzen und es lernen, bevor man ins Auto einsteigt. Ich bin happy damit.“
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Ganz anders sieht beispielsweise Fernando Alonso die Thematik. „Die Regel hat für mich von Anfang an keinen Sinn gemacht. Sie geben uns ein Raumschiff zum Fahren, mit der ganzen Technologie drin“, polterte der Spanier: „Aber wir wissen nicht immer wie damit umzugehen ist, weil wir zu wenig Infos geliefert bekommen!“ Auch Sebastian Vettel schlug in die gleiche Kerbe. „Ich finde es ist ein Witz, denn es ändert nicht viel“, erklärte der Deutsche. „Es gibt viele Sachen, die man fragen möchte oder das Team einem sagen will - und man kann es nicht. Dabei glaube ich nicht, dass man schneller fährt, weil die Box einem sagt was los ist.“ Die Konsequenz für Vettel: „Man hat halt weniger Funk, den man übertragen kann. Und damit auch weniger, was man den Zuschauern bieten kann.“

Auch Räikkönen hatte am Sonntag Probleme am Funk

Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen wurde am Sonntag selbst Opfer des Funkverbots. Als Ferrari ihn warnte, dass er möglicherweise ein Problem am Motor bekommen könnte, fragte der Finne: „Ist es das gleiche wie zuletzt in Kanada? Du kannst jawohl ja oder nein sagen?“ Das Team jedoch durfte darauf nicht eingehen. Räikkönen fluchte am Funk und kommentierte nach dem Rennen mit schüttelndem Kopf: „Man darf mittlerweile also nicht mal mehr ja oder nein sagen...“ Für Räikkönen, der seit jeher die Gewohnheit pflegt, einen Großteil seiner Interviews mit genau diesen beiden Worten zu bestreiten, nur ein Grund für ein spöttisches Lächeln über die moderne Formel 1 anno 2016.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Getty Images

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