Formel 1

Formel 1: Gas und Bremse

— 20.07.2016

Sind asphaltierte Auslaufzonen gut?

Nach den letzten zwei Grand Prix wird eifrig diskutiert: Welche Auslaufzonen braucht die Formel 1? Sind die asphaltierten Sturzräume wirklich gut für die Königsklasse?

In Österreich brachen reihenweise Aufhängungen, weil die Veranstalter grobe Randsteine neben den Strecken anbrachten. Sie sollten verhindern, dass die Fahrer zu weit neben die Strecke fahren und sich so einen zeitlichen Vorteil verschaffen. In Silverstone fehlten diese Begrenzungen. Prompt haben sich sechs Fahrer im Qualifying einen Vorteil verschafft und die Zeiten wurden gestrichen. Sind asphaltierte Auslaufzonen also überhaupt gut für die Formel 1?

Gas: Action und Speed, aber sicher!

Asphaltierte Auslaufzonen sind enorm wichtig für die Sicherheit der Fahrer. Kiesbetten bremsen zwar das Auto in den meisten Fällen sicher ab. Wenn der Wagen jedoch seitlich auf das Kiesbett trifft, kann er ausgehebelt werden und sich überschlagen.

Asphaltierte Auslaufzonen haben aber auch sportlich ihren Reiz: Sie verzeihen kleine Fehler. So dass nicht gleich jeder Fahrer aus dem Rennen geworfen wird, der die Kurve nicht hundertprozentig trifft. Das ist doch das, was wir sehen wollen: Fahrer, die mit Ach und Krach, teilweise zu zweit nebeneinander, durch die Kurven heizen, dass uns die Sprache verschlägt. Mit Kiesbetten abseits der Piste würde dieser Reiz verloren gehen. Die Fahrer würden mit weniger Risiko und somit auch mit weniger Geschwindigkeit durch die Kurven brettern.

Die Randsteine von Österreich sorgten für Diskussionen und Unfälle

Dazu kommt: Mit direkt an die Strecke grenzenden Kiesbetten hätten wir durch die zahlreichen Abflüge in Kurve eins im letzten Rennen in Silverstone nur die Hälfte der Piloten im Ziel gesehen. Das Problem: Je mehr Fahrer ausscheiden, desto weniger Fahrbetrieb auf der Strecke und desto langweilger das Rennen. (Alexander Warneke)

Bremse: Wo sind wir denn hier?

Die Zahl der Überholmanöver steigt seit Jahren an. Schön, aber das alleine macht doch noch lange keinen packenden Rennsport aus! Was ist Racing? Verrückte Typen fahren mit noch verrückteren Autos auf irrwitzigen Rennstrecken. Und der Fan will sehen, wer das am Besten kann. Dazu gehört, dass Fehler bestraft werden. Wer von der Strecke kommt, muss Zeit verlieren – oder das Rennen sogar ganz. Wieso sind Grand Prixs wie Monaco so beliebt? Weil sich da die Frage gar nicht stellt, ob asphaltierte Auslaufzonen oder Kiesbetten die richtige Alternative ist. Wer hier einen Fehler macht, klebt in der Mauer und das Rennen ist vorbei. Sicherheit ist gut und wichtig. Sonst hätten wir in Australien mit Fernando Alonso schon beim Auftakt einen Toten gehabt. Das braucht keiner. Aber man darf es mit der Sicherheit nicht übertreiben. Wer das tut, der schafft den Rennsport ab. England zeigt das nicht nur mit den asphaltierten Auslaufzonen. Da wird bei strahlendem Sonnenschein hinter dem Safety-Car gestartet – nur weil es davor geregnet hat. Die Fans wurden so um den spannendsten Moment eines Rennens gebracht: Den Start. Bei so viel übertriebenem Sicherheitsdenken muss man sich schon mal die Frage stellen: Wo sind wir hier eigentlich? Wirklich bei den 22 angeblich weltbesten Autofahrern? (Michael Zeitler)

Autoren: Alexander Warneke, Michael Zeitler

Fotos: picture-alliance

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