Mercedes

Formel 1: Gas und Bremse

— 31.05.2016

War Mercedes-Teamorder richtig?

Lewis Hamilton gewinnt den Großen Preis von Monaco, auch dank einer Stallorder bei Mercedes. War diese richtig oder nicht?

Das Problem hieß Daniel Ricciardo. Der Australier gaste mit seinem Red Bull nach dem Start des GP von Monaco so sehr an, dass er in wenigen Runden schon einen gehörigen Abstand zwischen sich und seine Mercedes-Verfolger gelegt hatte. Doch das lag nicht nur am im Regen extrem starken Red Bull. Nico Rosberg spielte die Bremse für den Rest des Feldes und seinen Teamkollegen Lewis Hamilton, weil seine Bremsen nicht auf Temperatur kamen. "Wenn die Bremse kalt bleibt, betrifft es auch die Reifen. Dann fährst du langsamer und alles wird nur noch schlimmer. Es ist ein Teufelskreis“, berichtet Rosberg vom kompletten Vertrauensverlust in sein Auto. Teamchef Toto Wolff: „Nicos Reifen kamen nie in ihr Arbeitsfenster."

Lewis Hamilton gewann das Regenrennen auch dank Rosbergs Hilfe.

Warum auch immer: Hamilton hatte die Probleme angeblich auch, konnte sie aber besser managen. Hamilton: "Ich habe es irgendwie geschafft, die Bremsen heiß zu kriegen. Da hat mir meine Erfahrung von Silverstone 2008 geholfen, als ich im Regen ähnliche Probleme hatte. In solchen Situationen zählt nur das Gefühl für die Bremsen und die Reifen."
Analyse Monaco GP: Die Fahrernoten

Die Teamführung stand deshalb vor dem Problem: Rosberg hat mit dem weidwunden Auto keine Siegchance – und er hält gleichzeitig seinen Teamkollegen auf. Also gab Technikchef Paddy Lowe den Befehl zum Platztausch.

War es richtig, dass Rosberg Hamilton vorbeiwinken musste?

Gas: Formel 1 ist auch Teamsport


Ja, denn Formel 1 ist auch Teamsport! Nico Rosberg hat mit seiner Bummelei einen Mercedes-Sieg gefährdet. Er war nicht einfach nur wenige Zehntel langsamer als Hamilton, sein Problem war viel größer und glich fast schon einem technischen Defekt. Da ist es selbstverständlich und in allen Teams Gang und Gäbe, dass der Teamkollege vorbeigewunken wird. Dafür spricht auch, dass Rosberg nicht mal per Funk Widerstand leistete. Mercedes hatte ihm ganz fair die Chance gegeben seine Pace zu erhöhen. Da er dies nicht schaffte, war der Platztausch die logische Konsequenz. Vielmehr als über die gerechtfertigte Stallorder müsste Rosberg sich über die zwei verschenkten Punkte auf der Zielgeraden ärgern. Da ließ er Nico Hülkenberg kurz vor Schluss passieren. Rosberg schob dies auf abbauende Ultrasoft-Reifen. Trotzdem meine ich: Auf den letzten 300 Metern hätte er sich so breit machen müssen, dass Hülkenberg nicht mehr vorbeikommt. Wenn am Ende zwei Zähler zum Titel fehlen, hat er sich das selbst zuzuschreiben. (Bianca Garloff)

Bremse: Punkte am Ende entscheidend

Keine Frage: Nico Rosberg war beim Monaco GP langsamer als Lewis Hamilton, und zwar deutlich. Ob wegen Bremsproblemen, einem falschen Setup oder warum auch immer – es war so. Und hätte Rosberg Hamilton nicht vorbei gelassen, hätte Hamilton das Rennen nicht gewonnen. Trotzdem ist die Teamorder falsch. Red Bull hätte zwar fast das zweite Rennen in Serie gewonnen, aber der Eindruck täuscht: Der Spanien GP wäre eine Spazierfahrt für Mercedes geworden, wären sich die Fahrer nicht gegenseitig ins Auto gefahren. Und Monaco ist eine atypische Strecke. In Kanada wird Mercedes seine Überlegenheit wieder ausspielen. Red Bull kommt näher, aber sie sind noch nicht auf Augenhöhe mit Mercedes. Ob die Silbernen daher ein Rennen mehr oder weniger verlieren – ein Problem ist das höchstens für die Marketingstrategen bei Mercedes. Und selbst das darf angezweifelt werden: Wenn Mercedes ab und an mal einen Grand Prix herschenkt, bringt das wieder mehr Zuschauer an die Fernsehgeräte. Die Quoten steigen. Am Ende wird die WM aber zwischen Rosberg und Hamilton entschieden. In Monaco hat Rosberg also seinen ärgsten WM-Gegner einfach ziehen lassen. Und wenn Rosberg am Ende wegen der dadurch verlorenen Punkte die WM verliert, dann hat die Stallorder und die Großzügigkeit des Deutschen ihm die WM gekostet. (Michael Zeitler)

Autoren: Bianca Garloff, Michael Zeitler

Fotos: Getty Images

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