Ayrton Senna

Formel 1: Gerhard Berger über Senna

— 01.05.2014

Ayrton hat uns die Augen geöffnet

Zum 20. Todestag von Ayrton Senna spricht sein ehemaliger Teamkollege und Wegbegleiter Gerhard Berger mit AUTO BILD MOTORSPORT über den Brasilianer.

Ich weiß noch, wie in der Startaufstellung von Imola 1994 der Streckensprecher Ayrtons Namen nannte und die Tifosi brüllten. Er schaute mich an und es war, als huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Für mich war es sein letztes Lächeln. Ich bin oft gefragt worden: Wie war Senna eigentlich? Zunächst einmal war er ein Mensch mit einer irren Ausstrahlung, einem Wahnsinns-Charisma. Als Rennfahrer war er der beste, gegen den ich je gefahren bin. Ein Perfektionist. Einerseits hatte er Wahnsinns-Emotionen und immer das Gefühl, er habe recht. Andererseits war er cool und überlegt.

Freund der Familie: Berger mit Sennas Schwester Viviane

Er hatte keine Fehler und keine Schwächen. Wenn er voll konzentriert war, hat er keinen Schmerz gespürt, keine Anspannung, er war in einer anderen Welt, in die wir keinen Zutritt kriegen konnten. Wahrscheinlich war deshalb seine Rolle so einzigartig. Jeder von uns wusste, wenn ER hinter uns auftauchte, würde er die erste Gelegenheit zum Überholen nutzen. Die meisten zuckten schon zur Seite, wenn sie den gelben Helm im Rückspiegel sahen. Ayrton hat uns allen damals die Augen geöffnet. Er hat als Erster angefangen, im Training eine Boxeneinfahrt zu trainieren.

Er hat sich im Winter bei 40 Grad Hitze auf die neue Saison vorbereitet, ist jeden Tag 15 Kilometer gejoggt. Wir anderen haben im Winter ein bisschen herumgeturnt und als wir zum Saisonauftakt nach Brasilien gekommen sind, bekamen wir keine Luft mehr, weil es uns zu heiß war. Außerdem schaltete Ayrton immer nach dem Drehzahlmesser, auch im dichten Startgewühl.

Bei Sennas Begräbnis fungierte Berger (re.) als Sargträger

So konnte er die Gänge bis zur Grenze ausdrehen und hatte gegenüber denen einen Vorteil, die sich auf sich selbst, die Gegner und alles andere konzentrieren mussten und nach Gehör schalteten. Kurz: Er zeigte mir, was man braucht, um Weltmeister zu werden. Ich hatte leider nie Ayrtons Ernsthaftigkeit und seinen Egoismus. Ayrton hat mir meine Grenzen aufgezeigt. Ich hatte zwar das nötige Talent, aber mir fehlte die Perfektion. Fest steht: Würde man allen Fahrern das gleiche Auto geben, würde er immer gewinnen. Schade, dass wir ihn verloren haben.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Getty Images

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