Formel 1, GP Australien 2009, Nico Rosberg Williams FW31

Formel 1: GP Australien 2009

— 27.03.2009

Die Formel 1 steht Kopf

Schnellster der ersten Trainingsläufe: Nico Rosberg war zum Formel-1-Auftakt in Australien vor Barrichello und Trulli. Außerdem gab es Bestzeiten für die umstrittenen Diffusor-Autos und einen Denkzettel für die Topteams.

Bei einer Bundestagswahl würde man von einem "Erdrutschsieg" beziehungsweise einem "Denkzettel" sprechen: Williams, Toyota und Brawn gaben am ersten Trainingstag in Melbourne überraschend den Ton an, während die Topteams eine deutliche Klatsche einstecken mussten – die Formel 1 steht am ersten Rennwochenende unter dem neuen Reglement Kopf! Zwar sind die Freitagszeiten natürlich mit Vorsicht zu genießen, doch ein Trend lässt sich nicht leugnen: Jene drei Teams, die wegen ihrer angeblich fragwürdigen Diffusoren im Mittelpunkt stehen, hinterließen am ersten Tag im Albert Park eine intensive Duftmarke. Die sechs betroffenen Autos landeten auf den Positionen eins bis sieben. Damit erhärtet sich der Verdacht der protestierenden Konkurrenz, dass die cleveren Designs pro Runde eine halbe Sekunde bringen.

Doppelte Sensation durch Nico Rosberg im Williams-Toyota

Manchmal neben der Strecke, aber nie aus der Spur: Rubens Barrichello überzeugt auch im Training zum Formel-1-GP von Australien.

Schnellster Mann war wie schon in der ersten Session Nico Rosberg, der im Williams-Toyota 36 Runden zurücklegte und eine Bestzeit von 1:26.053 Minuten erzielte. Besonders beeindruckend: Rosberg übernahm die Spitze nach einer halben Stunde und gab sie nicht mehr ab, konnte seine Performance immer und immer wieder bestätigen. Trotzdem schüttelte er nur ungläubig den Kopf: "Es ist Freitag. Man darf das jetzt nicht überbewerten." Hinter dem Tagesbesten sicherte sich Rubens Barrichello (Brawn-Mercedes/38 Runden) mit 0,104 Sekunden Rückstand den zweiten Platz. Der Brasilianer schaffte in der Schlussphase eine Verbesserung, als sich sonst niemand mehr steigern konnte, weil die Strecke immer langsamer wurde. Das hatte offenbar mit dem zunehmenden Schatten zu tun.

Außerdem fuhr Barrichello mehrere Runden am Stück – sein Tank kann also nicht leer gewesen sein. Innerhalb von einer halben Sekunde mit dem Führenden klassierten sich Jarno Trulli (Toyota/+ 0,297/42 Runden), Mark Webber (Red-Bull-Renault/+ 0,317/30 Runden) und Jenson Button (Brawn-Mercedes/+ 0,321/38 Runden) auf den Positionen zwei bis fünf. Dabei stach vor allem die Leistung von Lokalmatador Webber heraus, denn er und Teamkollege Sebastian Vettel (8./+ 0,687/19 Runden) waren die mit Abstand besten Autos mit konventionellem Diffusor.

Schallende Ohrfeigen

Das überrascht bei Vettel umso mehr, als der Deutsche nach seinem Hydraulikdefekt in der ersten Session diesmal nach knapp einer Stunde wegen eines Fahrfehlers in der dritten Kurve abstellen musste. Trotzdem war er hinter Glock und knapp vor Adrian Sutil (Force-India-Mercedes/+ 0,987/29 Runden), der als Neunter seine starke Performance aus dem ersten Freien Training bestätigen konnte, zweitbester Deutscher. Schwer geschlagen geben mussten sich die etablierten Teams – und die schallendste Ohrfeige wurde wie erwartet McLaren-Mercedes verpasst: Heikki Kovalainen (+ 1,749/35 Runden) wurde 17., Lewis Hamilton (+ 1,760/31 Runden) 18. "Wir gehören ins letzte Drittel", musste Mercedes-Sportchef Norbert Haug daraufhin erneut eingestehen.

Ferrari, McLaren, Heidfeld und Renault fuhren mit KERS

Total von der Rolle: Auch in Australien wurde Weltmeister Lewis Hamilton im Training nur unter "ferner liefen" geführt.

Hamilton warf am Ende zwar eine schnelle Runde wegen eines kleinen Fahrfehlers weg, doch in die Top 10 hätte ihn dieser Versuch ohnehin nicht gebracht. Schlecht ist die Stimmung im Moment auch im BMW Sauber F1 Team: "Das Auto rutscht nur durch die Gegend. Das ist nicht das Auto, das ich im Winter getestet habe", beschwerte sich Robert Kubica (+ 1,345/36 Runden) auf dem Weg zu Platz 15. Nick Heidfeld erging es nicht besser: Der Deutsche war lange Zeit Letzter, schaffte aber mit insgesamt 34 Runden und 1,264 Sekunden Rückstand immerhin noch den Sprung auf Rang 14 – übrigens mit KERS an Bord. Auf das neue Energierückgewinnungssystem setzt man auch bei Ferrari, wo die Lage zumindest etwas freundlicher zu sein scheint als bei der letztjährigen Konkurrenz: Felipe Massa (10./+ 1,011/35 Runden) und Kimi Räikkönen (11./+ 1,151/32 Runden) sorgten zwar nicht gerade für Angst und Schrecken, aber alle sind sich sicher: Ferrari kann noch zulegen. Den Beweis dafür gilt es morgen im Qualifying anzutreten.

Für eines der Highlights des Tages sorgte Massa auch so, indem er eine Viertelstunde vor Schluss einen unglaublichen Drift beim Anbremsen der vorletzten Kurve gerade noch abfing. Weniger Glück hatte Fernando Alonso (12./+ 1,179/28 Runden), der seinen unruhig wirkenden Renault gleich zu Beginn nicht mehr kontrollieren konnte und sich drehte. Teamkollege Nelson Piquet (+ 1,775/35 Runden) wurde übrigens nur 19. Langsamer als der Brasilianer war lediglich der eidgenössische Rookie Sébastien Buemi, der 33 Runden lang vor allem damit beschäftigt war, die für ihn neue Strecke im Albert Park zu studieren. Buemi leistete sich keine groben Schnitzer, fiel aber auch nicht positiv auf und verlor mit dem Toro-Rosso-Ferrari 2,023 Sekunden auf die absolute Spitze. Auch teamintern musste er sich Sébastien Bourdais (16./+ 1,426/36 Runden) geschlagen geben.

Auffällig: Die Formel 1 ist trotz der Regeländerungen schneller geworden

KERS-Autos unter sich: Felipe Massa (Ferrari F60) verfolgt Formel-1-Kollege Nelson Piquet (Renault R29).

Was das alles für das Kräfteverhältnis bedeutet, lässt sich erst nach dem Qualifying seriös abschätzen, doch dass sich im Vergleich zu 2008 einiges geändert hat, kann man jetzt schon erkennen. Auffällig auch, dass die Formel 1 trotz der Regeländerungen nicht langsamer, sondern schneller geworden ist: Räikkönens Freitagsbestzeit aus dem Vorjahr (1:26.461 Minuten) wurde heute von Rosberg um 0,408 Sekunden unterboten. Genau beobachtet wurde auch das Comeback der Slicks: Im zweiten Freien Training war das Feld überwiegend mit der weicheren Gummimischung unterwegs, die in diesem Jahr mit grünen Flanken gekennzeichnet ist. Die weichen Reifen sind auf eine Runde um mehrere Zehntelsekunden schneller und bauen auf den Longruns weniger stark ab als angenommen. Allerdings gibt es hier von Auto zu Auto individuelle Unterschiede. Wetterseitig präsentierte sich der Albert Park am ersten Tag im allerbesten Licht: War es morgens noch stark bewölkt, so klarte es am Nachmittag auf - und die Temperaturen lagen in beiden Sessions knapp unter 20 Grad. Das ist von den Bedingungen bei den Wintertests in Spanien gar nicht so weit weg und hilft damit den Teams. Ähnlich wird es auch am Sonntag sein, schließlich wurde die Startzeit auf 17 Uhr (8 Uhr in Deutschland) nach hinten verlegt.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.