Formel 1, GP Australien 2009, Jenson Button und Ruben Barrichello, Brawn GP

Formel 1: GP Australien 2009

— 30.03.2009

Doppelter Triumph für Brawn GP

Spannender Start in die Formel-1-Saison 2009: Button siegt vor Barrichello, Vettel und Kubica fliegen drei Runden vor Schluss raus, Platz drei belegt nach einigem hin und her auch offiziell Jarno Trulli.

Triumphaler Doppelsieg von Brawn GP, sensationelle Aufholjagd von Silberpfeil-Star Lewis Hamilton, zweifache Strafe für Crash-Pilot Sebastian Vettel und schwarzer Tag für Ferrari: Die Formel 1 hat einen furiosen Start in die Saison mit einem aus deutscher Sicht dramatischen Finale hingelegt. Vettel lag auf Platz zwei und kollidierte drei Runden vor Schluss mit BMW-Sauber-Pilot Robert Kubica. Für beide war das Rennen vorbei. "Ich bin ein Idiot, es tut mir sehr, sehr leid", gab Vettel via Teamfunk zu. "Ich kenne den Sebastian von früher und habe gedacht, der macht keine dummen Sachen – und schon war es passiert", meinte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, der sogar einen Sieg von Kubica für greifbar hielt.

Es hagelte Strafen, Vettel musste in Malaysia zehn Startplätze abgeben

Das erste Opfer: Nick Heidfeld (BMW) nahm bereits in Kurve eins unfreiwillig den Weg durch die Botanik des Albert Park.

Doch mit dem Unfall allein war es für den 21-jährigen Vettel beim erwarteten, aber dennoch bravourösen Sieg von Jenson Button vor Rubens Barrichello im neuen Brawn GP nicht getan: Weil er sein nach dem Crash verbliebenes "Red Bull-Dreirad" nicht unverzüglich abstellte, bekam er nachträglich eine 50.000-Dollar Strafe aufgebrummt. Und das war noch nicht alles: Für den Grand Prix in Malaysia (5. April 2009) gab es eine Strafe obendrauf: Vettel muss in der Startaufstellung zehn Plätze abgeben. Zudem entschieden die Rennkommissare nach dem von vielen Attacken und Positionskämpfen geprägten WM-Auftakt in Melbourne am Sonntag, dass Jarno Trulli wegen Überholens in einer Safety-Car-Phase 25 Sekunden Strafe bekam – der Italiener verlor damit seinen dritten Platz vorläufig an den von Rang 18 aus gestarteten Hamilton. "Das war eines der härtesten Rennen meiner Karriere. Ich glaube, ich habe es dem lieben Gott zu verdanken, dass ich das Auto überhaupt nach Hause gebracht habe", meinte der englische McLaren-Mercedes-Mann. Allerdings legte Toyota dagegen Protest ein. Diesem wurde am Donnerstag (2.4.2009) nach dem Rennen auch stattgegeben. Also Trulli Dritter und Hamilton disqualifiziert.

Glock macht 15 Plätze gut und wird im zweiten Toyota Vierter

Tolle Performance: Die Leistung der Kölner Truppe wurde mit Platz vier für Glock (Hinten) belohnt.

Profiteure des Vettel-Unfalls waren auch die vier weiteren deutschen Piloten, die letztlich alle in die Top Ten kamen: Timo Glock – nach einer Disqualifikation im Zeittraining aus der Box gestartet – wurde im zweiten Toyota Vierter, Nico Rosberg im Williams Sechster. Adrian Sutil belegte im Force India vor BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld Platz neun. Vorne aber waren B&B im bärenstarken Brawn-Boliden, über dessen umstrittenen Diffusor am 14. April das Berufungsgericht des Weltverbands entscheiden muss, das Maß aller Dinge. "Es ist schwer zu beschreiben, es ist unglaublich", meinte Teamchef und Mitbesitzer Ross Brawn, der den Rennstall in letzter Minute nach dem Honda-Ausstieg gerettet hatte – und zum WM-Anwärter machte. "Die Konkurrenten werden auch nachlegen", prophezeite der Brite Brawn zwar, wollte sich aber trotzdem sichtlich gerührt ein paar Gläser Champagner genehmigen.

Das Rennen in Kurzform

Um 17.02 Uhr Ortszeit in Melbourne erloschen die roten Ampeln: Button zog vorneweg und fuhr binnen kürzester Zeit einen Vorsprung heraus, Barrichello kam erstmal gar nicht in die Gänge. Das nutzte Vettel. Der Heppenheimer zog vorbei und schob sich auf Rang zwei. Zum Glück, denn dahinter wurde es durch Barrichellos Blockade-Start vor und in der ersten Kurve eng. Unter anderem erwischte es Nick Heidfeld. Der selbst ernannte Titelkandidat musste nach der ersten Runde schon in die Box, konnte weiterfahren kam aber über Platz zehn nicht hinaus. Schlimmer erging es McLaren-Mercedes-Mann Heikki Kovalainen, für den Finnen war das Rennen vorbei. Die erste Aufregung legte sich im Albert Park, große Veränderungen brachte auch der erste Boxenstopp nicht.

Entscheidend waren die weichen Reifen

Selbstkritik: Sebastian Vettel (Red Bull) gab zu, dass er im Kampf mit Robert Kubica zu optimistisch war.

Dann demolierte Kazuki Nakajima seinen Williams, das Safety-Car musste auf die Strecke, die erarbeitete Sekunden waren dahin. Button und auch Vettel konnten ihre Plätze an der Spitze des Feldes beim Restart verteidigen. Mit weichen Reifen sei er am Ende dann aber "nur noch rumgerutscht", erklärte Vettel. Der Unfall mit Kubica, der sich auf harten Reifen sogar auf Siegkurs wähnte, sei so gut wie unvermeidlich gewesen: "Ich konnte nicht mehr nach rechts ziehen." Kubica nahm es sportlich: "Es ist schwer zu sagen, wer da schuld ist. Er war da vielleicht ein bisschen optimistisch." Button konnte das alles egal sein: Nach 58 Runden auf dem 5,303 Kilometer langen Kurs und einer Gesamtdistanz von 307,574 Kilometern hatte er in 1:34:15,784 Stunden seinen zweiten Grand-Prix-Sieg perfekt gemacht.

Am Wochenende 3. bis 5. April 2009 geht es in Malaysia weiter – und alle erwarten den nächten Brawn GP-Coup. Auf autobild.de/formel1 sind Sie ab Freitag (3. April 2009) im Formel-1-Ticker wieder live dabei.

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