Formel 1: Schwere Unflle

Formel 1: GP Belgien 2012

— 03.09.2012

Formel Lebensgefahr

Es war die Sorte Unfall, die die Formel 1 am meisten frchtet ist. Beim Start des Belgien-Grand Prix hebt ein Auto und fliegt knapp am Kopf eines Piloten vorbei. Es muss etwas passieren, aber was? Ideen gibt es, die ideale Lsung wohl nicht.

(dpa) Nach dem Horrorcrash von Spa-Francorchamps zerbricht sich die Formel 1 den Kopf ber die grte Risikoquelle: das offene Cockpit. "Uns und, ich denke, allen Ferrari-Fans ist das Herz stehen geblieben bei dem Unfall", meinte Scuderia-Teamchef Stefano Domenicali und forderte ebenso wie Fernando Alonso Konsequenzen. Am Kopf des spanischen WM-Spitzenreiters war der Lotus von Unfallverursacher Romain Grosjean nur Zentimeter entfernt vorbeigeflogen.

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In Ungarn wurde Ferrari-Pilot Felipe Massa 2009 von einer Metallfeder trotz Helms schwer am Kopf verletzt.

Uneinigkeit herrscht aber insgesamt, ob eine Art Jet-Kanzel die Lsung sein kann. Geprft wird eine solche Variante seit langem. Auslser waren zwei schreckliche Unflle vor drei Jahren. In Ungarn wurde Alonsos Teamkollege Felipe Massa von einer Metallfeder trotz Helms schwer am Kopf verletzt. Formel 2-Pilot Henry Surtees verunglckte 2009 in Brands Hatch tdlich. Er war von einem Reifen, der sich am Wagen eines Konkurrenten gelst hatte, ebenfalls am Kopf getroffen worden.

Der schutzlose Kopf bleibt ein Risiko

Den Horror-Crash von Kanada 2007 berlebte Robert Kubica nahezu unverletzt.

Der letzte tdliche Unfall in der Formel 1 liegt hingegen 18 Jahre zurck: Am 1. Mai 1994 war der dreimalige Weltmeister Ayrton Senna am schwarzen Wochenende der Formel 1 in Imola tdlich verunglckt. Am Tag zuvor war der sterreichers Roland Ratzenberger ebenfalls nach einem Unfall gestorben. Damit das nie wieder passiert, wurden die Sicherheitsmanahmen enorm verbessert. Auch deshalb berstanden die Rennfahrer selbst spektakulrste Unflle schadlos, wie etwa der Pole Robert Kubica 2007 in Montral. Nur der bis auf den Helm schutzlose Kopf bleibt ein Risiko. Allerdings ist eben dieses offene Cockpit das Markenzeichen aller Formel-Klassen.

1994 verunglckte Ayrton Senna in Imola tdlich. Das Monocoque des Williams blieb nahezu intakt. Auch hier war eine Kopfverletzung das Problem.

"Wir arbeiten mit dem Verband an dem richtigen Schutzsystem", sagte Domenicali. "Mit dem, was wir getestet haben oder woran wir arbeiten, knnen aber auch Probleme auftreten." Eine Sorge in Sachen Jet-Kanzel ist, dass die Piloten bei einer Gefahrensituation wie zum Beispiel Feuer im Cockpit nicht schnell genug aus dem Wagen klettern knnen. "Du kannst eine Haube drber machen, aber Du weit nicht, ob sie danach sicherer sind", meinte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, dessen Fahrer Lewis Hamilton ebenfalls unmittelbar in den Crash beim Groen Preis von Belgien verwickelt war. Der Brite war von Wiederholungstter Grosjean direkt nach dem Start abgedrngt worden, sein McLaren und der Lotus des Franzosen verhakten sich. Grosjean krachte in den Sauber von Sergio Perez und hob ab. WM-Spitzenreiter Alonso hatte keine Chance mehr auszuweichen. "Ich habe mich gefhlt, als wre ein Zug in mich reingefahren", sagte der Spanier, nachdem er im Streckenhospital sicherheitshalber untersucht worden war. Er klagte aber lediglich ber Rckenschmerzen, verletzt wurde er nicht.

Formel 1: GP Belgien 2012

Wtend sei er nicht auf Grosjean, meinte Alonso. Er forderte aber wie Domenicali Konsequenzen fr die Nachwuchsklassen. "Was klar ist, dass es besser wre, wenn in den Junior-Serien die Regeln zum Verhalten auf der Strecke unbeugsam durchgesetzt wrden. Dann wren die Fahrer so gut wie mglich auf die hchste Klasse des Motorsports vorbereitet", sagte Domenicali. Grosjean hat erstmal Zeit, ber sein Manver nachzudenken. Der 26 Jahre alte ehemalige GP2-Champion, der 2009 sieben Formel 1-Rennen bestritten hat und in dieser Jahr erstmals eine volle Saison fahren soll, wurde fr den Groen Preis von Italien am kommenden Sonntag gesperrt. Nachdem er schon mehrfach in dieser Saison auffllig geworden war, urteilte die italienische Zeitung "Tuttosport": "Grosjean jetzt reicht es!". Und "El Mundo aus Spanien befand: "Man hatte geglaubt, die Fahrer seien rundum geschtzt und Unfalldramen gehrten der Vergangenheit an. Aber das ist nicht so."

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