Formel 1: GP Deutschland

Stallorder in der Formel 1 Stallorder in der Formel 1

Formel 1: GP Deutschland

— 26.07.2010

Stallorder bei Ferrari

Felipe Massa musste seinen Teamkollegen Fernando Alonso beim GP Deutschland in Hockenheim passieren lassen. Ein Manöver, das an Zeiten erinnerte, als Stallorder noch erlaubt war.

Rubens Barrichello schüttelt nur mitleidig den Kopf. "Ich möchte dazu keinen Kommentar abgeben", sagt der Brasilianer nach dem Großen Preis von Deutschland geknickt. Und gibt zu verstehen: Er fühlt mit seinem Landsmann Felipe Massa. Was war passiert? Nach einem perfekten Start führte Massa vor seinem Teamkollegen Fernando Alonso den GP an. Auf den weichen Reifen zu Rennbeginn extrem souverän, auf den harten Walzen mit immer stärker werdendem Druck von hinten und schrumpfendem Vorsprung. "Das ist eben mein Problem", erklärte Massa später. "Ich kriege die harten Reifen einfach nicht auf Temperatur und kann Alonsos Tempo dann nicht mehr mitgehen."

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Des einen Freud, des anderen Leid: Während Alonso (r.) auf dem Podest jubelt, kann Massa seinen Enttäuschung nicht verbergen.

In Runde 48 funkte deshalb sein Renningenieur Rob Smedley folgenden eindeutig zweideutigen Satz in den F10: "Also Felipe, Fernando ist jetzt schneller. Kannst Du bestätigen, dass du diese Nachricht verstanden hast?" Massa hatte verstanden – nicht nur akustisch, sondern auch inhaltlich – ging eine Runde später vom Gas und ließ den Spanier passieren. Noch schlimmer: Smedley entschuldigte sich wenig später sogar bei Massa. "Hätte nur noch gefehlt, dass Alonso "Dankeschön" gefunkt hätte", witzelt Red Bull-Sportchef Dr. Helmut Marko. Aus Teamsicht ist das, was Ferrari gemacht hat, logisch. Mit 78 Punkten Rückstand auf Lewis Hamilton hatte Massa schon vor dem GP Deutschland keine praktische WM-Chance mehr. Alonso dagegen ist dank seines Sieges mit 34 Punkten Rückstand wieder auf Schlagdistanz zu Hamilton. Das Problem: Stallorder – und die war in diesem Fall mehr als offensichtlich – ist in der Formel 1 verboten.

Ferrari hat die Regeln verletzt, wie einst vor acht Jahren

Wie sehr sich die Bilder gleichen: Barrichello (r.) musste 2001 und 2002 in Österreich seinen Rang an Schumacher abgeben.

Und zwar ausgerechnet seit dem berühmtem Befehl des damaligen Ferrari-Teamchefs Jean Todt an Rubens Barrichello in der letzten Runde des GP Österreich 2002: "Rubens, let Michael pass for championship." Auf gut deutsch: Rubens, lass Michael für die Weltmeisterschaft vorbei!" Artikel 39.1 des sportlichen Regelwerks schließt seitdem "Teamorder, die das Rennresultat beeinflussen" aus. Aktuelle Folge in Hockenheim deshalb: Ferrari wurde von den Rennkommissaren zu einer Geldstrrafe über 100.000 Dollar verdonnert. Weil außerdem Paragraph 151 c) des internationalen Sportgesetzes verletzt wurde, nach dem jede Handlung, die dem Sport schaden kann, unter Strafe steht, wird Ferraris Fall bei der nächsten Sitzung des FIA-Weltrats (Datum steht noch nicht fest) ein weiteres Mal ausführlich untersucht. Eine nachträgliche Disqualifikation ist nicht ausgeschlossen.

Experten-Beschuss

"Ferraris Problem war, dass sie es so offen ausgesprochen haben", sagt F1-Experte Niki Lauda zu autobildmotorsport.de. "Wie kann man das so deppert machen? Einzige Konsequenz kann jetzt nur sein: Sie müssen disqualifiziert werden, Vettel (derzeit noch auf P3; d. Red.) gehört der Sieg." Sky-Kommentator Marc Surer haut in dieselbe Kerbe: "Das haben sie ganz ungeschickt gemacht, denn Smedleys Äußerung am Funk ist eine klare Order, keine teamtaktische Ansage." Doch Ferrari-nahe Insider wissen: Smedley hat seine Aussagen entgegen des Befehls der Teamleitung bewusst provokant formuliert, um Alonsos Vormachtstellung im Team zu unterstreichen.

Die Zuschauer haben ein Recht auf spannenden Rennen

Zu milde Strafe: 100000 Euro muss Ferrari nun zahlen. Für Ex-Teamchef Jordan zu milde, er befürchtet Nachahmer.

Und auch Massa ließ in der Pressekonferenz nach dem Rennen unverblümt erkennen, dass er Alonso auf Wunsch des Teams hat passieren lassen. Massa hintergründig grinsend: "Nun, ich glaube nicht, dass ich dazu etwas sagen muss." Experten fordern nun eine höhere Strafe für Ferrari. "Wenn man sich Stallorder und damit in diesem Fall fünf Punkte für Alonso für 100.000 Euro kaufen kann, öffnet das Tür und Tor für alle Topteams, in Zukunft eine Stallorder auszusprechen", warnt Ex-Teamchef Eddie Jordan. "Aber damit wird der Zuschauer um spannende Rennen und spannende Zweikämpfe betrogen. Deshalb wurde das Verbot ja erst eingeführt."

Autor: Bianca Garloff

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