Red Bull-Pilot Sebastian Vettel im Duell mit Lewis Hamilton

Formel 1: GP Großbritannien

— 12.07.2010

Hohe Politik in Silverstone

Der Große Preis von Großbritannien in Silverstone am vergangenen Wochenende entpuppte sich als politischstes Rennen des laufenden Jahres. Autobildmotorsport.de anaysiert die Brandherde.

Brandherd eins: Sebastian Vettel gegen Mark Webber bei Red Bull. Seit dem Unfall beim Großen Preis der Türkei ist das Verhältnis der Teamkollegen angespannt. In Silverstone kam es endgültig zum Bruch. Grund: Pole-Mann Sebastian Vettel bekam in der Qualifikation den nach einem Materialfehler einzig verbliebenen neuen Frontflügel. Mark Webber musste mit der alten Version ins Zeittraining starten und beklagte sich nach Startplatz zwei öffentlich über eine Bevorzugung Vettels im Team. Red-Bull-Motorsportchef Dr. Helmut Marko erstaunt zu ABMS: "Ich weiß gar nicht, was Webber will. Derjenige Fahrer hat den neuen Frontflügel gekriegt, der in der WM und im dritten Zeittraining vorne lag. Das war eine ganz logische Entscheidung!" Die Webber so aber nicht verstand.

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Rivalität: Sebastian Vettel (r.) gratuliert seinen Teamkameraden, Mark Webber blickt düster drein.

Selbst nach seinem Sieg am Sonntag legte der Australier nach: Am Boxenfunk ätzte er nach der Gratulation von Teamchef Christian Horner: "Nicht schlecht für einen Nummer-2-Fahrer!" In der folgenden Pressekonferenz erklärte er sogar: "Ich hätte meinen Vertrag nie verlängert, wenn ich gewusst hätte, wie man hier mit mir umgeht." Nach der Qualifikation verweigerte er Vettel den Handschlag. Auch nach dem Rennen würdigte Webber den Deutschen keines Blickes. Im Hintergrund schürte seine Managerin und Lebensgefährtin Ann Neal das Feuer, beschuldigte Red Bull gegenüber britischen Journalisten Sebastian Vettel zu favorisieren. Jetzt ist Teamchef Christian Horner gefragt. "Ich würde jederzeit wieder so handeln und wenn demnächst wieder eine ähnliche Entscheidung getroffen werden muss, wird sie unter den gleichen Voraussetzungen gefällt." Soll heißen: Weil nach dem GP Großbritannien Webber in der WM vorne liegt, bekäme er im Zweifel die größere Unterstützung. Vettel musste in Silverstone einige WM-Zähler einbüßen. Gleich nach dem Start handelte sich der Heppenheimer einen Reifenschaden ein. Dieser resultierte höchstwahrscheinlich aus einer Berührung mit Lewis Hamilton, wie eine spätere Inspektion des McLaren-Mercedes herausstellte. Hamiltons linke Frontflügel-Endplatte wies einen Schaden auf. Dennoch blieb Vettel entspannt: Bis elf Uhr schaute er das Fußball-WM-Finale mit ein paar Freunden in Red Bulls Energy Station. Danach ließ er sich sogar noch auf Christian Horners traditioneller Gartenparty blicken.

Brawn auf Angelurlaub, Schumacher absolviert Motorradtest

Auf Abwegen: Von Silverstone aus reiste Michael Schumacher direkt nach Dijon zu einem Motorradtest.

Brandherd zwei: Michael Schumacher und Mercedes. Durch einen frühen Boxenstopp zunächst zurückgefallen, am Ende von Adrian Sutil und Sebastian Vettel überholt worden, auf Platz neun das Teamduell gegen den Drittplatzierten Nico Rosberg erneut verloren. Auch nach dem GP Großbritannien prasselt weiter Kritik auf Rekordweltmeister Michael Schumacher ein. Sogar die Konkurrenz versucht Mercedes mit kleinen Nadelstichen zu verunsichern. So wird ein viertägiger Angelurlaub von Ross Brawn in Norwegen nach dem Rennen in Valencia zum Anlass genommen, die Motivation des Teamchefs in Frage zu stellen. Ex-Rennfahrer Jacques Laffite, der Brawn zum Lachs-Angeln begleitete, klärt auf ABMS-Nachfrage auf: "Erstens waren wir am Wochenende dort und zweitens brauchte Ross dringend eine Auszeit. Der hat zuletzt so hart geschuftet, dass er extrem ausgebrannt war." Nächster Anlass zur Schumacher-Mercedes-Kritik wird ein erneuter Motorradausflug des siebenmaligen Champions sein. ABMS erfuhr: Von Silverstone aus machte sich Schumacher direkt auf zur Rennstrecke nach Dijon-Prenois (F) zu einem zweitägigen Motorradtest mit Freunden. Sprechern Sabine Kehm: "Das ist seine Privatsache, deshalb werden wir uns dazu auch nicht äußern."

Senna musste aussetzen

Brandherd drei: Bruno Sennas Beurlaubung. Noch am Donnerstagnachmittag gab HRT-Pilot Bruno Senna fleißig Interviews und Autogramme. Am Abend hieß es plötzlich, er werde durch den Japaner Sakon Yamamoto ersetzt. "Dabei geht es nicht ums Geld", ließ Teamchef Colin Kolles ausrichten, "sondern um etwas anderes, was sich am Donnerstag ereignet hat." ABMS erfuhr: In einer versehentlich per Verteiler auch an Kolles verschickten E-Mail hatte Senna den Teamchef heftigst kritisiert. Dabei soll auch das ein oder andere Schimpfwort gefallen sein. Senna entschuldigte sich zwar, wurde aber dennoch für ein Rennen suspendiert. Der Fauxpas des Brasilianers kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Eigentlich sollte nämlich Sennas Teamkollege Karun Chandhok durch den dank einer Millionenmitgift für HRT so interessanten Yamamoto ersetzt werden. Doch Chandhoks Sponsoren hatten kurz vorm GP Großbritannien doch noch die bisher überfälligen Gelder an HRT überwiesen. Nach Platz 20 von Yamamoto in Silverstone wird Senna in Hockenheim wieder am Start sein.

Fernando Alonso und Felipe Massa gerieten aneinander

Teamduell: Beim Start berührten sich die beiden Ferraristi Alonso und Massa gleich zweimal. Alonso blieb vorne.

Brandherd vier: Stunk bei Ferrari. Nicht nur einmal – wie die TV-Kameras eingefangen hatten – sondern gleich zweimal soll Fernando Alonso seinen Teamkollegen Felipe Massa am Start berührt haben. Massa reagierte nach seinem durch die Kollision mit dem Spanier entstandenen Reifenschaden und Rang 15 einsilbig. Frage: "Werden Sie mit Alonso darüber reden?" Antwort: "Ja." Mehr wollte der Brasilianer dazu nicht sagen. Teamchef Stefano Domenicali versuchte zu schlichten: "Bei all der Hektik am Rennstart kann so etwas schon mal passieren." Doch auch er bekam die Wut eines seiner beiden Fahrer zu spüren. Nach der Durchfahrtsstrafe für Fernando Alonso (Hintergrund: beim Überholmanöver gegen Robert Kubica hatte sich Alonso durch Abkürzen der Kurve einen Vorteil verschafft. Als die Rennleitung den Befehl zum erneuten Positionswechsel gab, war Kubica aber schon so weit zurückgefallen, dass der Platz-Rücktausch nicht mehr möglich war. Alonso fiel von Rang vier auf Platz 16 zurück und wurde am Ende nur 14.) richtete der Spanier per Boxenfunk aus, er wolle für den Rest des Rennens nichts mehr vom Team hören.

Autor: Bianca Garloff

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