GP Ungarn 2009

Formel 1: GP Ungarn

— 26.07.2009

Hamilton meldet sich zurück

Lewis Hamilton gewinnt im McLaren-Mercedes den Grand Prix von Ungarn sensationell vor Kimi Räikkönen und Mark Webber. Nach einer Startkollision geht Sebastian Vettel diesmal leer aus.

Motorsport-Total.com  Wer vor einem Jahr vorhergesagt hätte, dass die Formel 1 einen McLaren-Mercedes-Sieg vor Ferrari als Sensation bezeichnen würde, dem hätte man wohl kein Wort geglaubt. Doch das 2009 auf den Kopf gestellte Kräfteverhältnis in der Königsklasse des Motorsports wurde heute von den beiden etablierten Teams aus Woking beziehungsweise Maranello korrigiert! "Ich bin stolz auf euch, Jungs", klopfte Lewis Hamilton nach seinem ersten Saisonsieg Teamchef Martin Whitmarsh auf die Schulter. Genau 280 Tage musste der Weltmeister seit seinem bis heute letzten Triumph beim Grand Prix von China in Schanghai am 19. Oktober 2008 warten. Gleichzeitig trug sich Hamilton als erster Sieger mit dem Energierückgewinnungssystem KERS in die Geschichtsbücher der Formel 1 ein.

Trostpflaster für Ferrari

Am Start bleibt Alonso zunächst vorn - Vettel wird nach hinten durchgereicht

Die Freude über das Comeback war bei den sonst oft unterkühlten Silberpfeilen so groß, dass nicht nur Hamiltons singende Freundin Nicole Scherzinger ein paar Tränen verdrücken musste. Aber auch Ferrari schlug in Abwesenheit des im Koma liegenden Felipe Massa zurück: Kimi Räikkönen lieferte eine tadellose Leistung ab und sicherte sich den zweiten Platz, noch vor Nürburgring-Sieger Mark Webber (Red-Bull-Renault). Die Vorentscheidung fiel eigentlich schon am Start, denn dank seiner KERS-Power schob sich Hamilton bis zur ersten Kurve etwas nach vorne. Der spätere Sieger fuhr Seite an Seite mit Räikkönen und dem bescheiden weggekommenen Sebastian Vettel (Red-Bull-Renault), der als einziger Topfahrer auf harten Reifen gestartet war, durch die erste Kurve und sicherte sich dank seiner bekannten Kompromisslosigkeit den dritten Platz - zunächst noch hinter Webber. Im Gerangel um die beste Linie zog Vettel den Kürzeren, denn der Deutsche wurde von Räikkönen mittels Berührung leicht nach außen gedrängt und fiel auf den siebenten Platz zurück. Die Rennleitung kündigte eine Untersuchung dieses Zwischenfalls an, dass es Konsequenzen geben wird, erscheint aber mehr als unwahrscheinlich. Für Vettel war der Nachmittag damit eigentlich auch schon gelaufen, wie sich später herausstellte.

Vettel früh K.O.

Vettels Ungarn GP endet in der Box.

"Kimi ist mir ins Auto gefahren. Deswegen war der erste Stint schon schwierig und beim Boxenstopp hat dann das Rad geklemmt. Im zweiten Stint ist dann die Vorderradaufhängung gebrochen", seufzte der sichtlich enttäuschte Deutsche, dem heute im WM-Kampf eine gute Chance durch die Lappen gegangen ist. Denn Gesamtleader Jenson Button (Brawn-Mercedes) konnte den Abwärtstrend der vergangenen Wochen nicht stoppen und sammelte nur zwei Punkte. Hamilton lieferte vom Start bis ins Ziel eine perfekte Leistung ab und ließ Webber in der fünften Runde alt aussehen, als er den Australier überholte und sofort zu Fernando Alonso (Renault) aufschloss. Letzterer musste für seine Pole-Position mit einem frühen Boxenstopp in der zwölften Runde bezahlen. Dabei schlampte die Crew offenbar beim Montieren des rechten Vorderrads, was folgenschwere Konsequenzen nach sich ziehen sollte. Alonso kam zunächst als Zehnter vor seinem einmal mehr blassen Teamkollegen Nelson Piquet wieder auf die Strecke, verlor aber wenig später das Rad und musste langsam an die Box zurückrollen. Nach einem Notservice probierte er es noch einmal, doch an aussichtsloser Position liegend gab der Spanier später auf. Gewonnen hätte er auf dem Hungaroring unter normalen Umständen aber sowieso nicht.

Kaum Überholmanöver

Das Rennen entwickelte sich in der Folge zur erwarteten Prozession. Eines der spektakuläreren Überholmanöver zeigte Button gegen Kazuki Nakajima (Williams-Toyota), doch entschieden wurde der Grand Prix an den Boxen: Webber und Räikkönen kamen in der 19. Runde gleichzeitig rein - und wegen eines Patzers der Red-Bull-Crew verlor Webber seinen Platz an den Ferrari-Piloten. Dabei wurde es beim Rausfahren zwischen den beiden richtig eng! Webber wurde gleich anschließend auch noch vom noch nicht aufgetankten Timo Glock (Toyota) überholt, der aber kein direkter Gegner war. Der Australier nistete sich von jenem Zeitpunkt an auf Rang drei ein - mit Heikki Kovalainen (McLaren-Mercedes) und Nico Rosberg (Williams-Toyota) als Gegnern um den Podestplatz. Letztendlich entschied der späteste letzte Boxenstopp für Webber und gegen Kovalainen. Rosberg wurde zwischen den beiden Vierter. "Wir sind nach wie vor eine ernstzunehmende Kraft", erklärte Webber nach dem Rennen. WM-Gegner Button klang schon etwas verzweifelter: "Das Auto übersteuert - so schlecht kann das Auto doch gar nicht sein", beschwerte er sich am Funk und forderte für den zweiten Stint erneut die weichen Reifen, denn: "Wir wissen, dass es mit den harten nicht geht!" Das sollte sich als Irrglaube herausstellen, denn bei ansteigenden Asphalttemperaturen war Button auf harten Pneus am schnellsten.

Glock mit starker Leistung

Jenson Button glänzt mit Abwesenheit in den vorderen Rängen.

Button verlor in der zweiten Rennhälfte noch einen Platz an Glock, der einen langen ersten Stint fuhr, dadurch seinen Teamkollegen Jarno Trulli (Toyota) überholte und nach dem letzten Stopp in Runde 60 als Sechster wieder auf die Strecke kam. Trulli verteidigte den letzten Platz in den Punkterängen im Finish seinerseits gegen Nakajima und Rubens Barrichello (Brawn-Mercedes), der wie Button nur in der Schlussphase wirklich konkurrenzfähig war. An der Spitze fuhr Hamilton den Sieg sicher nach Hause - sehr zur Freude von Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der sichtlich gerührt von einer "Sensation" sprach: "Lewis war eine Klasse für sich - ein historischer Sieg, der erste mit KERS-Hybrid in der Formel 1. Die Silberpfeile fliegen wieder! Wir denken aber auch an Felipe. Er wäre heute ein Siegkandidat gewesen, wie sein Teamkollege gezeigt hat. Wir alle wünschen gute Besserung!" "Es ist ein unglaubliches Gefühl, nach so langer Zeit wieder hier zu stehen", jubelte auch Hamilton fassungslos. Der erste KERS-Sieg war eine Demonstration erfolgreicher Hybridtechnologie, denn bei der Topspeedmessung im dritten Sektor waren beide McLaren-Mercedes-Piloten um sage und schreibe zehn km/h (!) schneller als der Rest des Feldes! So sind die silbernen Raketen natürlich auch denkbar schwer zu überholen.

Fehlerloses Debüt von Alguersuari

Hamilton (P1), Räikkönen (P2) und Webber (P3; v.l.) genießen ihren Schampus.

Insgesamt sahen 16 Fahrer die Zielflagge, darunter auch das farblose BMW Sauber F1 Team sowie der jüngste Grand-Prix-Rookie aller Zeiten, Jaime Alguersuari (Toro-Rosso-Ferrari). Der 19 Jahre, vier Monate und drei Tage alte Spanier sammelte wertvolle Rennerfahrung, machte - auch bei den Boxenstopps - keine Fehler und kam sogar vor seinem Stallgefährten Sébastien Buemi ins Ziel, der zwischendurch auch mal neben der Strecke gesehen wurde. Neben den beiden prominenten Ausfällen von Vettel und Alonso schied heute auch Adrian Sutil (Force-India-Mercedes) aus. Der Überraschungsmann vom Nürburgring bemerkte schon vor dem Start eine zu hohe Wassertemperatur, daher lief sein Motor heiß - Sutils Arbeitstag dauerte also nur wenige Minuten. Sein Teamkollege Giancarlo Fisichella konnte den zuletzt gezeigten Aufwärtstrend als 14. aber auch nicht bestätigen. Als WM-Führender geht Button (70 Punkte) in die vierwöchige Sommerpause, aber hinter dem Briten gab es eine Verschiebung im Klassement: Webber (51,5) liegt nun viereinhalb Zähler vor Vettel an zweiter Stelle. Vierter ist weiterhin Barrichello (44), Fünfter nun Rosberg (25,5). Bei den Konstrukteuren verkürzte Red Bull den Abstand zu Spitzenreiter Brawn um vier auf 15,5 Punkte. Bei sieben ausstehenden Rennen ist also noch alles offen...

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