Formel 1 GP von Belgien 2008

Formel 1 GP von Belgien 2008

— 09.09.2008

Mercedes protestiert

Nach der Strafe für Lewis Hamilton ist das letzte Wort über den Sieg in Spa noch nicht gesprochen: McLaren-Mercedes wehrt sich, aber dem Rennstall fehlt spätestens seit der Spionage-Affäre die Lobby.

Aus Sicht der Rennkommissare Nicholas Deschaux (Frankreich), Surinder Thatti (Kenia) and Yves Bacquelaine (Belgien) hat Lewis Hamilton beim Manöver gegen Kimi Räikkönen gegen die Regeln verstoßen. Wir haben alle Fakten zum siebten Regelverstoß eines McLaren-Mercedes-Piloten in dieser Saison gesammelt und beantworten die wichtigsten Fragen.
Was wird Hamilton vorgeworfen?
Das Reglement des Automobil-Weltverbandes FIA sieht vor, dass aus Gründen der Sicherheit nur die markierte Rennstrecke zu befahren ist. Ein Fahrer, der die Piste verlässt, darf keinen Vorteil erlangen. Lewis Hamilton kürzte durch eine Schikane ab, fuhr vor Kimi Räikkönen zurück auf den Asphalt, ließ aber, um einer Bestrafung zu entgehen, den Finnen bei nächster Gelegenheit wieder passieren und zog erneut vorbei. Die drei Rennkommissare ahndeten, dass Hamilton bei seinem Konter den Windschatten Räikkönens ausgenutzt habe.
Auf welcher Grundlage wurde bestraft?
Es wurde nach dem internationalen Sportkodex der Formel 1 eine Durchfahrtsstrafe verhängt. Sie wurde, weil das Rennen zum Zeitpunkt des Urteils vorbei war, in eine 25-Sekunden-Strafe umgewandelt. Die Schiedsrichter hätten Hamilton auch im nächsten Rennen um zehn Startplätze zurückversetzen können.


Nach dem Rennen feierten Hamilton und Mercedes-Sportchef Haug – aber die Freude dauerte nur zweieinahalb Stunden.

Wie kann McLaren sich wehren?
Es ist im Reglement nicht vorgesehen, gegen eine Durchfahrtsstrafe zu protestieren, weil sie üblicherweise noch während des Rennens vollstreckt wird. Ein FIA-Sprecher bezweifelte denn auch, dass ein Protest der Silberpfeile überhaupt zulässig sei. McLaren-Mercedes hat acht Tage Zeit, seinen angekündigten Einspruch schriftlich bei der FIA einzureichen. Dann wird der International Court of Appeal (ICA) darüber befinden, ob er den Protest überhaupt annimmt. Der Kreis der für drei Jahre von der FIA-Generalversammlung gewählten ICA-Richter besteht aus 18 Juristen aus verschiedenen Ländern. Die Gebühren für den Einspruch betragen 6000 Euro.
Wie stehen die Chancen von McLaren-Mercedes?
Schlecht. Die Rennkommissare urteilten aufgrund von Videoaufzeichnungen, Telemetriedaten und Aussagen der Piloten Hamilton und Räikkönen. McLaren-Mercedes fehlt spätestens seit der Spionageaffäre die Lobby. Gäbe es ein Punktekonto für Verfehlungen auf der Piste, den McLaren-Piloten drohte der Entzug der Fahrlizenz. Der aberkannte Sieg in Belgien ist die siebte Strafe gegen die Silberpfeile in dieser Saison. In Malaysia wurden Hamilton und Teamkollege Heikki Kovalainen um jeweils fünf Plätze strafversetzt, weil sie zwei Kollegen in der Qualifikation behindert hatten. In Kanada fuhr Hamilton in der Boxengasse auf Räikkönens Ferrari auf. Für das Rennen wurde er in der Startaufstellung um zehn Plätze nach hinten versetzt. In Frankreich behinderte Kovalainen in der Qualifikation Red-Bull-Fahrer Mark Webber und wurde um fünf Plätze nach hinten gestuft. Im Rennen kassierte Hamilton eine Durchfahrtsstrafe – er hatte in einer Schikane abgekürzt. In Belgien stoppten die Regelhüter Kovalainens Aufholjagd per Durchfahrtsstrafe, weil er beim Überholen Webber ins Auto gekracht war.


Felipe Massa wurde nachträglich zum Sieger erklärt. Die FIA hat aber das letzte Wort.

Gibt es einen Präzedenzfall?

Nein. Meistens muss sich das Berufungsgericht mit technischen Streitfällen befassen. So geschehen im vergangenen Jahr, als McLaren-Mercedes gegen die Entscheidung der Rennkommissare in Brasilien protestiert hatte, Nico Rosberg und Kazuki Nakajima im Williams sowie Robert Kubica und Nick Heidfeld im BMW wegen zu niedriger Benzintemperaturen in ihren Wagen nicht zu disqualifizieren. Eine Disqualifikation hätte Hamilton aber den Titel gebracht. Der ICA wies den Protest ab. Bei Ferrari waren die Richter schon milder gestimmt. 1999 wurden die Italiener in Malaysia wegen regelwidriger Windabweiser disqualifiziert, doch der ICA hob die Strafe auf. 1995 wurden Michael Schumacher (damals Benetton) und David Coulthard (Williams) in Brasilien disqualifiziert, weil ein Mitarbeiter vergessen hatte, Benzinproben abzugeben. Auch sie wurden durch das Berufungsgericht begnadigt. Um ein sportliches Vergehen ging es 2003. Die ursprüngliche Strafversetzung des BMW-Williams-Piloten Ralf Schumacher beim Großen Preis von Ungarn wegen eines vom Deutschen verschuldeten Startunfalls am Hockenheimring wandelte der ICA in 50.000 Dollar Strafe um.
Wann wird definitiv entschieden?
Nicht vor dem nächsten Rennen in Monza. Die FIA hat angekündigt "so schnell wie möglich" eine Entscheidung bekannt zu geben.

Autor: Robert Dunker

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