Formel 1: GP von Belgien

Formel 1: GP von Belgien

— 17.09.2007

Alonso tut alles für die Titelverteidigung

Der Große Preis von Belgien war eine klare Angelegenheit für Ferrari, dahinter bekämpften sich Titelverteidiger Alonso und Hamilton mit allen Mitteln. Auf und abseits der Piste sorgte der spanische Weltmeister für Unruhe.

Auch sportlich gab es in der Formel 1 in Spa Wichtiges zu vermelden: Ferrari sicherte sich beim Großen Preis von Belgien mit einem Doppelsieg die Konstrukteursweltmeisterschaft. Der deutsche BMW-Rennstall steht als Zweiter dieser Wertung fest. Auf den Fahrertitel schielen drei Kandidaten: die McLaren-Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Fernando Alonso sowie Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen. Doppelweltmeister Alonso verkürzte mit Platz drei den Rückstand auf Teamgefährte Hamilton bei drei ausstehenden Saisonrennen auf zwei Punkte. Der Sieger in Spa, Kimi Räikkönen, muss schon auf einen Ausfall der Silberpfeile hoffen, um noch in den Titelkampf einzugreifen: Für den Zweiten von Sonntag, Felipe Massa, gibt es nur noch theoretische Chancen. "Ein Ausfall heißt für jeden von uns drei: auf Wiedersehen WM", sagte der WM-Führende Hamilton, der in Belgien nur Vierter wurde.

McLaren steuert auf ein ähnlich dramatisches Finale wie 1989 zu, als sich die Piloten Ayrton Senna und Alain Prost bis zum letzten Saisonrennen übel bekämpften. Seit der Automobilweltverband FIA McLaren mit seinem Urteil aus der Konstrukteurswertung ausgesperrt hat, müssen Alonso und Hamilton nicht mehr taktisch fahren, wie etwa noch Ende Mai in Monte Carlo, wo Teamchef Ron Dennis dem schnelleren Hamilton verbot, den Führenden Alonso zu überholen, um das Mannschaftsergebnis nicht zu gefährden Das "langweilige Rennen" (Dennis) in Spa hatte nur am Anfang etwas Brisanz, als sich Alonso und Hamilton auf den Plätzen drei und vier in der ersten Kurve nach Rennstart zu berühren schienen. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zu den Umständen des Duells befragt, wollte nicht "mutmaßen, ob der eine Teamkollege den anderen behinderte".

Alonso liegt beim Start zwar knapp hinten, nutzt aber die Innenbahn und lässt Hamilton nur den vierten Platz.

Die Rennstall-Verantwortlichen gaben sich in den Nachwehen des 100-Millionen-Dollar-Urteils alle Mühe, das Team zu befrieden. Gelungen ist es ihnen nicht. Zu sehr vergiftet ist die Atmosphäre im McLaren-Lager. Beobachter fürchten bei jedem umstrittenen Manöver faules Spiel. Hamilton nährte die Theorie. Während Alonso und Teamchef Dennis von einem "harten, aber fairen" Positionskampf sprachen, schüttelte der Formel-1-Debütant den Kopf: "Er (Alonso, d. Red.) hat mich beiseite geschoben." Mit Fairness habe das nichts zu tun gehabt. Aufrührer Alonso lieferte nach seinem fehlerfreien Sieg in Monza wieder eine tadellose Leistung ab. Allein: Jener Formanstieg fällt zusammen mit schweren Zweifeln an der Integrität des Spaniers. Alonso kam am Tag des Großen Preises von Ungarn, nur wenige Stunden nachdem er Lewis Hamilton in der Boxengasse unfair blockiert hatte, zu Ron Dennis, "ziemlich aufgeregt", wie der Teamchef fand. Alonso drohte Dennis damit, das Team bei der FIA anzuschwärzen. Er könne brisante E-Mails offenlegen. Nicht zuletzt auf Alonsos Kommunikation mit Testfahrer Pedro de la Rosa und Geheimnisempfänger Mike Coughlan basierte der Schuldspruch vom Donnerstag.

Dreister Erpressungsversuch Alonsos

FIA-Präsident Max Mosley bestätigte am Samstag den dreisten Erpressungsversuch. Alonso soll von Dennis den Nummer-eins-Status im Team gefordert haben. Dennis informierte daraufhin von sich aus Mosley. Alonso sei laut Dennis nach dem Rennen in Ungarn zu ihm gekommen, um sich zu entschuldigen. Die Spionageaffäre sendet auch außerhalb von McLaren weiter Schockwellen aus. Immer mehr Details der Anhörung werden bekannt, bevor die FIA in dieser Woche das Protokoll der Vernehmung veröffentlichen wird. Tschechiens Vertreter im FIA-Weltrat, Radovan Novak, behauptet, dass der Vorschlag zur Rekordgeldstrafe von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gekommen sei. "Aber ich habe gefragt, warum wir nicht auch über Ferrari zu Gericht sitzen. Die Spione tauschen das Material doch untereinander aus, also ist klar, dass die Italiener ebenfalls etwas haben müssen. Aber Ferrari ist unantastbar", kritisierte Novak in der tschechischen Tageszeitung "Mlada fronta Dnes".

Den Verlauf der Verhandlung nannte der Funktionär "entsetzlich": "Da liefen etwa 40 Rechtsanwälte herum, jeder von ihnen extrem angeheizt. Mit einer Sitzung des Motorsport-Weltrats hatte das eigentlich nicht mehr viel zu tun."  Derweil versuchten Mosley, Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, Ron Dennis und Renault-Kollege Flavio Briatore weiteren Schaden vom Vollgaszirkus zunehmen. Das mächtige Quartett traf sich laut "Sunday Times" in Spa zu informellen Gesprächen, um einen "Waffenstillstand im Spionagekrieg" zu erreichen. Auch Renault steht im Verdacht, fremdes geistiges Eigentum benutzt zu haben. Designer Phil Mackereth soll bei seinem Wechsel von McLaren zu Renault drei CD-Roms mit technischen Details mitgenommen haben. "Wenn jemand sagt, dass unserer Fall genauso gelagert ist wie der von McLaren, den verklage ich", zürnte Renault-Teamchef Briatore. Der Friedensschluss wurde zwar mit dem Handschlag der Intimfeinde Dennis und Mosley vor dem McLaren-Motorhome demonstrativ besiegelt. Aber ob die Formel 1 zur Ruhe kommt, darf bezweifelt werden.

Autoren: Robert Dunker, Burkhard Nuppeney

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