Formel 1 GP von China 2011

Formel 1: GP von China

— 18.04.2011

Hamilton stoppt Vettel

Sebastian Vettel kann doch noch verlieren. Im atemberaubenden China-Knüller verpasste der Formel 1-Champion seinen dritten Sieg im dritten Saisonrennen. Auf dem Treppchen ganz oben stand Lewis Hamilton.

(dpa) Taktik verpatzt, Hattrick geplatzt: Erst umarmte Sebastian Vettel seinen Bezwinger Lewis Hamilton herzlich, dann gestand der Formel 1-Champion seinen Strategiefehler ein. Der hochriskante Reifenpoker des Weltmeisters aus Heppenheim ging beim Shanghai-Spektakel am Sonntag (17. April 2011) nicht auf. Wie entfesselt schnappte McLaren-Pilot Hamilton dem Red Bull-Star in der fünftletzten Runde noch den dritten Erfolg im dritten Rennen weg. "Das hätten wir uns anders vorgestellt. Wir haben wohl zu sehr an der Zwei-Stopp-Taktik festgehalten", bekannte Vettel nach dem Actionkrimi im Reich der Mitte. "Das war unglaublich. Ich habe jede Sekunde dieses Rennens genossen", bejubelte Hamilton seinen China-Coup.

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Chancenlos: Mit abgefahrenen Reifen musste Sebastian Vettel (rechts) Lewis Hamilton fünf Runden vor Schluss die Führung überlassen.

Bei Vettels Teamkollegen Mark Webber hingegen ging der Plan voll auf. Der Australier stürmte von Startplatz 18 noch als Dritter aufs Podium. Dagegen verfehlte Mercedes-Fahrer Nico Rosberg das lange Zeit möglich erscheinende Siegerpodest.  Der Deutsche kam als Fünfter hinter Jenson Button im zweiten McLaren ins Ziel. Ärgerlich: Rosberg hatte das Rennen mehrfach angeführt, am Schluss musste er aber spritsparend fahren und die Konkurrenten ziehen lassen. "Ich bin sehr enttäuscht, es war so viel mehr drin", klagte Rosberg. Teamkollege Michael Schumacher steuerte den zweiten Silberpfeil von Startplatz 14 auf Rang acht – der Autobauer aus Stuttgart demonstrierte damit nach dem desaströsen Saisonstart einen klaren Aufwärtstrend. "Wir haben einen Riesenschritt vorwärts gemacht", befand der Rekordweltmeister. "Wir verstehen das Auto jetzt besser", meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

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Verzockt: Vettels Team entschied sich für eine Zweistopp-Strategie – ein Fehler.

In der WM-Wertung bleibt Vettel, den diesmal auch Technikprobleme behinderten, mit 68 Zählern klar in Front. "In Anbetracht der Probleme von Vettel ist der zweite Platz ein sehr gutes Ergebnis", urteilte Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko. Zweiter im Gesamtklassement ist jetzt Hamilton mit 47 Zählern vor Button (38) und Webber (37). Keine Punkte gab es dagegen in China für Nick Heidfeld, der nach Rang drei in Malaysia diesmal nur Zwölfter im Lotus-Renault wurde. Adrian Sutil fuhr im Force India auf Rang 15, Timo Glock kam im unterlegenen Marussia-Virgin als 21. ins Ziel.

Für Vettel begann das Rennen mit der ersten Niederlage des Wochenendes. Nachdem er alle Trainingseinheiten dominiert und auch die Qualifikation überlegen gewonnen hatte, musste der Deutsche am Start gleich beide McLaren vorbeiziehen lassen. Grund war wohl ein Problem mit dem 82-PS-Zusatzschub des Hybridsystems KERS, das Red Bull noch immer Sorgen bereitet. Button übernahm die Führung. Auch Hamilton, bei dem in letzter Minute noch ein Motorproblem behoben werden musste, entschied das Duell mit Vettel für sich. Nur mit Mühe konnte der Titelverteidiger zumindest Rosberg hinter sich halten. Die kurioseste Szene des Rennens spielte sich bei der ersten Runde der Boxenstopps ab: Vettel überholte auf den letzten Metern vor der Boxeneinfahrt zunächst Hamilton, dann fuhr der ebenfalls zum Reifenwechsel beorderte Button irrtümlicherweise an die Red Bull-Garage. Der Brite verlor durch seinen Fehler wertvolle Zeit, Vettel ging vorbei. Neuer Spitzenreiter aber war nun Rosberg, dessen Mercedes-Team mit dem früheren Stopp taktisch clever reagiert hatte.

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Mit dem letzten Tropfen: Für Nico Rosberg wäre viel mehr als Platz fünf drin gewesen, aber der Deutsche musste Sprit sparen.

Sein Stallkollege Schumacher verbesserte sich dank der guten Strategie auf Platz sechs und lieferte sich dort ein packendes Duell mit seinem alten Rivalen Fernando Alonso im Ferrari. Kurz darauf bog Rosberg zum zweiten Mal für frische Pneus ab, nun führte erstmals Vettel. Doch der Champion kämpfte mit Funkproblemen, sein Ingenieur konnte ihn nicht mehr hören. So blieb der Hesse bei der riskanten Zwei-Stopp-Taktik. Wegen eines Bremsplattens aufgrund der KERS-Panne aber war der heikle Plan längst durcheinander geraten. Nach Vettels zweitem Stopp in der 32. Runde ordnete sich der Hesse als Sechster wieder ein und musste nun darauf hoffen, dass seine Pneus bis zum Schluss halten würden. An der Spitze sammelte plötzlich wieder Rosberg Führungskilometer. Fast unbemerkt schlich sich auch Webber immer weiter nach vorn. In der 39. Runde ließ dann Rosberg erneut Reifen aufziehen, Vettel war wieder Erster.

Doch der Thriller auf dem Shanghai Circuit war noch längst nicht vorbei. Rasante Positionskämpfe, brillante Überholmanöver – der China-Grand Prix hatte alles zu bieten. Mit dem besseren Ende für Hamilton: Weil Vettels Reifen immer mehr abbauten, rückte der Weltmeister von 2008 konstant näher, griff mehrfach an und hatte in der 52. Runde Erfolg. "Ein fantastisches Rennen", schwärmte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. Gut vier Umläufe später fuhr Hamilton nach 1:34:58,224 Stunden jubelnd ins Ziel – die Vettel-Serie war vorbei.

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