Formel 1, GP von Italien Monza 2008, Sebastian Vettel und Gerhard Berger, Scuderia Toro Rosso

Formel 1 GP von Italien 2008

— 15.09.2008

Vettel furioso

Im verregneten königlichen Park von Monza feierte Toro-Rosso-Pilot Sebastian Vettel beim GP von Italien seinen ersten Formel-1-Sieg. Als jüngster Fahrer der Geschichte triumphierte er sensationell vor Heikki Kovalainen und Robert Kubica.

Jungspund Sebastian Vettel (21) sorgte beim Großen Preis von Italien 2008 für mächtig Furore. Mit seinem Coup in Monza unterstrich er eindrucksvoll, dass er zu den aussichtsreichsten Kronprinzen der Königsklasse gehört. "Unglaublich! Das ist viel schöner, als man sich vorstellen kann", versicherte Vettel außer sich vor Glück nach seinem spektakulären Sieg, für den er mit der Pole-Position die Grundlage schon am Samstag (13. September) geschaffen hatte. Auf einen Schlag katapultierte sich der Youngster aus Heppenheim an einem Wochenende damit zum jüngsten Grand-Prix-Gewinner und jüngsten Pole-Mann in der Geschichte der Formel 1. Vettel triumphierte vor Heikki Kovalainen (McLaren-Mercedes) und Robert Kubica (BMW).

Vettel jubelte schon am Samstag nach der Pole wie ein Monarch im königlichen Park von Monza.

Nicht von ungefähr wurde der 21-jährige Toro-Rosso-Pilot längst als "Bubi-Schumi " oder "Baby-Schumi" gefeiert. Vettel gilt als größtes deutsches Talent seit Michael Schumacher. Der Rekord-Weltmeister hält viel von seinem potenziellen Nachfolger und lobte ihn nach seiner Gala im verregneten Monza: "Sebastian hat das absolut bravourös gemacht." Ferrari-Berater Schumacher, der am Boxenstand der Roten "ein bisschen die Daumen gedrückt" hatte, traut seinem jungen Kumpel zu, eines Tages in seine großen Fußstapfen als Weltmeister zu treten. "Er hat definitiv das Potenzial, in diese Richtung zu kommen, aber es ist noch ein langer Weg." Auch Toro-Rosso-Teamchef Gerhard Berger bescheinigte seinem Schützling enorme Qualitäten: "So weit wie Sebastian war zuvor noch kein anderer Fahrer in dem Alter. Er ist schon jetzt ein Top-Mann."

Das Wunder fand im Regen statt

Der amtierende Weltmeister Kimi Räikkönen sah im Regen von Monza seine Ambitionen auf eine Titelverteidigung davonschwimmen.

Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten bewies Vettel im Königlichen Park bei extremen Wetterbedingungen in beeindruckender Weise gleich doppelt. Mit 21 Jahren und 72 Tagen triumphierte er am Samstag erst als jüngster Pilot in der Qualifikation. Überwältigt vom Quali-Erfolg jubelte "Vettel furioso" über Boxenfunk: "Grande, grande, grandissimo." Nur 24 Stunden später krönte Turbo-Vettel sein "perfektes Wochenende" mit dem ersten Grand-Prix-Gewinn. Damit löste er den zweifachen Weltmeister Fernando Alonso (Spanien, Renault) ab, der diese Rekorde bisher gehalten hat. "Ich bin überwältigt, ich bin sprachlos", sagte Vettel tief bewegt. "Das ist der schönste Tag in meinem Leben."

Höhepunkt einer steilen Karriere

Der gleichmaßen sympathische wie intelligente Hesse, der inzwischen in Walcherswil am Zuger See wohnt, gilt als frech und forsch auf und abseits der Piste. Vettel ist aber auch bescheiden und bodenständig. "Ich muss noch viel an mir arbeiten", so seine kritische Selbsteinschätzung. "Es gibt noch jede Menge, was mir zu einem Top-Fahrer fehlt." Bis zur Spitze stehe ihm noch "ein langer, schwerer und harter Weg" bevor. Vettels zielstrebiger Ansturm zum Gipfel verläuft bislang äußerst geradlinig. Nach dieser Saison steigt der "Jungstier" vom B- in den A-Rennstall Red Bull des österreichischen Energydrink-Milliardärs Dietrich Mateschitz auf. Seine Formel-Karriere startete Vettel in der Nachwuchsserie Formel BMW. Sein Debüt in der Königsklasse feierte er ebenfalls bei den Bayern: Als Ersatz des verletzten Robert Kubica holte der damals 19-Jährige am 17. Juni 2007 beim Großen Preis der USA als Achter auf Anhieb einen WM-Punkt. Vier Rennen später setzte ihn Toro Rosso anstelle des enttäuschenden Scott Speed (USA) in Ungarn ins Cockpit. Vettel rechtfertigte die Beförderung zum Stammpiloten mit dem sensationellen vierten Platz beim China GP in Shanghai (7. Oktober 2007).

Vettel berät sich selbst

Da staunten die Ferraristi Schumi und Massa: Es gewann zwar ein Ferrari-Motor, aber in einem Auto der Scuderia Toro Rosso.

In dieser Saison ließ Vettel bislang mit seinem fünften Rang beim Klassiker in Monaco, Platz sechs in Valencia und zuletzt erneut Rang fünf in Spa aufhorchen. Mit der Pole von Monza und dem Grand-Prix-Triumph toppte er allerdings alles. Die Eltern Norbert und Heike Vettel waren begeisterte Augenzeugen des historischen Auftritts auf dem Hochgeschwindigkeitskurs. "Ich bin selber hobbymäßig Rennen gefahren, da war Sebastian auch mit dabei. Mit dreieinhalb wollte er dann selbst ein Kart", schilderte der Vater in BILD am SONNTAG den Ursprung der Karriere seines Filius. "Der Anfang war nicht teuer – 7000 Mark im Jahr." Inzwischen dürfte Vettel einschließlich Prämien auf eine Gage von rund 1,5 Millionen Euro jährlich kommen. Die Verhandlungen führt der Abiturient (Notenschnitt: 2,8) selbst. Auf einen Manager verzichtet er und verlässt sich auf die Beratung durch Familie, Freunde und Formel-1-Experten. Zu seinen wichtigsten Tipp-Gebern, allerdings primär in sportlichen Angelegenheiten, gehört Michael Schumacher. Die beiden Wahl-Schweizer telefonieren regelmäßig miteinander.

Hamilton kämpfte sich auf Platz zwei

"Ein Sch...-Wochenende", wird sich Hamilton denken. Erst die verkorkste Quali und dann der Zusatzstopp im Rennen.

Durch den Sensations-Sieg von Vettel trat die gute Leistung von Nick Heidfeld fast in den Hintergrund. Der BMW-Pilot belegte Platz fünf hinter Fernando Alonso (Renault). Die hoch eingeschätzten Ferrari-Fahrer konnten bei ihrem Heimrennen keine Top-Platzierung errreichen. Felipe Massa verkürzte seinen Rückstand zu Hamilton auf einen Punkt durch Platz sechs, Kimi Räikkönen beendete den Italien GP auf Rang neun ohne Punktgewinn. Der in der WM Führende Lewis Hamilton hatte als 15. der Qualifikation seine Chancen auf den Sieg in Monza fast schon verspielt, kämpfte sich aber mit aggressiver Fahrt im Rennen bis auf Platz zwei nach vorne. Ein zusätzlicher Boxenstopp, um auf Intermediate-Reifen zu wechseln, verdarb aber auch dem Briten ein besseres Ergebnis. Er kam als Achter ins Ziel.

Die nächste Vorstellung des deutschen "Super-Seb" (sonst Spitzname des französischen Rallye-Weltmeisters Sébastien Loeb) wird es in zwei Wochen geben. Am 28. September startet im Stadt-Staat Singapur das erste Nachtrennen der Formel 1.

Autor: Sven-Jörg Buslau

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