Formel 1, GP von Singapur 2008, Die Ferrari-Crew beim Schlauchschleppen

Formel 1 GP von Singapur 2008

— 30.09.2008

Ferrari steht auf dem Schlauch

Die Scuderia Ferrari hat wieder einmal durch ihre miserable Arbeit von sich Reden gemacht. Den Tagessieg in Singapur gab es nur in der Kategorie Schlauchschleppen.

Es war noch einmal wie in den alten Zeiten: Als 1996 bei der Scuderia Ferrari der Aufwärtstrend einsetzte, sorgte der Rennstall aus Maranello noch regelmäßig für unfreiwillig komische Einlagen beim Boxenstopp. Mal vergaß ein Mechaniker im Eifer des Gefechts das Ersatzrad in der Garage, ein anderes Mal bestand bei der Crew Uneinigkeit über die Aufgabenverteilung. Widerwillig und wild gestikulierend nahmen sie schließlich ihre Positionen ein, was die Fernsehzuschauer damals erheiterte, nicht aber den wartenden Ferrari-Piloten. Im zweiten Jahr nach dem Rücktritt des Ferrari-Rekordweltmeisters droht der alte Schlendrian wieder Einzug zu halten. Das Getümmel vor der Ferrari-Garage beim Boxenstopp in Singapur war feinster Slapstick, und ginge es nicht um den Titel in der Formel-1-WM – der Leidtragende Felipe Massa hätte sich wohl eher in der Sendung "Verstehen Sie Spaß?" gewähnt. Wie anders sollte es zu erklären sein, dass er bei seinem ersten Tankstopp gleich den ganzen Tankrüssel abriss und es cirka zwei Minuten dauerte, bis sich sechs Ferrari-Mechaniker bequemten, den Brasilianer von der silbernen Schlange, die Schrecken und Chaos in der Boxengasse verbreitet hatte, zu befreien?

Immer wieder übt auch die Ferrari-Crew das Proceredere der Pit-Stopps, ohne Erfolg.

"So einen Schmarrn habe ich schon lange nicht mehr gesehen", sagte Ex-Weltmeister Niki Lauda. Massa schoss mit dem flatternden Ungetüm an seiner Seite haarscharf vor Adrian Sutil aus der Parklücke, was die Regelhüter mit einer Stop-and-go-Strafe ahndeten. Teamchef Stefano Domenicali sprach seinen Fahrer von jeder Schuld frei, es habe wohl an der Bedienung der Technik gehapert. Mit einem Ampelsignal wollten die Ferrari-Strategen ironischerweise dem hektischen Treiben beim Boxenstopp etwas entgegenwirken. Es wird anstelle des Lollipop-Manns eingesetzt. Wird der Rüssel vom Tankstutzen gezogen, löst ein Sensor grünes Licht aus, der Pilot kann Gas geben. Weil aber wegen der Safetycar-Phase so viele Autos gleichzeitig in die Boxenstraße abbogen, entschied sich der Kommandostand, auf Handbetrieb umzustellen. Doch ein unglücklicher Helfer drückte offenbar zu früh den Knopf.

Der Schlendrian kostet Massa den Titel

Felipe Massa konnte sich schon berechtigte Hoffnungen auf den WM-Titel machen. Nach Singapur scheint der Traum geplatzt.

Ein peinlich berührter Teamchef Domencali kündigte an, das System zu überprüfen. Vielleicht besorgt das auch der Internationale Automobilverband. Ein FIA-Sprecher deutete ein Verbot aus Sicherheitsgründen an: "Entweder es funktioniert oder es funktioniert nicht." Eine Häufung der Pannen bei Ferrari in dieser Saison ist nicht zu übersehen. Nicht wenige bringen die schwarze Serie der Roten mit dem Karriereende ihres deutschen Stars in Verbindung. Neben dem Champion, der bekannt ist für seinen Perfektionismus, verabschiedeten sich in Stratege Ross Brawn und Renningenieur Nigel Stepney auch zwei britische Entscheider aus dem Rennbetrieb, die in Maranello für Disziplin standen. Wie viel aber im PS-Gewerbe von der richtigen Einstellung auch der Mechaniker-Crew abhängt, hat WM-Rivale McLaren-Mercedes lernen müssen. "Wenn wir uns für die vergangene Saison kritisieren, dann deswegen, weil wir diese Disziplin nicht hatten", sagt McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh. "Wir wollten gewinnen und haben zuviel Druck gemacht, wenn wir es eigentlich nicht nötig hatten. Damit gewinnt man keine Meisterschaften."

So holt Mercedes das Double

Jetzt ist die deutsch-englische Fahrgemeinschaft auf dem besten Weg zu einem Double. Lewis Hamilton führt die Fahrerwertung drei Rennen vor Saisonende mit einem Sieben-Punkte-Polster auf Felipe Massa an, in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft liegt sie einen Punkt vor Ferrari. Die glücklosen Titelverteidiger führen nur noch die Pannenstatistik der Topteams an. In Melbourne vermieste eine defekte Benzinpumpe in der Qualifikation und ein Motorschaden im Rennen Kimi Räikkönen den Saisonstart. In Monte Carlo misslang es den Mechanikern, die vier Reifen an seinem Ferrari pünktlich bis zum Rennstart zu montieren. Wegen des Regelverstoßes erhielt er eine Durchfahrtsstrafe. Beim Grand Prix von Frankreich fiel Räikkönen, klar in Führung liegend, mit einem defekten Auspuff zurück und musste den schon sicheren Sieg Teamkollege Felipe Massa überlassen. In Silverstone vertraute der Kommandostand bei Felipe Massa auf die falschen Reifen. Er driftete mehrmals von der rutschigen Piste und wurde Letzter. Wenig hilfreich ist, dass die Fahrer nicht gerade mit Glanzleistungen Souveränität versprühen. Räikkönen missachtete in Valencia bei seinem Boxenstopp das Ampelsignal, fuhr zu früh los und verletzten einen Mechaniker. Beim Singapur-Grand-Prix leistete sich der Finne kurz vor Schluss eine Konzentrationsschwäche und krachte gegen die Begrenzungsmauer. "Wir arbeiten hart daran, diese Fehler nicht zu wiederholen", sagte Massa nach dem Silverstone-Fiasko lapidar. Die richtigen Lehren wurden aber offenbar noch nicht gezogen.

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