Formel 1: Großer Preis von Deutschland

— 05.07.2013

Fahrer drohen mit Boykott

Wegen der Reifenprobleme drohen die Formel 1-Fahrer vorm Großen Preis von Deutschland mit einem Boykott. Pirelli steht unter Zugzwang.



(dpa) Alarmstufe Rot bei den Formel-1-Fahrern: Die Piloten haben aus Angst um ihr Leben unverhohlen mit einem Boykott des Deutschland-Rennens gedroht, sollten sich die Ereignisse wie zuletzt in Silverstone wiederholen. Diese vermeidbaren Probleme mit den Reifen würden "das Leben der Fahrer, Streckenposten und Fans gefährden", teilte die Fahrervereinigung GPDA mit,nicht einmal drei Tage, bevor die Roten Ampeln auf dem Traditionskurs in der Eifel erlöschen sollen.     

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Damit greifen die Fahrer zum allerletzten Mittel, um die Dramatik der Situation deutlich zu machen. Ob es zu einem erhofften Zweikampf zwischen Weltmeister Sebastian Vettel im Red Bull und Silverstone-Sieger Nico Rosberg um den ersten deutschen Heimsieg seit sieben Jahren kommt, spielt keine Rolle mehr. Die Angst vor einem fatalen Unfall überwiegt. "Wenn du hinter einem Wagen mit 300 Stundenkilometern bist, Teile durch die Luft fliegen und deinen Helm treffen, sind die wie Geschosse. Die killen dich wahrscheinlich", sagte der WM-Zweite Fernando Alonso in einem Interview. Das sei "absolut inakzeptabel", kommentierte der Ferrari-Pilot die Serie von hochgefährlichen Reifenplatzern am vergangenen Sonntag in England. Dort waren in kurzer Zeit bei drei Autos die linken Hinterreifen förmlich explodiert. Kurz vor Ende des Rennens erwischte es ein weiteres Auto. Bereits im Training hatte es denselben Defekt an den Pneus gegeben.

Formel 1: Vettel und der Juli-Fluch

Ausrüster Pirelli kündigte daraufhin nach einer eingehenden Fehleranalyse überarbeitete Reifen für den Großen Preis von Deutschland an diesem Wochenende (6./7. Juli 2013) an. Der Weltverband leitete Sofortmaßnahmen ein und machte auch vor Regeländerungen nicht halt, um die Sicherheit der Piloten künftig besser gewährleisten zu können. "Wir sind dazu bereit, unsere Autos bis ans Limit zu bringen, so wie wir es immer tun, und wie es von unseren Teams, Sponsoren und Fans verlangt wird", teilte die GPDA in der Stellungnahme am Donnerstag mit. Die Pilotenvereinigung schränkte gleich im nächsten Satz aber ein: "Die Fahrer haben sich dazu entschlossen, sich sofort von der Veranstaltung zurückzuziehen, sollten ähnliche Probleme beim Deutschland Grand Prix auftreten."     

Formel 1: Rosberg siegt in Silverstone

Ähnliches sucht man in der Formel-1-Geschichte fast vergeblich. Vor acht Jahren hatten Teams, die mit Michelin-Reifen ausgerüstet waren, aus Sicherheitsgründen in Indianapolis einmal ihre Fahrer nach der Einführungsrunde in die Box geholt. Aber nicht das gesamte Feld. Die Nachricht erschütterte zunächst die Formel 1. Alles sah so aus, als hätte sich die Lage beruhigt. Stattdessen hatten die Piloten noch weiter nach vorne geschaut, und mögliche Auswirkungen der komplett neuen Reifen vom übernächsten Rennen an eingeschätzt. Bei der Pressekonferenz am Nachmittag herrschte auch noch business-as-usual.

Mit weit hoch geklapptem Kragen vernahm Vettel, der auch in der GPDA sitzt, die erste Kampfansage für das Rennen, das an diesem Sonntag (7. Juli 2013) geplant ist. Ausgerechnet Landsmann Rosberg will dem deutschen Formel-1-Dominator das gemeinsame Heimspiel verderben. "Kurzfristig möchte ich Sebastian und Red Bull Rennen für Rennen ärgern und vor ihm sein", sagte der Mercedes-Pilot und schaute mit einem Lächeln zu seinem Widersacher. Und Vettel nahm anschließend mit einem Strahlen die nachträglichen Geburtstags-Glückwünsche von seinem Team entgegen. Einen Tag nach seinem 26. Geburtstag zwar schnitt Vettel neben seinem aufgebockten Red-Bull-Dienstwagen brav die Torte an und verteilte Stück für Stück. Ob er zumindest den Versuch in Angriff nehmen kann, bei seinem Heimrennen endlich das größte Stück vom Siegerkuchen zu bekommen und seinen Juli-Fluch zu beenden, werden die Trainingseinheiten und das Qualifying heute und am Samstag zeigen. Sollte es dabei wieder zu platzenden Reifen kommen, könnten die Piloten ihre unmissverständliche Drohung in die Tat umsetzen.

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