Am Start lag zunächst noch Polesetter Felipe Massa an der Spitze des Feldes

Formel 1: Großer Preis von Österreich

— 22.06.2014

Rosberg gewinnt vor Hamilton

Nico Rosberg gewinnt in Spielberg und baut seine WM-Führung aus. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auf dem Podium - Sebastian Vettel scheidet aus.

Mercedes-Pilot Nico Rosberg hat im Grand Prix von Österreich in Spielberg seinen dritten Saisonsieg gefeiert und damit seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft ausgebaut. Der Deutsche siegte in einem engen Rennen vor 95.000 Zuschauern in der Steiermark vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton. Den letzten Podestplatz sicherte sich Williams-Fahrer Valtteri Bottas vor Polesetter Felipe Massa. Sebastian Vettel schied beim Red-Bull-Heimspiel nach 34 Runden mit technischem Defekt aus.

"Es war nicht das leichteste Rennen, weil einige Dinge am Auto am Limit waren. Aber ich hatte ein schnelles Auto und es ist fantastisch, hier in Österreich einen Doppelerfolg zu feiern", sagt der glückliche Rennsieger nach 71 anstrengenden Runden. "Die Fans waren erstaunlich, die Atmosphäre war klasse. Das war kein einfaches Rennen, es hat aber geklappt. Ich bin sehr, sehr glücklich. Es war fantastisch."

Rosberg hatte sich beim Start zunächst an Bottas vorbei auf Platz zwei schieben können, aber der Finne nutzte seine Chance zum sofortigen Konter. Den ersten Stint auf den weichen Supersoft-Reifen verbrachte der WM-Leader am Heck des Bottas-Williams, der Leader Felipe Massa (4.) bestens folgen konnte. Hamilton holte unterdessen innerhalb der ersten Runde vier Plätze, arbeitete sich anschließend schnell an Fernando Alonso (5.) vorbei und folgte dem silbernen Schwesterauto.

Mercedes-Plan ging perfekt auf

Bereits am Start brachte sich Rosberg in eine gute Ausgangsposition

Die beiden Mercedes-Piloten setzten die vor dem Rennen erdachte Marschroute perfekt um. Man war sich bewusst, dass man die schnellen Williams wohl nur an der Box schnappen könnte. Und genau das geschah. Rosberg gab seine Supersofts als erster der Spitzengruppe ab und holte sich mit diesem Coup die Führung nach der ersten Runde der Services. Hamilton musste sich im zweiten Stint noch hinter Bottas auf Platz drei anstellen, aber überholte den Finnen beim zweiten Stopp in Runde 40.

Fortan hatten die Silbernen an der Spitze freie Fahrt, wurden aber die starken Williams auch nie so richtig los. Angreifen konnten Bottas und Massa jedoch nicht mehr. Am Ende wäre es fast zum großen Showdown gekommen. "Du darfst Überholboost nutzen", sagte man Hamilton in der drittletzten Runde. Der Brite holte noch einmal alles aus seinem an Bremsproblemen leidenden Auto heraus. Rosberg konnte sich allerdings jederzeit wehren, weil auch er Den Boost nutzen durfte. Ein Duell mit offenen Visieren.

"In diesen Situationen musst du einfach pushen. Ein Doppelerfolg hier ist super, die Fans waren dieses Wochenende einfach klasse", bilanziert Hamilton nach Platz zwei. Dem Briten ist bewusst: Ohne das Pech im Qualifying (Startplatz neun) wäre der Sieg sicher möglich gewesen. Seine Freude hält sich deswegen auch in Grenzen. "Es war spannend und von unserer Seite viel Management. Wir hatten Probleme mit Kühlung und Bremsen", sagt Mercedes-Rennleiter Toto Wolff. "Im letzten Stint war volles Rohr."

Williams stark: Ausbeute macht Laune

Ein ähnlich enges Teamduell sah man bei Williams. Erst im letzten Abschnitt verlor Polemann Massa etwas den Anschluss an den jungen Teamkollegen, der somit erstmals auf dem Podest stand. "Ich bin sehr glücklich - schwer, das in Worte zu fassen", freut sich Bottas nach perfekter Leistung. "Dank ans Team für dieses Auto, denn Williams fährt schon seit vielen Jahren hinterher. Aber heute hatten wir ein sauberes Rennen und das Auto war gut genug für das Podium."

Mercedes und Williams waren im ersten Stints des Rennens in einer eigenen Liga unterwegs. Etwas Druck von hinten konnte später nur Fernando Alonso aufbauen. Auf den härteren Soft-Reifen funktionierte der Ferrari prächtig. "Wir mussten am Ende defensiv agieren", berichtet Williams-Entwicklungsfahrerin Susie Wolff. "Alonso war am Ende nahe dran und auch die Gruppe dahinter mussten wir im Blick behalten. Wir haben das Maximum herausgeholt, sind alle total glücklich."

Im Lager von Ferrari war Alonso sportlich der Alleinunterhalter, Teamkollege Kimi Räikkönen holte als Zehnter ein mageres Pünktchen, aber sorgte mal wieder im Funk für Spaß. "Kimi, du musst pro Runde zwei Zehntelsekunden schneller fahren", forderte man den Finnen zum Start ins letzte Renndrittel auf. Die coole Antwort des "Iceman" war typisch: "Dann gebt mit gefälligst mehr Power." Rang sieben wäre im Rahmen der Möglichkeiten gewesen, aber Räikkönen setzte es nicht um.

Perez: Tolle Taktik, schnelle Fahrt

Einmal mehr hatte Rosberg die Nase vor Teamkollege Hamilton

Ordentlich punkten konnte Force India. Sergio Perez musste nach seiner in Spielberg noch einmal bestätigten Strafe nach dem Kanada-Unfall von Rang 15 starten und legte ein furioses Rennen hin. Der Mexikaner startete im Gegensatz zu den Top 10 auf den härteren Pneus und legte lange Stints hin, die ihn am Ende auf Platz sechs nach vorn brachten. Teamkollege Nico Hülkenberg (9.) hielt da nicht mit. "Es war über weite Strecken einsam. Enttäuschend, denn wir waren nicht schnell genug. Ich hatte mit der Balance zu kämpfen", berichtet der Emmericher.

Bei McLaren sorgte der gut aufgelegte Kevin Magnussen als Siebter für einige Zähler, Teamkollege Jenson Button - ebenfalls zunächst auf Soft - verpasste die Punkte als Elfter um 3,1 Sekunden. Beim wichtigen Heimspiel von Red Bull gab es magere vier Zähler für die Weltmeistermannschaft. Montreal-Sieger Daniel Ricciardo kam mit dem nicht gerade beeindruckenden RB10 nur auf Rang acht. Und der Champion aus Deutschland? Der hatte mal wieder früh Feierabend.

Nach nur einer Runde stand der viermalige Weltmeister mit seinem Auto plötzlich am Rand. "Ich hatte keinen Vortrieb, der Motor hat kein Gas angenommen. Plötzlich ging's dann wieder", berichtet Vettel. Mit einer Runde Rückstand fuhr der Heppenheimer zunächst weiter. Dann rasierte er sich einen Teil des Frontflügels im Zweikampf ab, holte sich eine neue Frontpartie. Nach 37 Runden wurde er erlöst. "Komm zur Box und stell ab", so die Aufforderung im Funk, der der Deutsche sofort nachkam.

Das Pech bleibt Vettel treu

"Diese dunkle Wolke des Pechs verfolgt ihn irgendwie. Wir müssen schauen, warum er den Leistungsverlust hatte und die Maschine plötzlich wieder ging", fasst Teamchef Christian Horner zusammen. Die Renault-Antriebe haben den "Bullen" in den vergangenen Monaten oft Probleme bereitet. Nach dem heutigen Rennen soll es eine Krisensitzung mit Renault geben, bei der die Franzosen darlegen müssen, welche Fortschritte man realistisch in diesem Jahr überhaupt noch erreichen kann.

Für Adrian Sutil war am Spielberg-Wochenende nichts zu holen, denn der Sauber lief alles andere als blendend. Der Gräfelfinger rangierte am Ende des Grand Prix auf Platz 13. Noch schlimmer hatte es Teamkollege Esteban Gutierrez. Der Mexikaner wurde mit einem nicht richtig befestigten Rad losgeschickt, bekam dadurch eine Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe und wurde Letzter. Die beiden starken Toro Rossos fielen wegen technischer Defekte aus.

In der Weltmeisterschaft hat sich Rosberg (nun 165 Punkte) mehr Luft verschafft. Der Vorsprung auf Teamkollege Hamilton beträgt 29 Punkte. Selbst ein Ausfall würde den Deutschen nicht von Platz eins fallen lassen. "Ich freue mich jetzt auf Silverstone. Es wäre toll, wenn wir dort einen weiteren Doppelerfolg feiern könnten, um unseren Mitarbeitern in der Fabrik in England etwas Schönes zu bieten", blickt der Österreich-Sieger schon jetzt auf den nächsten Grand Prix in zwei Wochen in Großbritannien.

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Fotos: Getty Images

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