Sebastian Vettel: Sein Leben in Bildern

Formel 1: Haas vorm Heim-GP

— 20.10.2017

„Ferrari ist wie ein Luxus-Supermarkt“

Beim USA-GP wird die Formel 1 pink und setzt so ein Zeichen gegen den Brustkrebs. Sebastian Vettel fährt mit pinken Reifen und übt sich in Optimismus.

Herr Steiner, für Haas ist es die zweite Saison in der Formel 1. Was haben Sie daraus bislang gelernt?
Günther Steiner:
Es gibt nicht eine Sache, aus der man lernen kann. Wir wussten aber, dass die zweite Saison grundsätzlich schwieriger werden wird als unser Debütjahr 2016. Das hat Gründe. Erstens hatten wir für 2016 viel mehr Vorbereitungszeit. Das war logischerweise für 2017 nicht mehr so. Zweitens gab es neue Regeln. Das macht die ganze Sache noch komplizierter. Aber wir sind absolut im Soll, was unsere Performance betrifft.

Was heißt das?
Wir haben uns im Mittelfeld etabliert. Da geht es so eng zu, dass man nie vorher sagen kann wer fünftbestes Team ist, sechstbestes oder siebtbestes. Manchmal ist es Force India, dann Renault, dann wieder Toro Rosso oder McLaren. Auch wir liegen in diesem Bereich. Und das ist der eigentliche Erfolg. Jetzt geht es darum, uns für 2018 noch mal zu verbessern.

Wie schwer ist es Ihnen gefallen, Ihre zwei Fahrer zu behalten? Ferrari wollte unbedingt einen der Junioren unterbringen. Sauber ist darauf eingegangen, Sie nicht...
Das ist mir deshalb nicht schwer gefallen, weil wir feste Verträge mit Romain Grosjean und Kevin Magnussen hatten. Man muss zu seinem Wort, in dem Fall Vertrag, stehen können.

Haas ist seit 2016 in der Formel 1 

Überrascht es Sie, dass Magnussen mindestens auf Augenhöhe mit Grosjean fährt?

Nein, deshalb haben wir ihn genommen.

Magnussen kommt daher wie ein Pilot aus anderer Zeit. Legendär sind seine markigen Sprüche wie "Lutsch mir meine Eier, Schätzchen." Wie gehen Sie damit um?
Kevin hat meine volle Unterstützung. Ich finde jeder Sport, nicht nur die Formel 1, braucht gute Typen wie ihn.

Trotzdem: Haben Sie jetzt Angst, dass Sauber deshalb statt Haas das neue "B-Team" für Ferrari wird?
Nein, denn ich bin sehr zufrieden mit dem Abkommen, das wir mit Ferrari haben. Sowohl von der Motorseite her als auch in allen anderen Bereichen. Ferrari ist wie ein Luxussupermarkt für uns, wo wir ins Regal greifen können und alle erlaubten Teile einkaufen können. Das macht es uns möglich mitzuhalten, obwohl wir mit 200 Mitarbeitern gut 150 weniger haben wie alle anderen.

Wundert es Sie, dass keiner in dieser Saison den Stein der Weisen gefunden hat? Wie Brawn etwa 2009 mit dem Doppeldiffusor. Viele hatten das ja erwartet wegen der neuen Regeln...
...nein, das wundert mich nicht. Denn die FIA war auf so was vorbereitet und schaute bei allen Ideen genau hin. Eine Idee wie der Doppeldiffusor wie 2009 hätte sie nicht mehr durchgehen lassen.

Grosjean und Magnussen sind seit 2016 Teamkollegen

Wie groß ist der Vorteil für Renault, dass Sie den ehemaligen FIA-Technikchef Martin Budkowski für 2018 angeheuert haben?

Im ersten halben Jahr werden sie einen Vorteil haben, dann ist es nicht mehr relevant. Dafür entwickelt die Formel 1 zu schnell. Aber es ist kein Vorwurf an Budkowski. Denn solange es kein Verbot gibt, das verhindert, dass FIA-Leute abgeworben werden können, ist alles mit rechten Dingen zugegangen. Jeder hätte Budkowski anheuern können, Renault hat es getan.

Warum ist trotzdem der Vorteil für Renault im ersten halben Jahr da?
Weil man davon ausgehen kann, dass Budkowski weiß, welche neuen Entwicklungen die Teams für 2018 in der Pipeline haben.

Spüren Sie als amerikanischen Team einen Formel-1-Aufschwung im Land der begrenzten Möglichkeiten – zumindest was die Formel 1 betrifft?
Ja, die Fans wachsen, wenn auch sehr langsam. Ein zweites Rennen in den USA und, natürlich, ein US-Pilot würden immens helfen.

Bei den Fahrern sieht es aber mau aus. Wenn überhaupt, wollen die doch eher NASCAR-Pilot werden...
Ja, das war bisher so. Aber es gibt eine Aufbruchstimmung. Die amerikanische Formel 4 hat 30 Teilnehmer. Wo gibt es sonst so viele? Und in Austin wird gerade die neue amerikanische Formel 3 vorgestellt, mit Einheitsturbomotoren von Honda. Es braucht noch drei oder vier Jahre, aber dann könnte es deshalb den einen oder anderen amerikanischen Formel-1-Fahrer geben.

Wie stellen Sie sich die Formel 1 ab 2020 vor, wenn es neue Motoren geben soll?
Sehr laut, sehr stark und billig. Das heißt 1000 bis 1200 PS. Mit Doppelturbos, V6 mit erhöhter Benzindurchlaufmenge und Einheits-Kers ist das möglich. Ich plädiere auch für Qualifyingreifen.

Wie bitte?
Ja. Wirklich Reifen, die super weich sind und nur eine Runde halten. Das würde die Strategie des Rennens schwieriger und viel interessanter machen. Dann müsste man sich überlegen: Will ich ganz vorne in der Startaufstellung stehen und nach einer Runde wechseln müssen oder nicht? Das ist prickelnd.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Hersteller

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung