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Formel 1 - Hamilton: „Ich will keinen Krieg“

— 24.07.2016

Hat Hamilton Rosberg verpetzt?

Streit zwischen den Mercedes-Stars in Ungarn: Auch nach dem Rennen geht es immer noch um die gelben Flaggen im Qualifying. Hamilton und Rosberg uneins.

Die Geschichte des Rennens in Ungarn ist schnell erzählt: Lewis Hamilton gewann den Start gegen Mercedes-Kollege Nico Rosberg und damit auch den Grand Prix, der auf der an Überholmöglichkeiten armen Strecke über weite Teile einer Prozession glich. Spannender jedoch wurde es nach dem Rennen. Trotz seines Sieges konnte Hamilton es sich nicht verkneifen, noch einmal eine Klarstellung der Regeln für das Fahren unter gelben Flaggen einzufordern – eine Attacke auf Rosberg, die der Weltmeister auch schon am Samstag vorangetrieben hatte. Anschließend war eine Untersuchung gegen Rosberg eingeleitet worden, die jedoch ohne Folgen blieb.
Keine Strafe für Rosberg: Hamilton appelliert an die Sicherheit

Im Rennen hatte Hamilton die Nase am Sonntag vorne

„Die Stewards müssen mit einer Lösung rüberkommen, denn in den 23 Jahren, in denen ich Rennen fahre, hieß es immer: 'Gelbe Flagge, fahr langsamer. Doppelt gelb, sei bereit stehenzubleiben.' Nico aber hatte den gleichen Speed in der Kurve drauf wie ich auf meiner schnellen Runde davor“, gab Hamilton an. „Der Fakt, dass er dafür nicht bestraft wurde, sendet ein gefährliches Signal an alle Fahrer da draußen aus, auch in den Nachwuchskategorien. Denn es bedeutet, dass es bei doppelt geschwenkten gelben Flaggen reicht, kurz zu liften – ungefähr so, wie wenn man im Rennen Sprit spart. Nico ist in dem Sektor danach trotzdem noch absolute Bestzeit gefahren“, gab Hamilton zu bedenken.

Rosberg, der in der Pressekonferenz direkt daneben saß, wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Obwohl die Frage ursprünglich nur an Hamilton gerichtet war, meldete er sich wie in der Schule mit erhobener Hand: „Darf ich dazu auch etwas sagen?“, fragte der Deutsche, der Hamilton dabei kurz auf die Schulter klopfte: „Danke Lewis, dass du das klargestellt hast. Hier ist meine Antwort: Unter doppelt gelb muss man sicherstellen, dass alles sicher ist. Ich bin um 20 Stundenkilometer langsamer in die Kurve eingefahren. Das sind in einem Formel-1-Auto Welten. Auch habe ich meinen Bremspunkt 30 Meter früher gesetzt als üblich.“

Rosberg war wenig begeistert über seinen Kollegen

Seine Zeit im Mittelsektor verteidigte Rosberg. „Weil ich früher gebremst habe und langsamer war, konnte ich auch früher wieder aufs Gas steigen – nachdem ich gesehen habe, dass die Strecke frei ist“, so der Deutsche, dem zudem die Streckenbedingungen in die Karten spielten. „Auf abtrocknender Strecke sind die Sektorzeiten von davor völlig irrelevant, weil der Kurs sowieso mit jeder Sekunde schneller wird. Das war auch den Stewards klar und deshalb habe ich keine Strafe erhalten.“ Besorgt, dass er seine Pole hätte verlieren können, war Rosberg zu keiner Zeit. „Weil ich mich an die Anweisungen gehalten habe. Ich verstehe zwar, dass man sich die Sache angeschaut hat – überrascht war ich nur, dass es erst so spät am Abend dazu kam...“

Doch welche Rolle spielte Hamilton dabei? Rosberg hatte den Kurs in Budapest bereits verlassen und weilte bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung, als er von den Kommissaren zurückbeordert wurde. Kurz zuvor hatte Hamilton in seiner Presserunde und auch bei den Regelhütern jedoch Unmut über das Zustandekommen von Rosbergs Pole geäußert. Hat Hamilton seinen Stallgefährten etwa bei der Rennleitung angeschwärzt? „Dass ich die Untersuchung der Stewards beeinflusst habe, glaube ich nicht. Ich habe aber mit Charlie (Whiting, Rennleiter; d. Red.) gesprochen, um eine Klarstellung zu erhalten“, räumte Hamilton ein. „Ich verstehe nicht, warum er das macht“, erklärte unterdessen Rosberg auf die kritischen Worte seines Teamkollegen.

Düstere Mienen: Es knistert zwischen den Rivalen

„Ich fand es schlecht, dass Lewis nicht das ganze Bild gegeben hat. So wie er es dargestellt hat, sah es sehr schlecht aus. Und zwar so, ob ich nicht richtig agiert hätte“, sagte Rosberg zu AUTO BILD MOTORSPORT. „Lewis hat nur gesagt, dass ich in der Mitte der Kurve so schnell war wie er auf seiner schnellsten Runde. Er hat aber vergessen zu sagen, dass ich in die Kurve rein richtig viel langsamer war und gelupft habe – um es ganz sicher zu machen. Das fand ich nicht gut von ihm.“ Hamiltons Antwort folgte wenige Minuten später. „Ich denke, ich habe dazu alles gesagt, was es zu sagen gibt. Es geht nicht um Nicos Strafe sondern nur um die Sicherheit“, tat der neue WM-Spitzenreiter die Angelegenheit ab. Der Brite: „Ich will in keinen Krieg verwickelt werden. Es war zwar nicht richtig, was Nico gesagt hat. Aber eigentlich interessiert es mich auch gar nicht...“

Angespannte Lage also bei den Silberpfeilen, denn eine Bewerbung zum Mercedes-Mitarbeiter des Monats sieht in Hamiltons Fall, trotz fünf Siegen in den letzten sechs Rennen, sicher anders aus. Allein: Mercedes-Sportchef Toto Wolff versucht sich als Vermittler und kann beide Seiten verstehen. „Die Regeln sind die Regeln und an diese hat sich Nico zu einhundert Prozent gehalten. Er hat stark geliftet, das war genug. Punkt“, erklärte der Österreicher die Fakten. Kurios: Der Tatsache, dass Hamilton mit seinen Äußerungen gegen den eigenen Teamkollegen schoss, wollte er über Umwege sogar etwas Positives abgewinnen: „Es ist gut, dass Lewis alles infrage stellt. Es gibt zu viele Regeln. Wenn es weniger gibt oder man sie deswegen einfacher gestaltet, ist es gut. Deswegen finde ich es in Ordnung, was gestern passiert ist“, so Wolff.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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