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Formel 1: Hamilton gewinnt Brasilien GP 2016

— 13.11.2016

Chaosrennen hält WM offen

Lewis Hamilton gewinnt nach über drei Stunden den Thriller von Brasilien vor Nico Rosberg und Max Verstappen. Regen, Chaos, Crashs und Unterbrechungen.

Fünf Safety-Cars, zwei Unterbrechungen, ein Rennen - aber drei Sieger! Lewis Hamilton, weil er den Brasilien GP vom Start weg trotz schwierigster Bedingungen dominierte. Nico Rosberg, weil er mit Platz zwei einmal mehr das Nötige für die WM tat und nun mit zwölf Punkten Vorsprung ins Finale von Abu Dhabi geht. Und Max Verstappen, weil er eine Wahnsinns-Show zeigte, das halbe Feld überholte und in Sao Paulo "einfach herausragte", wie Mercedes-Boss Niki Lauda feststellte.
Alle Ergebnisse hier im Überblick: Hamilton siegt in Sao Paulo

Lewis Hamilton gewann erstmals in Brasilien

Der Erfolg in Interlagos hatte Hamilton in seiner Sammlung noch gefehlt. "Ich wollte ihn, seit ich das erste Mal Ayrton (Senna; d. Red.) im Fernsehen zugesehen habe, mit fünf oder sechs Jahren", so der Mercedes-Star, der Sennas alten Rivalen Alain Prost mit seinem 52. GP-Sieg in der ewigen Bestenliste überholt hat. Nur Michael Schumacher liegt mit 91 Triumphen noch vor Hamilton. Dieser gab an "eines der leichteren Rennen" gehabt zu haben. "Wenn es regnet, ist das meistens gut für mich", sagte Hamilton.
Hamilton lobt Rosberg: Mercedes-Stars vor dem Showdown

Obwohl sich Nico Rosberg wie schon in den beiden letzten Rennen mit Platz zwei zufrieden geben musste, fand auch der Deutsche: "Mit dem Ergebnis heute kann ich gut leben. Es ist einfach nicht in meine Richtung gelaufen und Lewis hat einen tollen Job gemacht." Lob hatte Rosberg auch für die Rennleitung: "Unterm Strich haben sie es richtig gemacht. Es war am Limit und ein schmaler Grat", so der Silberpfeil-Pilot mit Blick auf die Wetterbedingungen.
Den aktuellen Stand in der WM-Wertung gibt es hier.

Rosberg geht mit zwölf Punkten Vorsprung ins Finale

Wegen der heftigen Regenfälle hatte das Rennen bereits hinter dem Safety-Car begonnen. Nach der Freigabe flog zunächst Sauber-Pilot Marcus Ericsson vor dem Eingang zur Boxenstraße ab. "In den Kurven war es in Ordnung, aber auf den Geraden stand viel Wasser und man hatte null Sicht", erklärte der Schwede seinen Unfall. Auch Sebastian Vettel drehte sich eingangs Start-Ziel, kam aber unbeschadet davon. Wenig später motzte der Deutsche am Funk: "Es ist zu extrem! Ich wäre fast in Kimi reingefahren. Ehrlich, was machen wir hier?"
Vettel kritisiert Pirelli: "Reifen nicht für Regen gemacht"

Vettels Teamkollege war beim Restart auf Höhe der Ziellinie im großen Stil abgeflogen, kreiselte über die Strecke und wurde nur knapp von mehreren entgegenkommenden Fahrzeugen verfehlt. Räikkönen: "Ich hatte Aquaplaning, wo ich es nicht erwartet hätte." Das Rennen wurde daraufhin gleich zweimal unterbrochen. Bei den Fans breitete sich Ungeduld aus, viele auf den Rängen buhten. 

Max Verstappen zeigte einen großen Kampf im Regen

"Ein ernster Moment für den Sport. Wenn wir bei solchen Bedingungen nicht fahren können, setzen wir einen Präzedenzfall", erklärte Ex-Pilot Martin Brundle. "Es tut mir leid für die Zuschauer, vor allem die, die im Regen ausharren. Die Formel 1 gibt hier kein gutes Bild ab", so Brundle. Doch wenig später änderte sich das - und wie: Nachdem der Grand Prix erneut freigegeben wurde, ging es diesmal ohne weitere Unterbrechung bis ins Ziel - dafür mit aber einer großen Show.
Verstappen brilliert im Regen: Mega-Max verblüfft die Formel 1

Für großes Gefühlskino sorgte Felipe Massa. Bei seinem letzten Heimrennen flog der Williams-Pilot ebenso spektakulär ab wie vorher Ericsson und Räikkönen, rief damit erneut Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer auf den Plan. Während auf der Strecke die Trümmer zusammengeklaubt wurden, feierte das Publikum Massa mit stehenden Ovationen. Als dann auch noch die Mechaniker aller Teams in der Boxengasse für den Ex-Ferrari-Star Spalier standen, brach der Brasilianer in Tränen aus.

Sebastian Vettel wurde im Ferrari am Ende Fünfter

Auf der Strecke musste Red Bull derweil einen Rückschlag hinnehmen. Verstappen, der sich zwischenzeitlich Rosberg geschnappt hatte, war nach der falschen Reifenwahl seiner Box weit außerhalb der Top 10 gelandet. Eine sehenswerte Aufholjagd in der Schlussphase führte ihn zurück bis aufs Podium. Auf dem Weg dorthin geriet der Youngster mit Vettel aneinander, wie schon zuletzt in Mexiko.

"In meinen Augen war das nicht korrekt", sagte der Deutsche, nachdem sich Verstappen an ihm vorbei gepresst hatte. "Wir waren Seite an Seite und er hat mich gesehen", ärgerte sich Vettel, räumte aber auch ein: "Letztlich ging es nicht darum, ob er vorbei kommt sondern wann. Auf frischen Reifen war er viel schneller." Der Heppenheimer beendete das Rennen schließlich als Fünfter hinter Sergio Perez im Force India. 

Jubel gab es derweil am Ende des Feldes: Sauber-Pilot Felipe Nasr holte bei seinem Heimrennen Platz neun und damit genau die zweite Punkte, die der Schweizer Rennstall brauchte, um den letzten Platz in der Konstrukteurs-WM an Manor abzugeben. Dieser ist immerhin 35 Millionen Euro wert.

Rückblick: So lief der Samstag

Krimi im Brasilien-Qualifying: Lewis Hamilton hat Nico Rosbergs Pole-Serie in Brasilien gestoppt und sich den ersten Startplatz für das möglicherweise entscheidende Rennen am Sonntag in Interlagos gesichert. Gerade einmal 0,102 Sekunden betrug der Vorsprung des Briten auf seinen deutschen Stallrivalen. Für Hamilton war es bereits die 60. Pole seiner Karriere. Nur Ayrton Senna (65) und Michael Schumacher (68) haben mehr.

Erst zum zweiten Mal nach 2012 aber stellte Hamilton sein Auto auf den vordersten Platz in Sao Paulo - gewinnen konnte er auf dem Traditionskurs noch nie. "Ich habe hier immer Probleme gehabt, die Strecke ist wirklich tricky", erklärte Hamilton, gab sich aber mit Blick auf den Abstand nach hinten beruhigt. "Nico wurde immer schneller und schneller. Aber ich hatte auch immer noch etwas in der Hinterhand. Außerdem muss man bedenken, dass der Kurs hier sehr kurz ist. Deswegen sind die Abstände so knapp." Soll heißen: Wäre die Runde noch länger, hätte er Rosberg noch mehr abgeknüpft...

Auch mit Blick auf das Rennen am Sonntag, für das Schauer vorhergesagt sind, zeigte sich Hamilton äußerst selbstbewusst. "Das Ergebnis heute, war das Beste, worauf ich hoffen konnte. Der Regen morgen macht mir nichts. Ich bin bestmöglich vorbereitet, fühle mich stark und für alles bereit", so die Kampfansage des Briten.

Die Top-3 am Samstag: Rosberg, Hamilton, Räikkönen

Rosberg musste indes einräumen: "Lewis war heute einfach minimal schneller." Die Hoffnung auf den dritten Triumph in Folge auf dem Autódromo José Carlos Pace, der gleichzeitig seinen Titelgewinn bedeuten würde, hat Rosberg aber noch nicht aufgegeben. "Wer von Pole startet, gewinnt nicht automatisch auch immer das Rennen. Ich bin für morgen weiterhin optimistisch, will hier den Sieg holen."

Für Teamaufsichtsrat Niki Lauda die korrekte Herangehensweise. "Nico macht es richtig. Er muss weiter attackieren wie in jedem anderen Rennen und auf Sieg fahren - auf der Strecke, aber auch im Kopf. Wenn man das nicht macht, wird man nur langsamer", erklärte der Österreicher.

Aufpassen muss Rosberg, der mit 19 Punkten Vorsprung in den vorletzten Saisonlauf geht, vor allem am Start (17.00 Uhr MEZ/Sky und RTL) auf die Fahrer hinter ihm. Die Plätze drei und vier sicherten sich Kimi Raikkönen und Max Verstappen, mit sechs respektive sieben Zehnteln Rückstand. Auch in der dritten Reihe startet ein Ferrari vor einem Red Bull: Sebastian Vettel wurde Fünfter, Daniel Ricciardo Sechster. Nico Hülkenberg überzeugte im Force India auf Rang neun, Manor-Pilot Pascal Wehrlein kam am Samstag nicht über Q1 hinaus und startet von Platz 19.

Rückblick: So lief der Freitag

Lewis Hamiltons Marschroute im WM-Kampf ist klar: Er hält den Druck auf Spitzenreiter Nico Rosberg konstant hoch. Auch am Freitag in Interlagos erzielte der Sieger der beiden letzten Rennen im Training zweimal die Bestzeit. In der ersten Session schob sich noch Max Verstappen im Red Bull zwischen Hamilton und Rosberg, im zweiten Training am Nachmittag waren die Silberpfeile dann alleine an der Spitze – getrennt durch nur 30 Tausendstel.

Vor dem vorletzten Saisonlauf in Brasilien am Sonntag ergeben sich fünf wichtige W-Fragen – AUTO BILD MOTORSPORT beantwortet sie:

Wer ist der Favorit im Rennen?

Die Antwort ist wenig überraschend. Mercedes sieht auch in Sao Paulo bärenstark aus. Hamilton knallte gleich zweimal die Bestzeit auf den Asphalt. Im Moment deutet nichts auf ein Abreißen seiner jüngsten Siegesserie hin. „Heute war ein sehr guter Tag“, gab sich der britische Titelverteidiger nach dem Auftakt selbstbewusst. Viel an seinem Auto ändern muss er über Nacht wohl nicht.

Rosberg hingegen fühlte sich am Freitag noch nicht ganz so wohl auf der Piste, auf der er in den beiden Vorjahren gewinnen konnte. Im ersten Training fiel er deshalb hinter Verstappen zurück. Allerdings hatte der Deutsche dabei – anders als Hamilton - auch neue Teile am Front- und Heckflügel am am Auto, die Mercedes gerade erst evaluiert.

Weshalb schauen alle auf das Wetter?

Der Kurs von Interlagos hat in der Vergangenheit schon einige dramatische Rennen hervorgebracht, oftmals auch im Regen. Sonntag könnte das erneut passieren. „Wir hoffen auf etwas Regen, der wohl auch kommen wird“, erklärte Verstappen Red Bulls Schlachtplan und auch Teamkollege Daniel Ricciardo meinte: „Wenn wir hier gewinnen wollen, muss es wohl nass sein.“

Am Freitag blieben die Piloten in ihren Cockpits nicht nur trocken – am Ende des zweiten Trainings lag die Streckentemperatur bei fast 50 Grad. „Heute war es sehr heiß, heißer als wir es für den Rest des Wochenendes erwarten“, meinte Rosberg: „Das hat es schwer gemacht, sich richtig auf die Qualifikation und das Rennen vorzubereiten.“ Teamkollege Hamilton erklärte: „Die Hitze macht es nicht einfacher, die richtige Balance zu finden. Die Reifen überhitzen hier.“ Die Folge wären viele Stopps im Rennen – es sei denn die Schauer kommen...

Wird Rosberg in Sao Paulo Weltmeister?

Ist es nass, muss vor allem Rosberg aufpassen. Bei 19 Punkten Vorsprung in der WM hat er am Sonntag zwar bereits alles zu gewinnen – aber auch alles zu verlieren. „Wenn es spannend wird, ist es für ihn natürlich besonders unangenehm“, kündigte Ricciardo schon einmal an, dass Red Bull dem Mercedes-Star wie schon in Mexiko kein einfaches Rennen liefern will. Der Deutsche ist gewarnt: „Unser Auto ist schnell, aber Red Bull ist definitiv nah dran“, betonte Rosberg.

Fakt ist aber auch: Gewinnt der Silberpfeil-Star den Grand Prix, ist ihm der Titel nicht mehr zu nehmen. 2014 und 2015 war der Wiesbadener einsame Spitze in Interlagos. Kann er diese Leistung noch einmal abrufen, stünde er schon Sonntagabend deutscher Zeit als Champion fest – 24 Jahre nach seinem Vater Keke. Gewinnt Hamilton, geht das Duell um die WM-Krone auf jeden Fall bis zum letzten Rennen in Abu Dhabi weiter.

Warum fuhr Ferrari am Freitag hinterher?

Zuletzt in Mexiko raste Sebastian Vettel noch aufs Podium, wenngleich er dieses wenig später wegen seiner Strafe wieder hergeben musste. In Sao Paulo sah Ferrari am Freitag noch weniger gut aus. Nur die Plätze neun und sieben für Vettel. „Ich war heute noch nicht ganz happy. Aber über eine Runde ist es natürlich schwer zu beurteilen“, sagte der Deutsche mit Blick auf die Kräftverhältnisse.

Zumindest über die Distanz sieht Vettel aber Chancen und gab sich kämpferisch. „Es liegt zwar noch viel Arbeit vor uns. Die Autos liegen aber ziemlich eng beieinander. Wenn es auch morgen so ist, können wir etwas ausrichten.“ Schlechter lief es bei Teamkollege Kimi Räikkönen. Der Finne wurde in den Trainingssitzungen Zehnter und Achter, musste seinen Wagen am Nachmittag aber wegen eines Defekts vorzeitig abstellen. Räikkönen klärte auf: „Ein Abreißvisier hat sich in einem der Kühlungsschächte verfangen. Das war sehr unglücklich.“

Was war sonst so los am Freitag?

Unglücklich war auch Räikkönens Aktion mit Carlos Sainz Jr. zu Beginn des zweiten Trainings. Der Spanier überholte den Finnen gegen Ende einer Runde, als Räikkönen Einstellungen an seinem Auto vornahm. Am Beginn der Start-Zielgeraden überholte Räikkönen dann zurück, nur um den Toro Rosso zu schneiden und direkt vor ihm in die Boxeneinfahrt abzubiegen. Die Rennstewards leiteten eine Untersuchung ein.

Während die übrigen Deutschen im Feld, Nico Hülkenberg (Platz sieben und neun) und Pascal Wehrlein (20. und 22.) eher einen ruhigen Nachmittag erlebten, sorgte Fernando Alonso mal wieder für Gelächter. Nachdem er mit einem Problem am Energie-Rückgewinnungs-System seines McLaren-Honda ausgerollt war, kehrte er nicht an die Box zurück sondern spielte draußen an der Strecke lieber Kameramann – wenn auch mit überschaubarem Erfolg. Bereits im Vorjahr hatte Alonso in Sao Paulo für Aufsehen gesorgt, als er nach seinem Ausfall zum Sonnenbaden in einem Liegestuhl Platz nahm.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance / Getty Images

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