Mercedes

Formel 1: Hamilton holt erste Pole

— 19.03.2016

Vettel schärfster Silberpfeil-Verfolger

Erwartetes Bild an der Spitze beim Australien-Qualifying: Hamilton vor Rosberg und Vettel. Für Diskussionsstoff sorgt hingegen das neue Quali-Format.

In souveräner Manier hat sich Lewis Hamilton die erste Pole-Position dieser Formel-1-Saison gesichert. Der Weltmeister verwies am Samstag in der Qualifikation zum Großen Preis von Australien in Melbourne seinen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg auf den zweiten Rang. Für den Titelverteidiger war es bereits die 50. Pole seiner Karriere. Sebastian Vettel geht als Dritter in das Auftaktrennen im Albert Park, direkt vor seinem Ferrari-Stallkollegen Kimi Räikkönen.

Lewis Hamilton war im Albert Park nicht zu schlagen

Besonderes Augenmerk lag auf dem Qualifying am Samstag auch wegen der Premiere des neuen Modus, frei nach dem Vorbild der 'Reise nach Jerusalem'. Wirklich bestehen konnte das Format den ersten Härtetest jedoch nicht, denn im entscheidenden Q3 gab es statt Spannung eher "Skepsis", wie Mercedes-Teamchef Toto Wolff anschließend fand. Diese rührte daher, dass beim Ablaufen der Zeit Pole-Mann Hamilton schon längst aus seinem Auto gestiegen war. Als die Uhr auf null sprang, zeigten die Kameras wie Hamilton im Fahrerlager vor Gartenmöbeln stand und seine Uhr anzog. Den gewünschten Showdown-Effekt hat das neue Format, das Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda sogar als "Griff ins Klo" bezeichnete, damit zumindest in Melbourne klar verfehlt.
Alle Hintergründe und Reaktionen hier: Neuer Quali-Modus floppt

Einzig Weltmeister Hamilton konnte das herzlich egal sein. Auf der Strecke konnte ihm, wie schon in den drei vorangegangenen Trainingssitzungen, keiner Paroli bieten - seine größte Sorge am Samstag war in der Tat das schnelle Herrichten seiner vom Helm platt gedrückten Haare für die Kameras. Ein bezeichnender Beleg für die ungebrochene Dominanz des Titelverteidigers, der über seine Leistung selbst ins Schwärmen geriet: "Da waren heute ein paar sexy Runden dabei. Das Auto hat sich gut angefühlt, der Rhythmus hat gestimmt - am Ende kam ich mir vor wie James Brown."
Fahrerlagerfunk aus Melbourne: Bereits in Bahrain neues Qualifying

Vettel und Ferrari sparen Reifen

Weit weniger überschwänglich, aber ebenfalls zufrieden präsentierte sich überraschenderweise der um dreieinhalb Zehntel deutlich geschlagene Rosberg. "Gratulation an Lewis, er ist eine super Runde gefahren. Meine letzte in Q3 war auch nicht schlecht, aber er war noch besser", sagte der Deutsche, nur um anschließend in die bereits von seinem Teamkollegen begonnenen Lobgesgesänge auf das dominierende Mercedes-Team einzustimmen. Aus persönlicher Sicht gab 'Teamplayer' Rosberg aber zu: "Natürlich bin ich nicht glücklich mit Platz zwei. Aber wir sehen auch für morgen stark aus und im Rennen gibt es noch viele Möglichkeiten."

Erster Verfolger: Sebastian Vettel startet als Dritter

Mit den gleichen Gedanken geht auch der zweitbeste Deutsche vom Samstag, Sebastian Vettel, in das Auftaktrennen. "Wir sind dort, wo wir es erwartet haben", betonte sein Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene und Vettel selbst fand: "Wir haben Schritte nach vorne gemacht, auch wenn das heute vielleicht im Ergebnis noch nicht ganz zu sehen war. Im Rennen sollten wir aber näher dran sein." Der finale Schlagabtausch gegen Mercedes fiel am Samstag aus. Nach einer schnellen Runde in Q3 stiegen beide Ferrari-Piloten aus ihren Autos aus. "Wir haben gesagt, dass wir aufhören und uns damit Reifen für morgen sparen", erklärte Vettel. "Die zweite Reihe ist eine gute Ausgangsposition. Wir versuchen morgen alles mitzunehmen, im Rennen gibt es hier immer eine Chance", so der Heppenheimer.
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Hinter den beiden Ferraris überraschte der junge Max Verstappen als starker Fünfter im Qualifying. Der Niederländer war damit bester Pilot aus der Red-Bull-Familie - und das im Toro Rosso mit dem Vorjahres-Motor von Ferrari. Auch war er neben Hamilton wohl der einzige Pilot im Feld, der nichts am neuen Quali-Format auszusetzen hatte: "Das Format ist immer gut, wenn du so ein gutes Quali hast", grinste Verstappen spitzbübisch. Während Nico Hülkenberg im Force India als Zehnter ein solides Zeittraining erlebte, verlief die Qualifiaktion für den vierten Deutschen im Bunde weniger gut: Manor-Pilot Pascal Wehrlein startet als Vorletzter in sein Grand-Prix-Debüt, das am Sonntag (06.00 Uhr MEZ) steigt.
Pascal Wehrlein vor Debüt: Der deutsche Manor-Rookie im Interview

Ergebnis - Qualifikation zum Australien GP 2016:

1. Lewis Hamilton (Großbritannien) Mercedes 1:23,837 Minuten
2. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:24,197
3. Sebastian Vettel (Heppenheim) Ferrari 1:24,675
4. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari 1:25,033
5. Max Verstappen (Niederlande) Toro-Rosso-Ferrari 1:25,434
6. Felipe Massa (Brasilien) Williams-Mercedes 1:25,458
7. Carlos Sainz jr. (Spanien) Toro-Rosso-Ferrari 1:25,582
8. Daniel Ricciardo (Australien) Red-Bull-Renault 1:25,589
9. Sergio Perez (Mexiko) Force-India-Mercedes 1:25,753
10. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force-India-Mercedes 1:25,865
11. Valtteri Bottas (Finnland) Williams-Mercedes 1:25,691
12. Fernando Alonso (Spanien) McLaren-Honda 1:25,125
13. Jenson Button (Großbritannien) McLaren-Honda 1:26,304
14. Jolyon Palmer (Großbritannien) Renault 1:27,601
15. Kevin Magnussen (Dänemark) Renault 1:27,742
16. Marcus Ericsson (Schweden) Sauber-Ferrari 1: 27,435
17. Felipe Nasr (Brasilien) Sauber-Ferrari 1:27,958
18. Daniil Kvyat (Russland) Red-Bull-Renault 1:28,006
19. Romain Grosjean (Frankreich) Haas-Ferrari 1:28,322
20. Esteban Gutierrez (Mexiko) Haas-Ferrari 1:29,606
21. Rio Haryanto (Indonesien) Manor-Mercedes 1:29,627
22. Pascal Wehrlein (Worndorf) Manor-Mercedes 1:29,642 *

* In der Startaufstellung wird Wehrlein auf Platz 21 vorrücken, weil Haryanto wegen seines Unfalls in der Boxengasse eine Grid-Strafe erhalten hat. Er wird deshalb auf den letzten Platz versetzt.
Crash in der Boxengasse: Neuling Haryanto räumt Grosjean ab

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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