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Formel 1: Hamilton holt Mercedes-Doppelsieg in Spanien

— 11.05.2014

Silberne Strategieschlacht

Nächster Mercedes-Doppelsieg: Lewis Hamilton gewinnt knapp vor Nico Rosberg – Daniel Ricciardo wird vor Teamkollege Sebastian Vettel Dritter.

Vierter Sieg in Folge für Lewis Hamilton: Doch eine Spazierfahrt wie zuletzt in China war der Triumph des neuen WM-Führenden am Sonntag in Spanien keinesfalls. Lange 66 Runden über hatte der Brite den heißen Atem von Teamkollege Nico Rosberg im Nacken, der mit einer alternativen Reifenstrategie versuchte, Hamilton zu übertölpeln und den Zuschauern damit ein denkbar spannendes Rennen um die Spitze bescherte. Gerade einmal durch 0,6 Sekunden getrennt ging es über die Ziellinie – in den Runden zuvor hatte Rosberg stark auf Hamilton aufgeholt. Dementsprechend losgelöst war der Weltmeister von 2008, seinen knappen Vorsprung über die Zeit zu retten.

Probleme mit der Balance

Der Spanien GP war von Taktik geprägt: Lewis Hamilton zog erst im letzten Stint die harten Pneus auf - anders als Nico Rosberg

„Das war heute einmal mehr ein unglaublicher Job des Teams. Es ist mein erster Spanien-Sieg und er bedeutet alles für mich“, jubelte Hamilton auf dem Podium. Während des Rennens hatte er sich am Funk dauerhaft mit seinem Kommandostand ausgetauscht. Hamilton stellte fest: „Ich war heute nicht schnell genug. Nico war schneller, denn ich hatte Probleme mit der Balance und musste mich auf meine Ingenieure verlassen, um zu hören, wie der Abstand ist und was man beim Feintuning und den Einstellungen machen kann - ständig musste ich etwas ändern.“ Am Ende überwog aber die Freude. „Zum Glück konnte ich Nico irgendwie hinter mir halten“, grinste der Brite.

Mercedes-Dominanz unglaublich

Dass er nun mit drei Punkten Vorsprung auf seinen Stallgefährten die WM anführt, fühle sich unwirklich an. Hamilton: „Ich erinnere mich noch: Vor anderthalb Jahren saß ich mit Ross (Brawn – Ex-Teamchef; d. Red.) am Küchentisch bei meiner Mutter und hatte den Eindruck, dass es mit Mercedes so kommen kann.“ Dieses Gespräch habe ihn damals von einem Wechsel zu den Silberpfeilen überzeugt – ein Schachzug, der sich nun mehr als auszahlt. „Dass wir jetzt 30 oder 40 Sekunden auf Red Bull rausfahren können, hätte ich niemals gedacht. Es ist ein Segen, bei diesem Team zu sein. Das war jetzt der vierte Doppelsieg in Folge - es ist unglaublich“, sang Hamilton ein Lobeslied auf das derzeit dominierende Team der Formel 1.

Rosberg nimmt es sportlich

Im Formationsflug durchs Rennen - im Formationsflug durchs Ziel: Hamilton & Rosberg waren in Barcelona erneut eine Klasse für sich

Auch Nico Rosberg freute sich nach dem Doppelerfolg der Silberpfeile trotz seiner persönlichen Niederlage über die starke Form des Teams. Dennoch haderte der Deutsche mit dem knapp verpassten Sieg. „Ich hätte wohl noch eine Runde mehr gebraucht, um es weiter fliegen zu lassen - dann hätte es vielleicht geklappt“, stellte der Wiesbadener zähneknirschend fest. „Platz zwei frisst natürlich an mir, aber es sind Momentan eben Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Ich war im Rennen schneller, aber es ist zum Überholen die schwerste Strecke überhaupt. Es gibt hier viele lange Kurven und wenn man dort zu nah dran ist, verliert man Anpressdruck“, erklärte Rosberg seine Problematik.

Keine Kamikaze-Aktion

„Ich war zwar sehr nah dran, für einen echten Überholversuch hat es jedoch nicht ganz gereicht. In der letzten Runde hätte ich in Turn zehn noch eine Kamikaze-Aktion starten können, aber das hätte nicht geklappt. Das Rennen war einfach zu kurz“, so Rosberg, der Hamilton gratulierte. „Er ist aktuell einen kleinen Tick stärker. Ich muss jetzt einfach etwas finden, dann kann ich das auch wieder umdrehen.“ Bereits in zwei Wochen hat der Wahl-Monegasse bei seinem Heimspiel in den Häuserschluchten von Monte Carlo die Chance dazu. „Ich bin in der WM-Wertung direkt an ihm dran und es gibt noch viele Rennen. In Monaco versuche ich, einen Platz besser zu sein, Erster zu werden und meinen Sieg vom Vorjahr zu wiederholen. Dann heißt es wieder Vollgas voraus!“

Red Bull mit 50 Sekunden Rückstand

Sektdusche: Zur Belohnung für den tollen Kampf um den Sieg gab es auf dem Podest eine Abkühlung - da freut sich auch Daniel Ricciardo (rechts)

An diesem Motto muss sich auch die Mercedes-Konkurrenz orientieren. Erschreckend groß war einmal mehr der Rückstand des restlichen Feldes auf die beiden dominierenden Silberpfeile. Daniel Ricciardo benötigte im Red Bull als Dritter schon fast 50 Sekunden mehr für die Renndistanz als die Spitze. Dementsprechend stellte auch der Australier fest: „Mercedes ist ganz schön weit vorne. Ich wusste schon beim Start, dass es für uns vielleicht ein langweiliges Rennen werden könnte.“ Trotzdem freute sich der Nachfolger von Mark Webber über seinen ersten regulären Podestplatz in der Formel 1. „Es ist eine gute Position. Wir haben mit P3 gerechnet und so ist es nun auch gekommen. Das Rennen war recht komfortabel.“

Vettel mit Aufholjagd

„Wir mussten uns zwar stark auf die Reifen konzentrieren, aber es ist schön, auf dem Podium zu stehen.“ Mit einem Augenzwinkern fügte Ricciardo hinzu: „Ich hoffe diesmal bleibt das auch so.“ Nach seiner ersten Podestfahrt beim Auftakt in Australien war der Red-Bull-Pilot wegen Unregelmäßigkeiten beim Spritfluss an seinem RB10 noch disqualifiziert worden. Direkt hinter seinem australischen Stallgefährten wurde Sebastian Vettel am Sonntag Vierter. Der Weltmeister zeigte dabei eine Aufholjagd vom 15. Startplatz, auf den er wegen eines Getriebewechsels strafversetzt worden war, und pflügte durch das Feld. Vettel nach dem Rennen: „Das war alles, was wir heute rausholen konnten. Ich musste mich am Anfang aber gedulden, denn unser Start war bescheiden und ich bin nicht gut weggekommen.“

Am Ende wenig Sprit

Kein leichtes Rennen für Sebastian Vettel: Der Deutsche musste sich von weit hinten durch das Feld kämpfen, wurde am Ende Vierter

Anschließend steckte der Heppenheimer im Verkehr fest. „Im Pulk zu fahren ist nie einfach, man rutscht viel. Wir wussten aber, dass unser Rennen erst später kommt“, so Vettel, der seinen zweiten Stint als entscheidend ausmachte. „Auf den harten Reifen war es wichtig, den Anschluss zu halten. So konnten wir am Schluss zweimal mit den weichen Reifen Gas geben und das hat uns sehr geholfen.“ Trotzdem habe er am Ende noch einmal aufpassen müssen. „Wir hatten ein Problem, den nötigen Sprit zu sparen und ich musste schließlich mehr vom Gas als ich wollte.“ Dennoch konnte Vettel seine Aufholjagd fortsetzen und wenige Runden vor dem Ziel auch noch Valtteri Bottas im Williams abfangen, der hinter ihm Fünfter wurde.

Auf der Bremse wohlgefühlt

„Ich habe mir die letzten Runden eingeteilt und hatte im Infield zwei Stellen – einmal hin zu Kurve fünf und einmal in der Spitzkehre - wo es mit dem Überholen gut ging. Da habe ich mich auf der Bremse heute wohlgefühlt und konnte den ein oder anderen ärgern“, beschrieb Vettel sein Vorgehen auf dem Weg in die Punkteränge. Am Ende zog der 26-Jährige somit noch ein versöhnliches Fazit unter ein verkorkstes Barcelona-Wochenende. „Wir wussten auf Grund der Wintertests schon bei der Namenswahl für unser Auto, dass es was zickiges hat“, witzelte Vettel in Bezug auf seine 'Suzie'. „Auch jetzt sind wir noch nicht über den Berg, aber ich hoffe es läuft beim nächsten Rennen besser – und, dass ich im Training mal ein paar Runden bekomme, damit man nicht erst am Sonntag weiß, wo man steht.“

Lokalmatador Alonso knackt Räikkönen

Lange musste sich Fernando Alonso hinter Teamkollege Kimi Räikkönen (vorne) einreihen - dann packte der Spanier ihn doch noch

In Spanien hatte der Deutsche nach einem Wechsel des Kabelbaums am Freitag fast die komplette Streckenzeit verloren – das neuerliche Problem am Samstag behinderte die Arbeit dann zusätzlich, weswegen Vettel Rang vier unter dem Strich als Erflog werten wollte. P4 belegt der Red-Bull-Fahrer nun auch in der WM – zwischen ihm und den dominierenden Silberpfeilen steht nur noch Ferrari-Star Fernando Alonso. Der Lokalmatador sorgte beim spanischen Publikum am Sonntag kurz vor Rennende immerhin für ein bisschen Jubel, als er seinen Teamkollegen Kimi Räikkönen kassierte und sich wenigstens Platz sechs sicherte. Hinter ihm komplettierten der Finne, Romain Grosjean im Lotus und die beiden Force-Indias von Sergio Perez und Nico Hülkenberg die Top-10. Adrian Sutil aus Gräfelfing ging im Sauber als 17. leer aus.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Getty Images

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