Lewis Hamilton im stummen Interview

Lewis Hamilton im stummen Interview Lewis Hamilton im stummen Interview Lewis Hamilton im stummen Interview

Formel 1: Hamilton im Interview

— 12.04.2016

Mercedes-Star will mehr Titel als Schumi

Im Interview mit deutschen Journalisten sprach Lewis Hamilton über sein Image. Ganz ohne Worte antwortete er schon vorher exklusiv auf die Fragen von ABMS.

Sein Lächeln ist eine Mischung aus Unsicherheit und Neugier, als Lewis Hamilton (31) zum Termin der besonderen Art mit den AUTO BILD MOTORSPORT-Reportern Bianca Garloff und Ralf Bach kommt. Er soll ein Interview ohne Worte geben, nur mit Mimik und Gestik antworten, keine Silbe sagen. „So etwas habe ich noch nie gemacht“, gesteht Hamilton.

Aber so schnell sich der Weltmeister einen neuen Kurs einprägt und Runde für Runde eine noch bessere Linie findet, beantwortet Hamilton jede Frage: immer flotter, immer lockerer, immer pointierter. „Ein gutes Training für eine Hollywood-Karriere“, scherzt er.

Bis er Schumi einholt, hat Hamilton noch viel vor sich

Schnell wird klar: Kleine Gesten sagen mehr als große Worte. Wo er Sebastian Vettel 2016 sehen will? Hamilton holt sein Smartphone heraus, dreht sich um und hält es an die Stelle seines Rückspiegels. Hinter sich natürlich! Wer ihm Kraft gibt? Er deutet auf ein tätowiertes Kreuz auf seinem rechten Unterarm - Hamilton ist gläubig. Und seinen Sixpack entblößt er spontan, als es um seine Fitness geht.

Ob er jemals für Ferrari fahren will? Hamilton lächelt wissend. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Als er nach seinem großen Idol ­Ayrton Senna gefragt wird, verbeugt er sich und deutet dann gen Himmel. Der Brasilianer kam 1994 ums Leben. Die Beziehung zu Nico Rosberg beantwortet er mit Schulterzucken.

Eindeutig ist seine Geste auf die Frage, wie viele WM-Titel er gewinnen will: Hamilton zeigt acht Finger. Ihm fehlen noch fünf für seinen ganz großen Traum. Die vierte Weltmeisterschaft jedenfalls würde er mit einem kleinen Tänzchen feiern - wenn er sich den Champagner aus den Augen gewischt hat.

Und hier die Gesprächsrunde aus Bahrain:

Herr Hamilton, Sie gelten als zweiter James Hunt, werden für Ihr extrovertiertes Wesen oft aber auch kritisiert. Fühlen Sie sich unfair behandelt?

F1-Star Hamilton will einfach so sein, wie er eben ist

Lewis Hamilton: Es macht keinen Unterschied für mein Leben, was die Leute sagen. Ich treffe viele Fans, die mich zum Beispiel auf meine Snapchats ansprechen. Ich war zum Beispiel mitten in Toronto in einem Kino. Ich habe gepostet, dass ich ins Kino gehe und wo die Location ist. Und da haben 40 Fans gewartet. Ich konnte es nicht glauben, 40 Fans standen da draußen in Teamkleidung. Ich wusste gar nicht, dass unser Team-Kit in diesem Teil Kanadas überhaupt erhältlich ist. Das ist wirklich cool. Ich liebe das und es gibt mir positive Energie.

Genießen Sie auch Ihr Rock 'n’ Roll-Image?

Ich denke nicht wirklich viel über mein Image nach. Wir sind alle unterschiedlich. Es ist doch gut, wenn ein Charakter einzigartig ist. Es gibt immer noch viel zu viele Menschen, die denken, dass sie sich anpassen müssen, um akzeptiert zu werden. Heutzutage befinden sich viele Menschen in einer Blase. Je mehr sie aus dieser Blase ausbrechen und zu sich selbst finden, umso besser.
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Wann kam bei Ihnen der Punkt, an dem Sie sich entschieden haben, der zu sein, der Sie sind?

Das war kein einziger Punkt, es war ein Prozess. Die Trennung von meinem Vater als Manager hat die Ketten gesprengt. In meiner McLaren-Zeit begann ich mit der ersten Tätowierung am Arm. Ich habe Sachen gemacht, die ich tun wollte. Das war der Anfang. Der Wechsel zu diesem Team (Mercedes) war dann der finale Schritt.

Lewis Hamilton im stummen Interview

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Ron Dennis war bestimmt nicht beeindruckt von dem Tattoo...


Am Lebenswandel des Weltmeisters gibt es viel Kritik

Nein, nicht wirklich. Ich erinnere mich zurück an 2005/2006. Da hatte ich lange Haare - wie ein Afro - an den Seiten und oben drauf. In Monaco kam Ron in die Startaufstellung und sagte mir, dass ich was mit meinen Haaren machen muss. Ich habe ihn gefragt, was ihn meine Haare angehen. Damals war ich aber noch zu schüchtern. Was ich damit sagen will: Es gab überhaupt keinen Grund, mich zu kontrollieren. Er hätte mich einfach so sein lassen sollen, wie ich bin. Jeder soll das anziehen, worin er sich wohlfühlt. Ich trage das, wo drin ich mich wohlfühle.

Würden Sie darauf hören, wenn Toto Wolff Sie bittet, Ihren Stil zu ändern?

Er würde das nicht tun. Darüber muss ich mir gar keine Gedanken machen. Das ist es ja, was ich sagen will: Wir haben einfach tolle Menschen im Team. Ich sage Toto ja auch nicht, er soll sein Shirt ausziehen. Auch Niki (Lauda; d. Red.) ist ein supercooler Teil dieses Teams, der einen so leben lässt, wie man ist. Er vertritt die Meinung, dass man die besten Ergebnisse abliefert, wenn man sich selbst treu bleibt. Toto sieht das so, Niki sieht das so und Dr. Zetsche sieht das so.

Wie würden Sie Niki Laudas Rolle im Team beschreiben?

Bei der Arbeit mit dem Team ist viel Köpfchen gefragt

Er ist einer der Chefs. Niki ist für mich persönlich ein toller Unterstützer. Alle haben einen unterschiedlichen Charakter. Das gibt zusammen eine gute Chemie. Bei McLaren hatten wir Martin (Whitmarsh; d. Red.) und Ron (Dennis; d. Red.). Sie hatten ganz andere Herangehensweisen. Aber gegenseitig haben sie sich ausgeglichen. Als einer nicht mehr da war, ist das Ganze aus der Balance geraten. Ich mag es, Leute wie Toto und Niki im Team zu haben. Es ist sehr wertvoll jemanden zu haben, der selbst in einem Formel 1-Auto gesessen hat und weiß, wie sich diese Umgebung unter Druck anfühlt. Wenn irgendwas schiefgeht, sagt er: Das ist der Racing. Ein anderer Chef würde das vielleicht gar nicht verstehen und immer eine perfekte Leistung einfordern.

Ihre Einstellung vermittelt vielen Menschen, dass sie einfach ins Auto einsteigen und losfahren. Ihr Teamkollege Nico Rosberg hingegen arbeitet sehr eng mit den Ingenieuren zusammen. Ist das so?

Ich weiß nicht genau, wie sich diese Meinung gebildet hat. Jeder hat seine eigenen Wege. Aber ich komme sicherlich nicht einfach an der Strecke an und fahre das Auto. Ich habe kürzlich mit meinen Ingenieur zusammengesessen und über Starts geredet. Wir sind einige Dokumente durchgegangen. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich das schon gelesen habe. Er sagte: „Oh, wirklich?“. Und ich habe ihm geantwortet: Nur weil ich es nicht hier vor Deinen Augen gelesen habe, heißt es nicht, dass ich meine Sachen nicht mache. Ich bereite mich in meinem Zimmer oder im Flugzeug vor.
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Ich mag es nicht, ein ganzes Buch, eine ganze Datei oder Information zu lesen. Ich öffne eine E-Mail pro Tag. Das ist meine Art und Weise. Ich wünschte, die Leute könnten von der technischen Seite mehr sehen. Ich bin da wirklich stolz auf mich. Es ist ein super Gefühl, wenn man dann mit den Ingenieuren, diesen superschlauen Leuten, in einem Raum sitzt und seine praktischen Erfahrungen einbringen kann. Um dann die ganzen wundervollen Ideen der Ingenieure in etwas Neues zu verwandeln, das ich auf der Strecke nutzen kann.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: ABMS

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