Lewis Hamilton (l.) und Sebastian Vettel

Formel 1: Hamilton lobt Vettel

— 08.10.2013

Ziemlich beste Freunde

Lewis Hamilton bereut seine Kritik an Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel. Via Twitter steuert der Mercedes-Fahrer auf einmal in die komplett andere Richtung.

(dpa) Nach einer Nacht in Japan waren Lewis Hamilton seine Nörgeleien über Sebastian Vettel plötzlich peinlich. Voller Reue schickte der Mercedes-Star via Twitter eine wahre Lobhudelei auf den Formel-1-Champion um die Welt, dessen Dominanz er zuvor noch als Schlafmittel verunglimpft hatte. "Er ist ein toller Mensch, humorvoll und bescheiden. Er verdient jeden Erfolg", schrieb Hamilton heute (8. Oktober 2013) seinen 1,7 Millionen Followern in einer Serie von Internet-Kurznachrichten. Der Brite will anscheinend nicht als schlechter Verlierer dastehen, wenn Vettel womöglich schon am kommenden Sonntag zum vierten Mal Weltmeister wird.     

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Beim Großen Preis von Südkorea hatte sich das noch ganz anders angehört. Nicht Vettel, sondern der WM-Zweite Fernando Alonso sei "der Schnellste von allen", hatte Hamilton zum wiederholten Mal via Interview versichert. Ganz unverhohlen verdächtigte er Vettels Red-Bull-Team, am Auto des WM-Spitzenreiters zu manipulieren. Nach dem achten Saisonsieg des Deutschen ätzte der 28-Jährige dann, Vettels Überlegenheit sei schlicht ermüdend. "Gewinnen wird nie langweilig", konterte Red-Bull-Teamchef Christian Horner umgehend.     

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Auf der Weiterreise zum 15. Saisonrennen in Suzuka erschreckte sich Hamilton über den Wirbel, den seine abfälligen Aussagen verursacht hatten. "Ich fühle mich verpflichtet, meine Gedanken klarzustellen. Sebastian ist ein großartiger Champion", tippte der Silberpfeil-Pilot eilig in sein Handy, nachdem er erstaunt die Berichte in den britischen Zeitungen gelesen hatte. Dabei ist es kaum verwunderlich, dass der hessische Seriensieger für Hamilton eine Reizfigur ist. 2010 löste Vettel den Engländer als jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte ab. Seither räumt der Heppenheimer mit Red Bull alles ab, fährt von Rekord zu Rekord und stiehlt dabei oft auch Hamilton das Scheinwerferlicht.

Zugleich ist Vettel der Gegenentwurf zum launischen Hamilton. Der eine feilt detailversessen mit Mechanikern und Ingenieuren bis spätabends an jedem Zehntel, steht auf die Beatles und lebt zurückgezogen mit seiner langjährigen Freundin in einer umgebauten Schweizer Mühle. Der andere verlässt sich vor allem auf sein enormes Talent, gibt sich gern als Gangsta-Rapper und führt öffentlich eine turbulente On-Off-Beziehung mit Popsternchen Nicole Scherzinger. Und so reibt sich Hamilton schon seit langem am Emporkömmling von der Bergstraße. Er bewundere Vettels Hingabe und seine Fähigkeit, konstant ohne Fehler seine Leistung abzurufen, ließ Hamilton nun wissen. "Das ist das Kennzeichen eines wahren Champions." Vettel mache einen "perfekten Job. Ich bin einfach dankbar, in einer Ära mit so vielen tollen Fahrern wie ihm fahren zu dürfen." Unklar ist nur, ob Vettel die unverhoffte Liebeserklärung seines Konkurrenten bei seinem Kurzurlaub in Tokio auch wirklich erreichte. Anders als die meisten seiner Altersgenossen verweigert sich der 26-Jährige konsequent der Nutzung von Facebook und Twitter.

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