Formel 1: Hamilton zu Mercedes

Formel 1: Hamilton zu Mercedes

— 09.10.2012

So lief der Mega-Deal

"Schumi" ist raus – und Lewis Hamilton tritt bei Mercedes seine Nachfolge an. Bis vor kurzem hatte kaum jemand mit dem Wechsel gerechnet. Dabei begann alles schon 2011. AUTO BILD MOTORSPORT erklärt die Hintergründe.

Warum sind wir nicht überrascht? In AUTO BILD MOTORSPORT bahnte sich der Wechsel von Lewis Hamilton (27) zu Mercedes schon Anfang 2011 an. Als wir Mercedes-Motorsportdirektor Norbert Haug (59) beim Großen Preis von Australien nach einer möglichen Verpflichtung des Briten ab 2013 fragten, weigerte sich der Schwabe schon damals das Interesse abzustreiten. "Ich weiß, wen ich auf dem Zettel habe", sagte er. "Und dafür brauche ich nicht einmal einen Zettel, die ganz speziellen Fahrer habe ich im Kopf." Zwei Monate später deutete Lewis Hamilton im Exklusiv-Interview in der Türkei an: "Ich trage immer noch den Mercedes-Stern mit Stolz. Nichts ist unmöglich. Meine Beziehung zu Vorstandschef Dieter Zetsche und Norbert Haug ist immer noch großartig. Abwarten, was in der Zukunft passiert."

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Mercedes-Sportchef Norbert Haug (links) und Lewis Hamilton hatten den Wechsel bereits 2011 in Interviews angedeutet.

Was beide Parteien damals schon zwischen den Zeilen angekündigt haben, ist wahr geworden. Lewis Hamilton ersetzt 2013 Michael Schumacher (43) im Silberpfeil. Der Mega-Deal bahnte sich schon im Winter an. ABMS weiß: Hamilton suchte aktiv die Nähe der Mercedes-Verantwortlichen und machte den Entscheidungsträgern immer wieder klar, dass er zurück will in die Mercedes-Familie, die ihn nach eigener Aussage "in die Formel 1 gebracht hat". Hamilton tickt ganz einfach. Nach seiner Crash-Saison 2011 gaben die Techniker dem Wort seines Teamkollegen Jenson Button (32) mehr Gewicht als denen ihres ehemaligen Zöglings. Der Brite fühlte sich verstoßen. Schritt für Schritt entfernte er sich von seinem zukünftigen Ex-Team und erneuerte alte Bande. Mit Nico Rosberg (27), seinem alten Kart-Kumpel und mittlerweile Werksfahrer bei Mercedes AMG, flog er plötzlich wieder gemeinsam zu Rennen, parkte sogar seine Autos in Keke Rosbergs Garage in Monaco.

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Als McLaren dann auch noch sein Gehalt von 25 Millionen Euro pro Jahr kürzen wollte, war das Fass voll. Wer Hamiltons Wert nicht zu schätzen weiß, ist ihn nicht wert. Nach dem Grand Prix von Deutschland steuerten Hamilton und sein Manager Simon Fuller (52) nur noch in Richtung Mercedes. Das hatte auch kommerzielle Gründe. Fuller kassiert 50 Prozent aller Einnahmen seines Klienten bei Sponsoren-Deals. Solche privaten Zuverdienste sind bei McLaren aber nicht erlaubt. Kein Wunder, dass Fullers Managementfirma weg wollte von den engstirnigen Bossen bei McLaren. Dazu kommt: Der Star-Vermarkter, der u. a. die Musikband "Spice Girls" unter Vertrag hat, will Hamilton auch in den USA als Superstar platzieren. Mit der Weltmarke Daimler ist das leichter als mit McLaren.

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Daimler-Chef Dieter Zetsche: "Mit Michael haben wir unsere Ziele nicht erreicht."

Aus Mercedes' Sicht kam Hamiltons Wechsel-Wille genau im richtigen Moment. Daimler-Vorstand Dieter Zetsche (59) war die ewigen Ausreden der Mercedes-Formel 1-Bosse nach jeder neuen Niederlage leid. Er sagt gnadenlos: "Mit Michael haben wir die Ziele nicht erreicht, die wir uns vorgenommen haben. Damit war eine Voraussetzung für eine Vertragsverlängerung nicht mehr gegeben." Ganz nebenbei kann Zetsche sich mit dem Hamilton-Deal auch noch an McLaren-Boss Ron Dennis (65) rächen, dem er den Bau des Supersportwagens MP4-12C in direkter Konkurrenz zum Mercedes SLS nie verziehen hat.

Hamilton kassiert 75 Millionen Euro für drei Jahre

Als der Mercedes-Aufsichtsrat grünes Licht für den Mega-Deal gab, war Michael Schumachers Karriere beendet.

Nach dem GP Deutschland legte sich der Vorstandsvorsitzende fest. Noch vor Rennende, enttäuscht über die Plätze sieben und zehn abgereist, entschied er: Hamilton und eine neu strukturierte Führungsebene sollen das Team endlich zum Erfolg führen. In Spa zog Hamilton Bernie Ecclestone (81) ins Vertrauen. Der Formel 1-Promoter verplapperte sich anschließend an Eddie Jordans BBC-Mikro und löste so die öffentliche Wechsel- Debatte aus. Noch vor Singapur war der Mega-Deal unterschrieben. Hamilton kassiert 75 Millionen Euro für drei Jahre. Für zwei weitere hat er eine Option. Als der Aufsichtsrat das am Tag nach Singapur absegnete, war Michael Schumachers Mercedes-Karriere beendet.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

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