Hockenheims F1-Historie in Bildern

Formel 1: Heimspiel für die Deutschen

— 27.07.2016

Vettel und Co. im Kreuzverhör

Vor dem Großen Preis von Deutschland am kommenden Wochenende sprach AUTO BILD MOTORSPORT mit den vier deutschen Stars über ihr Heimspiel.

Nico Rosberg: "Michaels Erfolge sind die größte Errungenschaft"

Herr Rosberg, wollen Sie beim Heimrennen die WM-Führung zurückerobern?

Nico Rosberg: Auf den WM-Stand schaue ich im Moment gar nicht. Ich denke von Rennen zu Rennen und konzentriere mich jetzt auf Hockenheim. Da will ich auf jeden Fall gewinnen! Das Material dazu habe ich.

Sie haben einen finnischen Vater und sind in Monaco aufgewachsen. Warum sehen Sie sich dennoch als Deutscher?

Ganz einfach: Weil ich eine deutsche Mutter habe, in Wiesbaden geboren bin und deutsch denke und fühle.

Was gefällt Ihnen an Deutschland und was nicht?

Rosberg will sich die WM-Führung wieder zurückholen

Nürnberger Rostbratwürste mit Rösti. Immer wenn ich in München bin, muss das sein. Die Nationalelf liebe ich natürlich. Und den FC Bayern. Außerdem die Auto-Industrie. Mercedes ist eine gigantische Marke. Es macht mich stolz, ein Botschafter dieses Konzerns zu sein und in Hockenheim als Deutscher im Silberpfeil um den Sieg zu fahren.

Können Sie die Hymne singen?

Ja, wobei man sich dann ja meistens im Ernstfall vertut. Wie schon oft bei der Nationalelf passiert.

Was ist für Sie typisch deutsch? Drei Eigenschaften, bitte!

Diszipliniert, geordnet und sorgfältig. Die würde ich, glaube ich, auch für mich in Anspruch nehmen.

Was ist in Ihren Augen die größte Errungenschaft Deutschlands in der Formel 1?

Vielleicht Michaels Erfolge. Oder dass Mercedes es nach all diesen Jahren wieder nach ganz oben geschafft hat.

Ihr schönstes Erlebnis in Hockenheim?

2002 wurde ich Meister in der Formel BMW. Gerhard Berger hat mir damals aus dem Nichts heraus gesagt, dass ich einen F1-Test bekomme. Ich habe geweint wie ein Schlosshund. Das war ein Kindheitstraum für mich. Ein wahnsinniges Erlebnis.

Nico Hülkenberg: "Du fährst durchs Fußballstadion"

Herr Hülkenberg, wie besonders ist das Heimrennen in Hockenheim für Sie?

Hülkenberg möchte in Hockenheim viele Punkte holen

Nico Hülkenberg: Etwas sehr Besonderes. Weil man vor heimischer Kulisse fährt. Weil man schon oft hier gewonnen hat und deshalb Erinnerungen wach werden. Und weil es mein Heimatland ist. Ich bin Deutscher. Und da ist man schon ein wenig patriotisch. Hockenheim hat dazu eine ganz eigene Atmosphäre. Zum Beispiel durch das einzigartige Motodrom. Das ist, als würdest du in einem Fußballstadion fahren.

Fühlen Sie sich als deutsches Nationalteam?

Nein, das nicht. Wir sind alle Einzelkämpfer, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Beim Fußball ist jeder für jeden da. Da reißt man sich den Hintern auf, um den Fehler eines anderen wieder auszubügeln. Bei uns freut man sich eher, wenn einer ausfällt.

Besonders, wenn es ein Landsmann ist?

Das spielt keine große Rolle. Obwohl: Wenn ich Erster bin, kann gerne ein anderer Deutscher Zweiter werden. Weil ich ja dann der beste Deutsche bin.

Können Sie unsere Hymne singen?

Nicht ganz, aber den Anfang.
Hülkenbergs Plädoyer: Brauchen unser Heimrennen

Welche drei Eigenschaften sind typisch deutsch?

Pünktlichkeit, Gründlichkeit, Zuverlässigkeit. Pünktlich bin ich, gründlich nicht immer: Bei mir kann schon mal ein Koffer ein paar Tage unausgepackt herumstehen. Zuverlässig bin ich auch.

Die größte Errungenschaft Deutschlands?

Die technischen Innovationen, die aus Deutschland kommen. Die Automobilfirmen, aber auch andere Hightech-Konzerne. In der Formel 1 auf jeden Fall die Erfolge von Michael Schumacher.

Ihre coolste Erinnerung an Hockenheim?

2005 hatte ich meine ersten Rennen in der Formel BMW in Hockenheim. Ich musste mit dem blauen Polo meiner Mutter hinfahren und kannte den Weg nicht. Ich war ja noch nie hier gewesen. Ich habe auf der Landkarte geschaut, damals gab es ja noch kein Navi. Dabei habe ich vergessen auf die Straße zu gucken und mich dann in die Leitplanke gelegt! Die Farbe war ab, ein Spiegel weg. Aber ich habe die Rennen am Samstag und Sonntag gewonnen und alles war gut.

Ihr Ziel beim Deutschland GP?

Was ganz Besonderes zu leisten. So etwas wie ein Podiumsplatz.

Sebastian Vettel: "Mein erstes Mal in rot durchs Motodrom"

Herr Vettel, ist das Heimrennen etwas Besonderes?

Sebastian Vettel: Ja. Die deutschen Flaggen, die Freunde und Familie treiben mich nach vorne. Dieses Jahr fahre ich das erste Mal in rot durchs Motodrom. Das weckt Erinnerungen an früher.

Fühlen Sie sich mit den anderen Deutschen als deutsches Nationalteam?

Nein, in der Formel 1 ist es anders als im Fußball. Bei uns kämpft jeder für sich oder eben für das Team, in dem wir fahren.

Wie eng ist der Kontakt dennoch zu den anderen Deutschen?

Nico Hülkenberg kenne ich am längsten. Wir fuhren schon zusammen im Kart. Aber am Rennwochenende verbringen wir wenig Zeit miteinander. Und auch sonst gibt es nicht viele Freundschaften in der Formel 1.

Wollen Sie Ihre deutschen Kollegen noch lieber schlagen als die anderen?

Vettel kämpft mit Ferrari um P2 in der Team-WM

Es ist eigentlich ziemlich egal, gegen wen man fährt bzw. aus welchem Land der andere kommt. Man weiß natürlich, wer vor oder hinter einem ist. Aber letzten Endes will man dafür sorgen, dass ALLE hinter einem sind.

Können Sie die deutsche Hymne singen?

Ja, ich singe sie auf dem Podium auch mit.

Welche drei Eigenschaften sind typisch deutsch?

Das deutsche Auge für Genauigkeit. Ich mache alles sehr akkurat. Sauberkeit. Dazu passt: Auch mein Auto muss immer sauber in der Garage stehen, dafür habe ich meine Mechaniker (schmunzelt). Zudem schätze ich Pünktlichkeit. An meiner eigenen muss ich allerdings noch arbeiten.

Die größte Errungenschaft Deutschlands – auch in der Formel 1?

Generell bin ich sehr stolz darauf, wo ich herkomme. Wir spielen hervorragend Fußball, haben eine tolle Liga und gute Rennfahrer – jetzt und früher. Und auch sonst sind wir überall vorn dabei!

Ihr Ziel beim Deutschland GP?

Das Maximum herausholen. Das Podium ist das Ziel. Sind wir siegfähig, wollen wir gewinnen.

Pascal Wehrlein: "2000 habe ich auf der Tribüne geweint"

Herr Wehrlein, warum ist der Deutschland GP für Sie als deutscher Fahrer so wichtig?

Pascal Wehrlein: Man fährt in seiner Heimat, dort wo man herkommt. Ich habe großen Bezug zu diesem Ort, da ich auch aus der Nähe komme. Es werden viele Verwandte und Sponsoren kommen. Insbesondere freue ich mich die Sponsoren, die mich schon zu Kartzeiten unterstützt haben. Es ist schön ihnen zu zeigen, was ich jetzt erreicht habe und dass sie ihren Teil dazu beigetragen haben.

Was sind Ihre ersten Erinnerungen an den Deutschland GP?

Wehrlein will Manor in der WM vor Sauber halten

Als ich auf der Tribüne 2000 beim Deutschland GP in Hockenheim saß. Die Mama links, der Papa rechts, in der Mitte der kleine Pascal. Allerdings war ich über den Sieg von Rubens Barrichello nicht so glücklich. Ich war ein großer Fan von Mika Häkkinen – da flossen dann auch die Tränen. Aber seit diesem Tag habe ich mir immer gesagt: Eines Tages möchte ich selbst da fahren. Ich habe meine Eltern so lange genervt und drei Jahre gebraucht, bis sie mich mit acht Jahren in ein Kart gesetzt haben. Das Erlebnis 2000 war entscheidend.

Wie stolz sind Sie, dass Sie 16 Jahre später selbst durchs Motodrom fahren?

Wenn man jetzt zurückblickt: Als ich vor 16 Jahren auf der Tribüne saß, und daran denkt, dass die Chance in der Formel 1 mitzufahren ähnlich war, wie beim Lottospielen zu gewinnen, dann kommt einem das schon sehr verrückt vor.

Letztes Jahr Sind Sie in Hockenheim hier DTM Meister geworden. Denken Sie im Rahmen des Wochenendes an solche Momente zurück?

Klar, erst habe ich letztes Jahr in Hockenheim den Titel geholt,  dann hatte ich auch noch Geburtstatg. Die Party am Sonntag war ziemlich cool, was ich gehört habe. Ich kann mich aber nicht mehr erinnern…(grinst). Im Ernst: Ich komme mit schönen Erinnerungen und Emotionen zum GP Deutschland, aber bin dann auch nicht zu euphorisch. Wenn ich jetzt in einer ähnlichen Situation in der Formel 1 wäre und um den Titel mitfahren würde, dann wäre das alles noch viel intensiver.

Was sind Ihre sportlichen Erwartungen in diesem Jahr?

Dieses Jahr Erwartungen zu stellen, finde ich sehr schwierig. Es gibt Strecken, da sind wir näher an Sauber dran oder sind etwas besser. Aber es hat noch auf keiner Strecke gereicht, klar vor Sauber zu sein. Wir sind momentan noch hinter ihnen und es ist daher schwierig Erwartungen zu stellen. Für mich ist dieses Jahr eins zum Lernen. Ich muss so viel wie möglich mitnehmen für die Zukunft.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance / Hersteller

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