Neuer F1-Kurs in Baku

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Formel 1: Hermann Tilke im Interview

— 16.06.2016

"Bleche statt Leitplanken"

Am Wochenende findet in Aserbaidschan das schnellste Stadtrennen statt. Streckenarchitekt Hermann Tilke erklärt im Exklusiv-Interview den Kurs durch Baku.

Herr Tilke, was ist das Besondere am Rennen in Aserbaidschan?

Hermann Tilke (61): Zunächst einmal, dass es ein richtiger Stadtkurs ist, wo alles auf- und wieder abgebaut werden muss. Das gibt es sonst nur in Monaco und Singapur. Und selbst im Vergleich dazu ist Baku besonders.

Wann haben Sie endgültig grünes Licht für das Rennen bekommen?


Vor zwei Jahren. Zunächst mussten wir uns zusammen mit dem Stadtministerium für eine von drei Varianten entscheiden. Die Entscheidung fiel für die längste Strecke mit 6,3 Kilometern. Sie war auch die schönste und interessanteste – vorbei am Regierungsviertel und der Altstadt. Dann kamen Bedenken, welche den Plan fast unmöglich machten. Besonders die Engstellen. Wie haben Sie die Probleme gelöst?

Zum Beispiel haben wir an der antiken Stadtmauer auf Leitplanken verzichtet, die ja wieder ein paar Zentimeter Platz weggenommen hätten. Stattdessen haben wir Bleche davorgebaut. So konnten wir die Sonderregelung der FIA von 7,50 Meter Fahrbahnbreite erfüllen. In der Regel verlangt die Automobilbehörde mindestens zwölf Meter. Auch in Monaco gibt es Ausnahmeregeln. Dort beträgt die engste Stelle aber immerhin noch neun Meter.

Der deutsche Streckenarchitekt Hermann Tilke hat auch die neue Strecke in Baku designt

Ist mit den Blechen statt Leitplanken die Sicherheit noch gewährleistet?



Ja, Charlie Whiting hat null Bedenken. Am Ende ist es egal, ob ein Blech nicht nachgibt oder wie vorher eine Betonmauer. Dann mussten wir noch das Problem mit den Pflastersteinen lösen. Wir reden hier von zwei Streckenbereichen mit einer Gesamtlänge von circa 700 Metern.
 Aus historischen und ästhetischen Gründen mussten wir die Pflastersteine behalten. Das heißt, für das Rennen haben wir die Pflastersteine abgetragen, lagern sie, haben die be- treffenden Streckenteile asphaltiert und werden nach dem Rennen die Pflastersteine wieder einfügen. Das geht jetzt jedes Jahr so. Weil es an diesen Stellen bis zu zwölf Prozent Steigung gibt, mussten wir sicherstellen, dass der Asphalt nicht einfach abrutscht.

Wenn Sie eine Rennstrecke designen, denken Sie auch an Überholmöglichkeiten?

Absolut! Heute gibt es beispielsweise Kurven und Geraden, die wir anders konzipieren, weil Dinge, die in der Theorie logisch erschienen, sich in der Praxis nicht bewährt haben.

Holen Sie sich auch Input bei den Fahrern?

Ja. Sie kommen teilweise auch auf mich zu. Früher hatte ich ständigen Kontakt mit Michael Schumacher. Besonders ehemalige Piloten wie Marc Surer, Alex Wurz oder David Coulthard sind sehr hilfreich. Von den aktuellen Fahrern gibt Sebastian Vettel den meisten Input.

Was muss man an den Autos ändern, damit die Rennen noch besser werden?


Ganz einfach: Weniger Aerodynamik und mehr Leistung.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Getty Images

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