Sebastian Vettel beim F1-Saisonauftakt in Bahrain

Formel 1 Hintergrund

— 17.03.2010

Vorerst kein Motorwechsel bei Vettel

Überlegen führte Sebastian Vettel in Bahrain, bis sein Red Bull plötzlich an Leistung verlor. Eine Zündkerze war defekt. Trotzdem bekommt er vor Australien kein neues Triebwerk.

Red Bull-Pilot Sebastian Vettel wird beim Großen Preis von Australien vom 26. bis 28. März mit dem Motor ins freie Training starten, der dem Heppenheimer in Bahrain den Sieg gekostet hat. Das bestätigte Red Bull gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT. In Führung liegend war Vettel beim Saisonauftakt ab der 34. Runde wegen plötzlichem Leistungsverlust von den Ferrari-Piloten Fernando Alonso und Felipe Massa fast spielerisch überholt worden. Später zog auch Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes vorbei. Hintergrund: Eine Zündkerze hatte ihren Geist aufgegeben. Deshalb lief der Renault R27 im letzten Renndrittel nur noch auf sieben von acht Zylindern – und knatterte wie ein Traktor. Die Folge: ein PS-Abfall von etwa zehn Prozent oder 75 Pferdestärken. Vettel formulierte das so: "Ich hatte plötzlich keinen Dampf mehr auf der Kette. Am Ende der Geraden hatte ich so wenig Power, dass ich nicht einmal mehr in den siebten Gang schalten musste." Kurzfristig war der Heppenheimer deshalb bis zu drei Sekunden pro Runde langsamer als die Konkurrenz.

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Enttäuscht: Sebastian Vettel beendete das erste Saisonrennen in Bahrain trotz toller Leistung nur auf Rang vier.

Wie McLaren, Mercedes, Force India und Renault fährt Red Bull mit Spezial-Zündkerzen der japanischen Marke NGK. Dass das Vettel-Team den alten Motor nach dem Training auch im Rennen im Melbourner Albert Park einsetzen wird, gilt als möglich. Denn: Ein nicht-befeuerter Zylinder verursacht normalerweise keine Folgeschäden. Bei Luxuslimousinen mit großvolumigen Motoren werden zum Spritsparen Zylinder sogar mit Absicht automatisch abgeschaltet. Die Renault-Techniker gehen zudem auf Nummer sicher, indem sie das Total-Öl per Röntgenstrahlung auf Metallrückstände untersuchen. Erst wenn die Konzentration bestimmter Metalle zu hoch ist, gibt das einen Hinweis auf einen anstehenden Motorschaden. Und: Obwohl ein Formel-1-Achtzylinder laut FIA-Statuten nicht geöffnet werden darf, begutachten die Ingenieure die Brennkammern durch die Zündkerzenbohrung regelmäßig per Endoskop. Zumindest vorerst kann Vettel also Aufatmen. Der Grund: Während des Jahres darf ein Fahrer insgesamt nur acht Motoren verbrauchen. Ab dem neunten folgt eine Strafversetzung um zehn Plätze in der Startaufstellung. Ein V8 muss demnach durchschnittlich 2,375 Grand-Prix-Wochenenden halten. Schon in der vergangenen Saison hatte Red Bull Ärger mit den Renault-Aggregaten. Insgesamt versagten fünf Triebwerke ihren Dienst, vier davon bei Vettel, beim GP Europa in Valencia sogar im Rennen.

Vettel passte seinen Fahrstil an das Auto an

Kann keinen Widerstand mehr leisten: Wegen des Leistungsverlust von gut 75 PS ziehen erst Alonso und dann auch Massa an Vettel vorbei.

Zuletzt in Bahrain betrieb Vettel Schadensbegrenzung. Trotz weniger PS im Heck konnte er Platz vier vor Nico Rosberg ins Ziel retten. "Er hat einfach seinen Fahrstil angepasst. Selbst mit diesem Leistungsverlust ist es ihm gelungen, seine Geschwindigkeit unter Beweis zu stellen", schwärmt Teamchef Christian Horner. "Er lernte, wie er das Auto fahren musste. So gesehen war sein vierter Platz überaus beeindruckend." Erklärung: Vettel und eine Ingenieurscrew haben Motoreinstellungen und Benzin-Luft-Gemisch so verändert, dass der Ausfall eines Zylinders weniger ins Gewicht fiel. Vettel: "Jedes Mal, wenn ich aufs Gas stieg, hatte ich weniger Leistung, also musste ich auf der Bremse und in den Kurven umso mehr pushen. Zum Glück waren meine Reifen noch in Ordnung, weil ich die am Anfang geschont hatte. Das war das Geheimnis, das mir am Ende den vierten Platz gerettet hat, aber eigentlich hätte ich gewinnen müssen." Das wird er mit altem und ab dem Rennen wohl neuem Motor nun in Australien versuchen.

Autor: Bianca Garloff

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