Ross Brawn (li.) und Ron Dennis (r.) mit McLaren-Teamchef Martin Whitmarsch

Formel 1 - Hintergrund

— 09.10.2009

Mercedes: Wie Ron Dennis Ross Brawn hilft

McLaren-Mann und Ex-Teamchef Ron Dennis hat Mercedes derart provoziert, dass die Stuttgarter ihre Anteile am McLaren-Rennstall abtreten wollen. Stattdessen planen sie einen Einstieg bei Brawn GP.

Aus dem Teddybr wurde Big Ben. Sein Spitzname bei Ferrari hat Ross Brawn nie wirklich gefallen. "Big Ben ist viel besser", sagt der Teamchef schmunzelnt. "Cool, calm and collected" nennen Englnder Menschen, die selbst dann noch unaufgeregt bleiben, wenn Blitze links und rechts neben ihnen einschlagen. Khl, ruhig und aufgerumt. "Big Ben" Brawn wirkt in der Tat wie der Turm in der Schlacht. Selbst als er die Nachricht von der Rckversetzung seiner beiden Piloten Jenson Button und Rubens Barrichello in Suzuka erhielt, blieb er gelassen: "Sie sind eben bei Gelb nicht vom Gas gegangen. Beide." Folge: Startpltze zurck, Chancen auf den Sieg geschrumpft. Schlimmer noch: Red Bull-Pilot Sebastian Vettel ist nach seinem Sieg wieder dran an Brawns Titelkandidaten Jenson Button und Rubens Barrichello.

"Was McLaren passiert ist, wrde Ross nicht passieren"


2007: Kimi Räikkönen (M.) schnappte Lewis Hamilton (r.) den sicher geglaubten WM-Titel weg.

16 Punkte liegt der Heppenheimer nur noch hinter dem Spitzenduo. Dass so ein Rckstand in zwei Rennen aufzuholen ist, zeigte Kimi Rikknen 2007. Da fhlte sich McLaren-Pilot Lewis Hamilton mit 17 Punkten schon als sicherer Weltmeister. Eigene Fehler und Schlampereien des Teams lieen seinen Traum aber noch platzen. "Was McLaren damals passiert ist, wrde Ross nicht passieren", sagt Mercedes-Motorsportchef  Norbert Haug zu autobildmotorsport.de. "Damals in Shanghai konnte man schon die Leinwand aus dem Reifen brechen sehen trotzdem haben sie ihn zu spt  in die Box beordert." Die Folge: Hamilton rutschte hilflos ins Kiesbett aus der Traum vom fast schon sicher geglaubten Titel. Interessant: Kommandeur an der Boxenmauer damals: Ron Dennis.

Ron Dennis provoziert Mercedes


Kriegserklärung an Mercedes: Der eigenständig von McLaren entwickelte Supersportwagen MP/4-12C.

Nun arbeitet der Ex-Teamchef, der bei McLaren im Hintergrund immer noch die Fden zieht, Ross Brawn in die Hnde. Grund. Der Brite, der die Vision hat, ein englischer Enzo Ferrari zu sein und auf der Insel spttisch "Ronzo" genannt wird, hat Mercedes lngst verprellt. Die Vorstellung seines eigenen Sportwagens McLaren MP/4-12C mit selbst konstruiertem Motor drei Tage vor der Prsentation des Mercedes SLS auf der IAA kam einer Kriegserklrung gleich. Den ersten Schuss feuerte Dennis nach ABMS-Informationen nun ab, indem er sich hinter Mercedes Rcken um die bald ausrangierten BMW-F1-Motoren bewarb. Sich dem Hauptkonkurrenten auf dem Automobilsektor anzubieten das ist ein Affront. Lenkt Dennis nicht ein, wird Mercedes so schnell wie mglich Konsequenzen ziehen.

Mercedes will McLaren verlassen

Und zwar so: Die Stuttgarter denken darber nach, ihre 40 Prozent Anteile am McLaren-Rennstall zu verkaufen. "Dann," so wird autobildmotorsport.de inoffiziell besttigt, "wrde sich an der Vertragssituation alles ndern." Soll heien: Mercedes wre nicht mehr verpflichtet, McLaren kostenlos mit Motoren zu beliefern. Sie mssten nicht mehr die Hlfte der Fahrergehlter bezahlen. Man knnte ohne Veto der McLaren-Anteilseigner Triebwerke an Sebastian Vettels Red-Bull-Team liefern. Und nicht zuletzt schon zwei Jahre frher als geplant Ross Brawn zum alleinigen "Silberpfeil"-Team machen. Folge: Fr wesentlich weniger Geld htte Mercedes mehr Prsenz und Reputation.

Ross Brawns aussichtsreiche Zukunft

Kann gut schlafen: Ross Brawn (M.) mit seinen Fahrern Jenson Button (li.) und Rubens Barrichello.

Aber: Noch sind die McLaren-Angestellten gegen die berehrgeizigen Plne ihres Chefs. Sie wollen lieber mit Mercedes weiterarbeiten. Norbert Haug betont: "Das Verhltnis an der Rennstrecke ist wahrscheinlich besser als je zuvor." Auch deshalb gilt es als wahrscheinlich, dass McLaren selbst im Falle einer Kndigung des Exklusivvertrages zunchst weiter mit Mercedes-Kundenmotoren starten wird. Dennoch Grund Genug fr Ross Brawn optimistisch in die Zukunft zu blicken. "Es passiert mir derzeit selten, dass ich schlecht schlafe", sagt das Superhirn, "auer ich habe einen Jetlag."

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

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