Formel 1: Die Hinterbänkler

Formel 1: Historie der Schlusslichter (1)

— 18.10.2016

Tapferer Kampf ganz hinten

Manor will seinen zehnten Platz in der Konstrukteurswertung gegen Sauber verteidigen. Der Kampf im hinteren Teil der Startaufstellung ist seit Jahren spannend.

Die Formel-1-Weltmeister kennen viele. Aber wer war eigentlich am anderen Ende der Startaufstellung zu finden? Für die Hinterbänkler schlagen die Herzen diverser Fans. Seit den 80er Jahren sind Gaststarter verbannt, seither wird auch um den letzten Platz in der Konstrukteurswertung gekämpft. Das sind die Hinterbänkler der letzten 30 Jahre, Teil eins (1987-1996), inklusive Bildergalerie: 1987 Osella Alfa Romeo

Stark waren die Italiener nie: 132 WM-Rennen, fünf Punkte, aber kein Podestplatz. Aber 1987 sackte Osella richtig ab. Die Alfa-Romeo-Turbo-Motoren wurden seit dem Alfa-Ausstieg 1985 kaum weiterentwickelt – und das in einer Phase, in der die Top-Hersteller fast jedes Rennen mehr PS aus den Turbos kitzelten. Als einziger Hersteller setzte Alfa Romeo auf einen V8 als Turbo, das machte den Motor außerdem noch schwer. Osella liebäugelte mehrmals mit einem Wechsel zu den kaum schwächeren Saugermotoren von Motori Moderni und Cosworth – doch die niedrigen Preise von Alfa Romeo halfen dem 16-Mann-Team die Turbo-Ära finanziell zu überstehen. Osella existiert heute noch und baut Bergrennwagen. Von 2009 bis 2013 holte sich Simone Faggioli fünf Mal in Folge den EM-Titel mit einem Osella-Zytek.

1988 Zakspeed

Acht Teams blieben 1988 punktlos. Das Schlusslicht aufgrund der schlechtesten Ergebnisse bildete das deutsche Zakspeed-Team. Meistens war für die Fahrer Bernd Schneider und Piercarlo  Ghinzani das Vergnügen schon in der damals ob der großen Anzahl an Startern notwendigen Vorquali vorbei. Das Besondere: Zakspeed konstruierte die Turbo-Motoren selbst! Heute fährt Zakspeed unter anderem in der ADAC GT-Masters-Serie mit. Luca Ludwig und Sebastian Asch holten 2015 in einem Mercedes den Titel. Gegenüber ABMS bestätigt Teamchef Peter Zakowski: „Wir wollen in den Formel-Sport zurück!"

1989 EuroBrun-Judd

Eigentlich war das Projekt vielversprechend: Das italienische Euroracing-Team, das bis 1985 die Formel-1-Einsätze von Alfa Romeo betreute, spannte mit Brun Motorsport zusammen. Das Schweizer Team von Walter Brun holte sich 1986 mit einem Porsche 962C den Titel in der Sportwagen-WM! Obwohl Brun damit Werksteams von Mercedes, Jaguar und Porsche schlagen konnte, war der Schritt in die Formel 1 eine Nummer zu groß. Bei 20 teilnehmenden Teams 1989 schaffte man kein einziges Mal die Qualifikation zum Rennen!

1990 Life

Die Frage nach dem schlechtesten Formel-1-Team aller Zeiten ist fast genauso beliebt wie die Frage nach dem besten Formel-1-Fahrer aller Zeiten. Bei der ersten Frage taucht Life ganz oben auf. Der ehemalige Ferrari-Ingenieur Franco Rocchi konstuierte einen ungewöhnlichen Zwölf-Zylinder-Motor in W-Anordnung. Doch das Triebwerk leistete gerade mal 480 PS – mehr als 200 PS weniger als die Top-Motoren. In der Vorqualifikation war Life daher regelmäßig mehr als 15 Sekunden langsamer als der Rest des Feldes! Auch der Umstieg zum Judd-Motor brachte kaum Besserung: Das Chassis war ebenfalls viel zu alt und zu schwer – die Basis war eine 1988er Konstruktion für das First-Team, das aber nie auftauchte.

1991 Coloni-Ford

Nach desaströsen Rennen 1990 zog der japanische Hersteller Subaru schon nach wenigen Rennen den Stecker und Coloni führte seinen Rennstall 1991 in Eigenregie weiter. Doch das Team hatte gerade Mal sechs Mitarbeiter, das Fahrzeug wurde von Studenten der Uni Perugia konstruiert und die Leistung war derart schlecht, dass Coloni bei jedem Rennwochenende schon am Freitag in der Vorquali scheiterte. Heute veranstaltet Coloni noch die Auto-GP-Serie mit alten Formel-Fahrzeugen aus der früheren Ländermeisterschaft A1GP.

1992 Andrea Moda-Judd

Die Reste des Coloni-Teams wurden 1992 vom italienischen Schuh-Magnat Andrea Sassetti aufgekauft. Der Rennstall setzte jenes Auto ein, das Simtek 1991 eigentlich für einen BMW-Werkseinstieg entwickelt hat. Das Andrea-Moda-Team war eine einzige sportliche Katastrophe: Nachdem sich Sassetti körperliche Auseinandersetzungen mit seinen Mechanikern leistete und er in Belgien von der Polizei in Handschellen abgeführt wurde (er soll Rechnungen mit nicht gedeckten Schecks beglichen haben), hatte FIA-Präsident Max Mosley die Faxen dicke: Er schloss das Team aus und setzte für Neueinsteiger hohe Hürden (unter anderem ein Nenngeld von 48 Millionen Dollar!)

1993 Tyrrell-Yamaha

Zum ersten Mal wurde ein Team Letzter in der Konstrukteurs-Wertung, das schon einmal Weltmeister war: Tyrrell. Mit den explodierenden Kosten wurde die Formel 1 für Privatteams zunehmend schwieriger. Der Yamaha-Motor, der auf einem alten Judd-Triebwerk basierte, war zudem nicht wirklich konkurrenzfähig. Tyrrell lieferte sich mit dem Lola-Ferrari des Scuderia-Italia-Teams einen harten Kampf um den letzten Platz. Beide bleiben ohne Punkte, Tyrrell aber mit den schlechteren Einzelresultaten.

1994 Pacific-Ilmor

Schönes Auto, aber leider zu langsam: Der Pacific-Ilmor von 1994

Nachdem Christian Fittipaldi 1991 den Titel in der zweiten Formel-Liga, der Formel 3000, gewann, beschäftigte sich Pacific ausführlich mit dem Formel-1-Aufstieg. Die Finanzierung klappte erst 1994, da kam die Reynard-Konstruktion schon zu sehr in die Jahre. Auch Schauspiel-Sohn Paul Belmondo als Fahrer konnte nichts ausrichten: Pacific schloss das erste Formel-1-Jahr als Letzter ab.

1995 Simtek-Ford

Jos Verstappen und Domenico Schiattarella konnten nur noch vier Rennen für das Simtek-Team fahren, dann ging der Rennstall Pleite. Als zehnter Formel-1-Rennstall in nur vier Jahren!

1996 Forti-Ford

Auch das Forti-Team überlebte nur noch zehn Saisonrennen. Luca Badoer legte den gelben Rennwagen in Argentinien spektakulär aufs Dach (ein Formel 1 mit Dach?????. Heute fährt einer der Forti-Rennwagen noch in der Boss-GP: Am Steuer sitzt der Deutsche Hans Laub. Inzwischen ist allerdings ein mehr als 100 PS stärkerer Judd-Motor eingebaut.

Formel 1: Die Hinterbänkler

Teil 2: 1997-2006

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Hersteller; privat; picture-alliance; Getty Images

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