Formel 1: Die Hinterbänkler

Formel 1: Historie der Schlusslichter (2)

— 19.10.2016

Kampf um den letzten Platz

Manor will seinen zehnten Platz in der Konstrukteurswertung gegen Sauber verteidigen. Der Kampf im hinteren Teil der Startaufstellung ist seit Jahren spannend.

Die Formel-1-Weltmeister kennen viele. Aber wer war eigentlich am anderen Ende der Startaufstellung zu finden? Für die Hinterbänkler schlagen die Herzen vieler Fans. Seit den 80er Jahren sind Gaststarter verbannt, seither wird auch um den letzten Platz in der Konstrukteurswertung gekämpft. Das sind die Hinterbänkler der letzten 30 Jahre, Teil zwei (1997-2006):

1997 Minardi-Hart

Das Minardi-Team – ein Paradebeispiel für einen Hinterbänkler-Rennstall. Die Wahrheit ist: 1997 war das erste Jahr (in der 13. Saison), in dem Minardi Letzter wurde. Davor konnte die Mannschaft immer wieder Highlights setzen und sogar Führungsrunden sammeln! Doch das finanzielle Wettrüsten der 90er Jahre konnte das Privatteam nicht mehr mitgehen. Nichtsdestotrotz: Minardi hatte auch als Tabellenletzter einen guten Ruf, weil man immer wieder jungen Nachwuchstalenten eine Chance in der Formel 1 gab. 1997 zum Beispiel Jarno Trulli.

1998 Tyrrell-Ford

Das Tyrrell-Team lag am Boden: letzter Platz, kein Geld mehr, vorbei die glanzvollen vergangenen Tage, die in drei WM-Titel für Jackie Stewart mündeten. Immerhin: Tyrrell wurde 1998 bereits an die Besitzer des neuen BAR-Rennstalls verkauft, der 1999 mit Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve seinen Einstand gab. Heute arbeitet das Mercedes-Werksteam in den ehemaligen Tyrrell-Hallen.

1999 BAR-Supertec

Vor zwei Jahren noch Weltmeister, jetzt mit BAR Tabellenletzter: Jacques Villeneuve erlebte Ende der 90er Jahre einen rasanten Absturz. Doch BAR hatte Potenzial: Die schlechten Supertec-Motoren – nichts anderes als in die Jahre gekommene Renault-Triebwerke – wurden 2000 in Honda-Power umgetauscht. Aus BAR ging über die Umwege Honda und Brawn das heutige Mercedes-Werksteam hervor. 

2000 Prost-Peugeot

Die Vision von Alain Prost: Er wollte ein französisches Nationalteam formen. Doch die Peugeot-Motoren waren nicht die stärksten und die Konzern-Unterstützung auch finanziell zu schwach. Prost heuerte Nick Heidfeld an, um so an Mercedes-Kundenmotoren zu kommen. Doch das war vergebens. Bei Prost erlebte Heidfeld eine schwierige Debütsaison. Heute gibt es keinen Formel-1-Rennstall mehr mit Sitz in Frankreich.

2001 European Minardi

Letzter in der Tabelle, aber immer wieder stark auf der Strecke. Vor allem dank Rookie Fernando Alonso, der immer wieder die Benettons schlagen konnte – sechs Jahre davor immerhin noch ein Weltmeister-Team. 2001 war auch das Jahr, in dem Teambesitzer Giancarlo Minardi sein Team verkaufen musste. Paul Stoddart schlug zu, ein australischer Geschäftsmann mit der eigenen European-Fluglinie sowie ein begeisterter Hobbyrennfahrer, der mit ausrangierten Tyrrell-Formel-1-Fahrzeugen in der Euro-Boss-Serie fuhr.

2002 Arrows-Cosworth

Heinz-Harald Frentzen fuhr 2002 für das Arrows-Team

Arrows konnte nicht einmal die Saison zu Ende fahren. Die Red-Bull-Gelder für Enrique Bernoldi als Fahrer waren zu niedrig, Heinz-Harald Frentzen brachte nur sportlichen, aber keinen finanziellen Wert. Übernahmeversuche eines deutschen Konsortiums, von Ex-BAR-Chef Craig Pollock sowie des amerikanischen Ex-Formel-1-Weltmeisters Phil Hill in Zusammenarbeit mit Dan Gurney scheiterten.


2003 Minardi-Cosworth

Auch unter Paul Stoddart konnte sich Minardi nicht vom Tabellenende entfernen. Die Hersteller pumpten die Budgets in schwindelerregende Höhen, die Minardi nicht mitgehen konnte. Stoddart war ein harter Formel-1-Politiker, aber ohne Erfolg. Das Highlight des Jahres war die provisorische Pole-Position im verregneten Freitags-Quali durch Jos Verstappen in Magny-Cours.

2004 Minardi-Cosworth

Auch in der Saison 2004 gab es Jubel bei Minardi: Rang acht in Indianapolis durch Zsolt Baumgartner und damit ein WM-Punkt. Doch der reichte nicht, um den letzten und zehnten Konstrukteursplatz loszuwerden.

2005 Minardi-Cosworth

20 Jahre lang war das chronisch unterfinanzierte Minardi-Team einer der beliebtesten Formel-1-Rennställe. Doch nach dem dritten letzten Platz in Folge ging die Geschichte der Mannschaft zu Ende. 49 seriöse Kaufinteressenten gab es laut Stoddart für das Traditionsteam, darunter der heutige Force-India-Chef Vijay Mallya und der Ex-Formel-1-Pilot Eddie Irvine mit dem russischen Geschäftsmann Routsam Tariko. Am Ende schlug Red Bull zu und formte aus Minardi den eigenen Nachwuchs-Rennstall Toro Rosso

2006 Super-Aguri-Honda

2006 war das Jahr der Satellitenteams: Red Bull hatte Toro Rosso, McLaren wollte das Prodrive-Team in die Formel 1 bringen und Honda installierte mit Super Aguri um den ehemaligen GP-Piloten  Aguri Suzuki einen eigenen Formel-1-Rennstall. Einer der Fahrer war Yuji Ide, dem die Superlizenz entzogen wurde, als er Christijan Albers beim Imola-GP in einen Überschlag schickte. Das Team existiert heute noch in der japanischen Super-GT-Serie, den Formel-E-Rennstall hat Aguri Suzuki an Techeetah verkauft.
Teil 1 der Serie: 1987-1996

Formel 1: Die Hinterbänkler

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Hersteller; privat; picture-alliance; Getty Images

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