Die besten Bilder aus Hockenheim

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Formel 1: Horror-Heimspiel für Rosberg

— 31.07.2016

Schnarch-Start, Strafe, Stoppuhr-Panne

Diesen Heim-Grand-Prix hätte sich Mercedes-Star Nico Rosberg sparen können: Beim Deutschen ging in Hockenheim am Sonntag so ziemlich alles schief.

So hatte sich Nico Rosberg sein Heimrennen ganz sicher nicht vorgestellt: Statt dem erhofften Duell um den Sieg mit Teamkollege Lewis Hamilton, erlebte der Deutsche am Sonntag einen Horror-Tag. „Schon am Start ist hier alles danebengegangen“, ärgerte sich Rosberg. Wie schon vor einer Woche in Budapest konnte der Mercedes-Pilot seine Pole nicht in die Führung umwandeln. „Ich versteh's nicht. Ich habe alles gemacht wie beim Probestart und der war noch okay. Als es dann losging, habe ich aber sofort gemerkt, dass die Reifen durchdrehen.“
So lief das Rennen: Hamilton siegt in Hockenheim

Schon nach dem Start war Rosberg der große Verlierer

Das Problem: „Dann kann ich nichts mehr machen, dann ist es zu spät“, so Rosberg, der erklärte: „Die Kupplung hat einfach zu sehr gebissen.“ Nicht nur Hamilton schlüpfte vor Kurve eins durch, auch hinter beiden Red Bulls musste sich Rosberg einsortieren. Beim Versuch, sich eine Position von Max Verstappen auf der Strecke wiederzuholen, lief es für Rosberg dann in Runde 28 erneut nicht glatt. In der Haarnadel schob sich der Deutsche vorbei am Holländer. Verstappen beklagte sich sofort am Funk: „Er hat mich von der Strecke gedrängt!“

Die Rennkommissare liehen der Beschwerde des Red-Bull-Piloten ein Ohr und verhängten eine Fünf-Sekunden-Strafe gegen Rosberg – sehr zur Verwunderung vieler Experten im Fahrerlager. „Nico war spät auf der Bremse. Aber so ein Manöver habe ich schon tausendmal gesehen. Das gehört zum Motorsport und Zweikampf dazu, den wir sehen wollen. Für meinen Geschmack ist die Strafe völlig überzogen“, urteilte etwa Ex-Pilot Alex Wurz, der als Präsident der Fahrervereinigung GPDA bestens um die Regeln unter den Fahrern weiß. Sky-Experte Martin Brundle setzte noch einen oben drauf: „Das ist schlecht für die Formel 1. Irgendwann denken sich die Fahrer, dass es keinen Sinn mehr macht, etwas zu riskieren, weil sie dafür bloß eine Strafe kriegen.“

Für das Manöver gegen Verstappen gab es eine Strafe

Auch Rosberg zeigte sich von der Entscheidung „überrascht“, versuchte sogar noch sein Team dazu zu bringen, mit den Regelhütern nachzuverhandeln. „Habt ihr ihnen gesagt, dass ich komplett eingelenkt habe? Ich hätte nicht mehr machen können“, funkte Rosberg aus dem Auto. Doch die Kommissare um Emerson Fittipaldi kannten kein Erbarmen, brummten Rosberg bereits die dritte Strafe in den letzten vier Rennen auf. Für Rosberg unverständlich: „Ich dachte, es war ein guter Zweikampf. Wenn überhaupt, dann fand ich es eher schlecht von Max“, sagte der WM-Zweite. „Weil er wieder den Zacken reingehauen hat, wie zuletzt in Budapest – mitten beim Bremsen. Dabei haben wir eigentlich am Freitag in der Fahrerbesprechung gesagt, dass man das nicht darf.“

Beim Ungarn GP vor einer Woche war Verstappen in die Kritik geraten, weil er beim Verteidigen gegen Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen mehrfach die Spur gewechselt hatte. Der Holländer selbst aber zeigte, sowohl in Budapest als auch in Hockenheim am Sonntag, kein Verständnis für die Beschwerden der Kollegen, legte seinerseits nach: „Was Nico gemacht hat, war wie sein Manöver in Österreich (gegen Hamilton; d. Red.). Er har sehr spät gebremst und überhaupt nicht eingelenkt.“ Das wollte der Deutsche nicht auf sich sitzen lassen. Rosberg: „Man kann die beiden Situationen nicht miteinander vergleichen. Es geht eine ganz andere Positionierung voraus und diesmal war ich definitiv vorne. Das war Racing.“

Geknickt: Rosberg nach dem Rennen im Interview

Dass der Mercedes-Pilot angab, das Lenkrad bis zum Anschlag gedreht zu haben, kommentierte Verstappen indes frech: „Das glaube ich ihm nicht, denn ich habe gesehen, dass seine Hände weiter geradeaus gingen...“ Unterstützung erhielt Verstappen von seinem Teamchef Christian Horner. Der Brite erklärte: „Nicos Problem war, dass er sich dabei nicht verbremst hat. Wäre er mit rauchenden Reifen in der Kurve angekommen, hätte man gesehen, dass er nichts machen konnte und er wäre wahrscheinlich damit durchgekommen. So aber sah es so aus, als fahre er ganz entspannt weiter bis nach Köln.“

„Für mich war es 50/50. Man kann es bestrafen, muss es aber nicht. Wahrscheinlich hat jeder im Fahrerlager eine andere Meinung dazu“, urteilte Toto Wolff, der allerdings die „Inkonstanz“ bei den Strafen bemängelte. Eine Einschätzung, die auch Sky-Experte Anthony Davidson unterstrich. „Diese Strafe war jetzt wieder sehr hart. Mal kommt ein Fahrer damit durch, mal nicht. Es liegt an den Stewards. Jedes Rennen ist es ein anderer und das ist nicht gut“, bemängelte der britische Ex-Fahrer. Doch nicht nur die Rennkommissare machten Rosberg am Sonntag das Leben schwer – auch das eigene Team. Denn als Rosberg beim letzten Reifenwechsel die Strafe antrat, streikte die Stoppuhr!

Die nächste Panne: An der Box versagte die Stoppuhr

Statt fünf Sekunden stand der Mercedes-Star acht Sekunden vor seinen Mechanikern, ehe diese Hand anlegten.  „Das verdammte Ding hat uns im Stich gelassen“, fluchte Sportchef Wolff und räumte ein: „Nicos Stopp war eindeutig nicht unser bester Moment. Da die Uhr nicht funktionierte, mussten wir es konservativ angehen. Aber in so einem Hightech-Sport ist das natürlich ein Fehler, für den man sich am liebsten selbst ohrfeigen möchte.“ Rosberg bekam von der peinlichen Panne zunächst gar nichts mit. „Es hat sich einfach angefühlt als ob ich ewig da sitze. Im Nachhinein hat es aber wahrscheinlich auch keinen Unterschied mehr gemacht. Heute ist sowieso alles Schlechte zusammengekommen“, schüttelte der 31-Jährige den Kopf.

Dafür, dass er im letzten Stint keine Chance mehr hatte, die Red Bulls zu attackieren, machte Rosberg überhitzende Hinterreifen und ein nicht ideales Set-Up verantwortlich. Mit Rang vier und weiteren 13 auf Hamilton verlorenen Zählern in der WM, beträgt Rosbergs Rückstand nun schon 19 Punkte. „Das ist gar nicht das Problem. Hart ist es nur, ein Rennen so zu verlieren wie heute – nach der Pole gestern und auch der guten Pace am Freitag... und dann geht plötzlich alles schief“, erklärte Rosberg. „Heute war einfach ein mega harter Tag. Viel schwieriger wird es dann auch nicht mehr im Sport“, sagte der geknickte Mercedes-Star und verriet: „Ich brauche jetzt sicher ein paar Tage um damit klarzukommen. Aber zum Glück habe ich meine Familie, die wird mir dabei helfen.“

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance / BG

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